Was hätte Karl Leisner zu einem solchen Orden gesagt?

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Das IKLK-Präsidium bittet um Einstellung der folgenden Presseberichte.

Express Düsseldorf vom 7. Februar 2016

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Westfälische Nachrichten vom 10. Februar 2016

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Kommentar zum Karnevalsorden

Karnevalsorden_ganzAuf Grund der zahlreichen negativen Rückmeldungen auf die in den Medien (u. a. Rheinische Post, Westfälische Nachrichten, Kirche + Leben sowie Homepage des Bistums Münster) erschienenen Berichte zum Karnevalsorden sieht sich das Homepage-Team (Joachim Albrecht, Christa Bockholt, Gabriele Latzel, Ricarda Maas, Hans-Karl Seeger) zu folgendem Kommentar veranlaßt:

Der Orden ist eine Verhöhnung des Martyrers der NS-Zeit Karl Leisner. Wie kann man sich erlauben, das Motto des CKH (Comitee Klever Herrensitzung) in Kleve „Wej halde onse Schnütt niet – Wir halten unseren Mund nicht“ in Verbindung zu bringen mit Karl Leisners Äußerung „Schade, daß er [Adolf Hitler] nicht dabei gewesen ist“, die Karl Leisner letztendlich ins KZ gebracht hat, indem man unter anderem behauptet, auch er habe den Mund nicht gehalten? Ganz abgesehen davon, daß die Büttenreden dieses Vereins laut Äußerungen von Teilnehmern zumindest in den vergangenen Jahren nicht selten unter die Gürtellienie zielten.
Den Satz „Schade, daß er nicht dabei gewesen ist“ hat Karl Leisner nicht in aller Öffentlichkeit gesagt, sondern nur im Vertrauen gegenüber einem befreundeten Mitpatienten geäußert.

Johann Krein aus Trier am 12. März 1946 an P. Otto Pies SJ in Rott­manns­höhe:
In jenem furchtbaren No­vember [1939] erfuhren wir auf der Terrasse die Nach­richt von dem mißglück­ten Attentat auf Hitler. Ich kann mich erinnern, alles war in Auf­regung und ich selbst wie alle ehrlich glücklich, daß Hitler nichts pas­siert war. In die­ser Stimmung trat ich auch in das Zimmer von Herrn Leisner. Ich teilte ihm ohne irgendeinen Hintergedanken das Ge­schehen mit, mußte jedoch feststellen, daß er be­reits unterrichtet war. Er sagte dann: „Schade, daß er nicht dabei gewesen ist.“ Ich vergesse diese Worte nie. Ich weiß auch heute, wie richtig sie waren. Was wä­re uns an Leid erspart geblieben, wenn Hitler da­mals umgekommen wäre.

Martyrer der NS-Zeit mußten schon einmal eine Verhöhnung über sich ergehen lassen, als der Nuntius Cesare Orsenigo (* 13.12.1873 in Villa San Carlo am Comer­see/I, † 1.4.1946 in Eichstätt) und manche deutsche Bischöfe die KZ-Priester als „Martyrer der Dummheit“ bezeichneten. Jene waren der Meinung, manch einer wäre nicht ins KZ gekommen, wenn er den Mund gehalten hätte. In Bayern prägte man das Wort „Lieber Gott, mach mich stumm, daß ich nicht nach Dachau kumm!“

KZ-Priester Richard Schneider am 22. April 1969 an KZ-Priester Heinz Römer:
Das ominöse Wort „Martyrer der Dummheit“ hat der † Nuntius Orsenigo vor Priestern im Exerzitienhaus Himmelspforte in Würzburg ausgesprochen. Er hat es von Staatsrat [Wilhelm] Berning übernommen, diesem nazistischen Bischof [von Osnabrück]. Es ist aber leider Gedankengut unserer Bischöfe einst und jetzt geworden.

So auch bei Erzbischof Dr. [Hermann] Schäufele [von Freiburg]! Er gebrauchte es vor dem [KZ-Priester] Polendekan Julius Janusz in Mannheim. Von ihm erfuhr ich es erst ohne Namensnennung: Ein hoher Herr habe ihm gesagt, von den Freiburger KZlern war kein Prominenter im KZ. Und die dort waren, verdanken es ihrer Dummheit. (Original ABSp Nachlaß Römer Nr. 58)

siehe Link zu „Dummheit?“

Leserkommentar

Es ist nur schwer erträglich, dass Karl Leisner mit den Mitgliedern des CKH verglichen wird. Er hat sicher gerne Karneval gefeiert, doch zeigen folgende Tagebuchauszüge auch klar und deutlich seine Einstellung zur Gestaltung von Karnevalsfeiern.

Kleve, Montag, 12. Februar 1934, Rosenmontag
Um 7.00 Uhr Gemeinschaftsmesse! 20 da. (Zweidrittel Sturmschar, neun­zehntel JMV) Schade! Ich bete wie Sonntag! Beson­ders auch denke ich an die Flut der Vertiertheit und Un­zucht, die in diesen Ta­gen die Men­schen besu­delt.

Kleve, Dienstag, 13. Februar 1934
Abends 18.00 Uhr Prunksitzung des [Jungmänner-]Vereins im Heim! Sau­ber! – Die Sturmscharbütt laff, nächstes Jahr besser! – Nachher bis 23.00 Uhr „Lokal­bummel“. Pfui Teufel, Schnaps und Dirne, ist Trumpf. Plan für näch­stes Jahr: „Sturmschar-Jungmannschaft für Reinheit an die Front! Nach vorheriger Schulung und Kommunion: Sprengung solcher Lasterlö­cher! Sitt­lichkeitspoli­zei!“ – Und über der schmutzigen, unzüchtigen Menschheit läßt Gott leuchten die samtgoldene Pracht eines reinen, keu­schen Sternen­him­mels!