Vor 340 Jahren starb Angelus Silesius

 

Angelus Silesius (lat.) = Schlesischer Bote – Johannes Scheffler (* ?, getauft 25.12.1624 in Breslau/Wrocław/PL, † 9.7.1677 ebd.) – religiöser Dichter des deutschen Barock

Quelle des Fotos: Wikimedia Commons / gemeinfrei (abgerufen 17.05.2017)

 

 

 

Angelus Silesius
Cherubinischer Wandersmann oder Geist-Reiche Sinn- und Schluß-Reime zur Göttlichen beschauligkeit anleitende“ 1675

Cherubinischer Wandersmann. Kritische Ausgabe, Stuttgart: Reclams Universal-Bibliothek Nr. 8006, 1984 (zit. Angelus Silesius 1984)

 

In einem Referat[1], das Karl Leisner 1935 gehalten hat, zitiert er die ersten Worte des berühmtesten Sinnspruches von Angelus Silesius.

V. Katholische Jugendbewegung und Kirche
a) Volk – Kirche: Das Kirchenerlebnis, das Christuserlebnis: Mensch, werde wesentlich.[2] Das Wiederentdecken sinnlos gewordener Zei­chen.

[1] Das vollständige Referat steht unter Aktuelles vom 11. Februar 2017.
[2] Anfang des Epigramms „Zufall und Wesen“ von Angelus Silesius im Cherubini­schen Wanders­mann (Zweites Buch, 30):
Mensch, werde wesentlich; denn wenn die Welt vergeht, / So fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht (Angelus Silesius 1984: 19).

Die F.A.Z. vom 9. Juli 1977 Nr. 156 verwendete den Beginn des Epigrammes als Überschrift für einen ganzseitigen Artikel von Gerd-Klaus Kaltenbrunner: „Mensch, werde wesentlich – Vor dreihundert Jahren starb Angelus Silesius“.

Johannes Scheffler nannte sich selbst „Angelus Silesius – Der schlesische Bote“. Sowohl dieser Name, wörtlich auch „Der schlesische Engel“, als auch der Buchtitel „Der Cherubinische Wandersmann“ verweisen laut Gerd-Klaus Kaltenbrunner auf die Welt der Engel. Dabei sieht sich Angelus Silesius selbst als „Cherubinischen Wandersmann“, „der von den Cherubim, den Gott am nächsten stehenden Engeln, in das Geheimnis der Schöfung eingeweiht wurde.“

„Schon zu Lebzeiten heftig umstritten, ist der Streit über ihn bis heute zu keinem Abschluß gekommen. Wenn ein Werk zu so unterschiedlichen Auslegungen Anlaß gibt, von sonst so entgegengesetzten Denkern, Schulen und Gemeinden beansprucht zu werden vermag, dann ist zu vermuten, daß auch sein Urheber mehr Spannungen, Unstimmigkeiten und Gegensätze in sich auszutragen hatte, als man gemeinhin einem weltentrückten Mystiker zuzuschreiben pflegt. In der Tat verrät Schefflers Biographie alles andere denn ein milde abgeklärtes und gelassenes Naturell, obwohl er in seinen Sprüchen immer wieder Ruhe, Stille und Gelassenheit des Gemütes gepriesen hat. Sein Wesen enthält härteste Gegensätze, die ihn auch für Freunde zu einem überaus schwierigen und unangenehmen Patron gemacht haben.“[1]

[1]  URL http://altmod.de/vom-geist-europas/angelus-silesius/ – 15.06.2017