Wiederbelebung der Wallfahrt zur „Gnadenmutter von Altlünen“

Karl Leisner erwähnt 1935 eine Wallfahrt nach Altlünen

Marienverehrung wurde in der Familie Leisner groß geschrieben. Alle Kinder hatten den Namen Maria in der Reihe ihrer Vornamen, die Älteste hatte ihn sogar als Rufnamen. Karl Leisners ausgeprägter Christusfröm­migkeit stand eine innige Marien­frömmigkeit, die ihm schon mit in die Wiege gelegt war, nicht entgegen, viel­mehr ergänzten sich beide auf großar­tige Weise.

Für den Niederrhein im besonderen, aber auch darüber hinaus, ist Kevelaer ein Ort, an dem die Men­schen Maria als Trösterin der Betrübten verehren. Er liegt 26 Ki­lometer von Kleve entfernt. Schon früh kam Karl Leisner mit diesem Wall­fahrtsort in Berüh­rung. Gerade sieben Jahre alt, machte er bereits seine erste Wallfahrt dorthin. Neben Kevelaer waren ihm alle Orte wichtig, wo Maria unter welchem Titel auch immer verehrt wurde.

So schrieb er am 30. November 1935 in sein Tagebuch:
Wir alle sind noch auf der Pilgerschaft, auf dem Weg – Wallfahrer war ich oft: zu unserer Lieben Frau und ihren Stätten der Gnade. In Kevelaer, Mari­en­­baum, Altlünen, Telgte, Vreden, Blieskastel (Saar), Altenberg hab’ ich vor Ihrem heiligen Bilde gekniet und hab’ zu Ihr, der himmlischen Mutter, gefleht und gesungen, gebetet und aufgeschaut und immer wieder hat sie mir neue Liebe, neue Kraft und neue Freude durch Christus geschenkt.
Lob und Ehre, Herrlichkeit und Preisgesang sei Gott ob Seiner Gaben Überfülle!

Altlünen ist der älteste urkundlich nachgewiesene Marienwallfahrtsort des Bistums Münster, dessen Gnadenbild sich in einer Pfarrkir­che befindet. Dort wird in St. Mariä Himmelfahrt das Gnadenbild „Unserer Lieben Frau“, der „Gnadenmutter von Altlünen“, verehrt. Genau läßt sich nicht bestimmen, wann es entstanden ist. 1018 ist das Baudatum der ersten Kirche. Um 1260/70 fertigte man für diese Kirche einen Reliquien-Behälter in Form einer thronenden Madonna, um darin das „Öl der seligen Jungfrau“ und vermutlich auch andere Reliquien aufzubewahren. 1335 fand eine Umtracht mit dem Gnadenbild eine urkundliche Erwähnung. 1895/96 entstand eine neue Kirche. Spätestens seit der Haus- und Kapellenmission von 1933 rückte das Gnadenbild wieder ins Bewußtsein der Gemeinde. In den 1960er Jahren geriet die Verehrung des Gnadenbildes weitgehend in Vergessenheit. Die letzte Prozession mit dem Gnadenbild fand zum Fest Mariä Himmelfahrt 1968 statt. 1996 erhielt es im Rahmen der letzten Kirchenrenovierung seinen Platz in der von dem Mühlheimer Architekten Ernst Rasche entworfenen Stele. Seit jüngster Zeit erfährt die Wallfahrt zum Gnadenbild „Unserer Lieben Frau“ eine Wiederbelebung, denn es pilgern vermehrt Wallfahrer nach St. Mariä Himmelfahrt, um die „Gnadenmutter von Altlünen“ zu verehren.