Was haben Papst Franziskus und Karl Leisner gemeinsam?

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Alessandro Manzoni
Die Verlobten
Eine mailändische Geschichte aus dem 17. Jahrhundert Band 1 und 2
Berlin 1985
Deutsch von Caesar Rymarowicz

Titel der italienischen Originalausgabe:
I promessi sposi – Storia milanese del secolo XVII

Die zwei Hauptgestalten zeigen das Wirken Gottes in der Ge­schichte.

In der Herder Korrespondenz Monatsheft für Gesellschaft und Religion, Mai 2016: 30-33 verfaßte P. Michael Sievernich SJ einen Artikel mit dem Titel „Die Bibliothek des Papstes. Die mediale Darstellung des Papstes verdeckt leicht sein spirituelles Profil. Wer seine Wahrnehmung von Franziskus schärfen möchte, muss auf dessen geistige und geistliche Quellen schauen, aus denen er seit Jahrzehnten schöpft. Am besten geht dies mit einem Blick in die ‚Bibliothek des Papstes’“. Dabei denkt der Verfasser nicht an die Privatbibliothek des Papstes. „Die hier gemeinte Bibliothek ist virtueller Natur, es sind die Quellen, aus denen er schöpft und lebt.“

Seite 31:
In Spadaros Interview beschreibt der Papst die Kirche mit dem Bild eines „Feldlazaretts“, in dem Wunden zu heilen und Herzen zu erwärmen seien. Diese Metapher erinnert an einen Schlüsselort in Alessandro Manzonis „Die Brautleute“ (Promessi sposi), einem Lieblingsroman Bergoglios. Dort wird das Pestlazarett von Mailand im 17. Jahrhundert zum Schauplatz, an dem der demütige Kapuziner Pater Christoforo die Wunden der Kranken versorgt und an dem zugleich das Liebespaar Renzo und Lucia nach langer erzwungener Trennung sich wieder in die Arme schließen kann. Das Lazarett wird hier zum Bild einer Kirche als Ort der Heilung an Leib und Seele.

Seite 33:
Alessandro Manzonis schon erwähnter Roman „Die Brautleute“ kommt hier mit der berühmten Begegnung zwischen Kardinal Federico Borromeo[1], der gleichsam Bergoglios Bischofsideal repräsentiert, und dem berüchtigten L’lnnominato (Der Ungenannte) zur Sprache.

[1]    Federico Borromeo (1564–1631), der bereits mit 23 Jahren Kardinal wurde, war ein Vetter von Karl Leisners Namenspatron Karl Borromaeus. Manzoni hat Federico Borromeo in seinem Roman ein literarisches Denkmal gesetzt.

Link zur Herderkorrespondenz

Karl Leisner schreibt nach einer Vorlesung von Professor Peter Wust am 24. Januar 1935 in sein Tagebuch:
Heut’ morgen sprach [um 8.15 Uhr] Professor Wust so einzig über die Erschei­nung der Reue. Er führte Manzoni (Alessandro) mit seinen „Pro­messi Sposi“ an. Besonders Kapitel 19–23 über den „Innominato“ [Unge­nannten].[1] Lesen, lesen, kann’s da nur heißen: Nütze die Ferien aus bis zur letzten Minute. Volles Ruhen und Ausschwingen, otium [Muße], aber frucht­bares. Rechte Tageseinteilung – harmonischen Wechsel – in die Ferien­­­tage brin­gen! Ein­stimmen, nachsinnen, bereiten, ausatmen und einat­men, große schöpferische Pause sollen die nächsten Ferien sein!

[1]    Fabian Lampart:
Die Bekehrungsgeschichten und die Bekehrung und Buße des Innominato spielen in Manzonis dogmatisch fundierter Auffassung des Katholizismus eine zentrale Rolle. […] Obwohl der Innominato in einer Existenzkrise steht und innerlich bereits von der Wandlung überzeugt ist, kann er sie noch nicht vollziehen. Es fehlt ihm ein Anstoß von außen (Lampart, Fabian: Zeit und Geschichte. Die mehrfachen Anfänge des historischen Romans bei Scott, Arnim, Manzoni und de Vigny, Würzburg 2002: 361 u. 371).