Eröffnung des Seligsprechungsprozesses für Wilhelm Frede

Peter Wilhelm Frede (* 29.6.1875 in Duisburg-Meiderich, † ermordet 13.3.1942 im KZ Sach­senhausen) – Heirat 21.4.1903 mit Maria Frede, geb. Brohl (* 21.5.1882 in Kleve, † 11.11.1963 ebd.) – Diplomat – Während seiner Tätigkeit am nieder­ländi­schen Konsulat in Kleve wurde er am 3.11.1941 verhaftet und kam am 7.2.1942 ins KZ Sach­sen­hausen.

Quelle des Fotos: Karl-Leisner-Archiv

 

Am heutigen 75. Todestag von Wilhelm Frede eröffnet der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, in Münster den Seligsprechungsprozeß für den von den Nationalsozialisten ermordeten Blutzeugen. Unter der Überschrift „Mutiger Glaubenszeuge. Bischof Genn eröffnet Seligsprechungsprozess für Frede“, gibt Jürgen Kappel in der Kirchenzeitung Kirche+Leben Nr. 10 vom 12. März 2017 Einblick in das Schicksal des Martyrers .

Link zu Kirche+Leben Netz vom 13. März 2017

Siehe auch Link zu domradio.de

In Duisburg-Meiderich geboren, war Wilhelm Frede der Stadt Kleve sehr verbunden. Die Familien Leisner und Frede hatten guten Kontakt, gab es doch in beiden Familien ein Opfer des NS-Staates.

Die Verbindung und Beziehung zwischen den Familien der beiden Glaubenszeugen wird unter anderem in einem von Paul Gerhard Küsters aufgefundenen Brief von Mutter Amalia Leisner an Witwe Maria Frede deutlich. Der Brief fand sich im Nachlaß von Wil­helm Fredes Tochter Mechtilde Pelzer. Paul Gerhard Küsters machte außerdem auf folgendes aufmerksam: „Vater Leis­ner gehörte zu dem kleinen Kreis der Freunde Wilhelm Fredes, die den Mut hatten, den im Kle­ver Gefängnis In­haftierten durch Anteilnahme und die gleiche Ge­sinnung zu stärken.“

Amalia Leisner am 24. Februar 1946 an Maria Frede:

Frede

Kleve, den 24. Febr. 1946.
Liebe Frau Frede! Endlich möchte ich wohl sagen wird es Zeit, daß ich Ihnen antworte. So oft wird man gestört beim Schreiben. Denn wir haben oft mehr Betrieb, wie im offenen Geschäft. Heute Morgen war Ihr l. [lieber] Schwiegersohn [Wilhelm Pelzer] kurz hier u. berichtete, daß es [Ihrem Enkel] Wil­helm wieder gut geht. Wir freuen uns schon, wenn wir ihn im Frühjahr wiedersehen. Er ist wohl recht groß geworden. Für Ihre teilnehmenden Worte danke ich im Namen aller recht herzlich. Sorge brauchen wir jetzt um unseren l. Karl keine mehr zu haben. Jetzt quält ihn keiner mehr. Er ist unser großer Fürbitter am Throne Gottes. Dem l. Gott bin ich dankbar, daß er mir noch 6½ Wo­chen am Krankenbett unseres l. Karl schenkte. Täglich sagte er: Mutter was ist es ein Glück, daß Du bei mir bist. Gerne erzählte ich von allen l. Klevern.
Dank auch für Ihren Glückwunsch zu unserer klei­nen [Enkelin] Ursula. Weihnachten war [unser Sohn] Willi bei seiner Frau [Franziska] und der l. Kleinen. Bald reise ich zum Spessart u. sehe mir das kl. Fräulein an. Wie ich höre, kommen Sie nächsten Monat nach Kleve. Ich hatte schon daran gedacht. […] Ihnen alles Gute bis auf ein ge­sundes Wiedersehen in Kleve. Herzliche Grüße für Sie und Ihre Lieben, von uns allen,                   Ihre Malÿ Leisner

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 16. Oktober 1943, an seine Familie in Kleve:
An Geschwister Frede für die kostbaren Äpfel herzliches Vergelt’s Gott.

Frede, Familie
1. Generation:
Eheleute Julius Frede u. Adelgunde Frede, geb. van Üdem – 6 Kinder: 4 Söhne u. 2 Töch­ter
2. Generation:
2a. Peter Wilhelm Frede (* 29.6.1875) – Zweitältester, s. Frede, Wilhelm
2b+c. Geschwister von Wilhelm Frede erwähnt Karl Leisner in den KZ-Briefen. Zwei Schwestern wurden auf dem Klever Friedhof beigesetzt. Die Gräber sind inzwischen einge­ebnet.
2d. Peter Gerhard Frede (* 2.12.1879 in Meiderich, † 9.8.1934 in Kleve)
2e. Julius Frede
2f. 1 Sohn
3. Generation (Tochter von Wilhelm Frede u. Maria Frede, geb. Brohl):
3a. Eheleute Wilhelm Pelzer (* ?, † ?) u. Mechtilde Pelzer, geb. Frede (* 26.3.1904, † 18.7.1994) – Kleve, Tiergarten 6 – 1 Sohn
4. Generation (Sohn von Wilhelm Pelzer u. Mechtilde Pelzer, geb. Frede):
Wilhelm Pelzer

Totenzettel und Heinrich Schönzelers[1] Lebensbeschreibung von Wilhelm Frede[2]

[1]    Dr. Heinrich (Heini) Schönzeler (* 19.9.1888 in Köln, † 1.6.1975 in Kleve) – Kleve, Grenzallee 1 – Volksschule in Kleve, Köln u. England – Abitur 1909 – Klassenkamerad von Vater Wilhelm Leisner – Studienrat am Gymnasium in Kleve mit den Fächern Franzö­sisch u. Englisch, später auch Latein 1916–1957
[2]    Heinrich Schönzeler (H. S.) in: Unsere Penne. Mitteilungsblatt der Vereinigung ehemaliger Schüler des Staatlichen Gymnasiums Kleve e. V. – Jahrgang 11 August 1961 Nr. 23: 3–5 (zit. Schönzeler)

Heinrich Schönzeler:
Bitter war sein Leiden, unendlich traurig, verlassen sein Sterben. Nie wird die Wunde sich ganz schließen bei seinen Angehörigen, seiner Gattin, seiner Tochter, seinen Geschwistern, trotz des tröstlichen „Es ist vollbracht“.[1]
[1]
   Schönzeler 3

Auch in der Lebensbeschreibung zeigt sich der Grund für die Beziehung  zwischen Familie Leisner und Familie Frede. Wilhelm Leisner hat sich sehr um Wilhelm Frede während dessen Haft im Gefängnis von Kleve gekümmert:
„Drei Monate verbrachte er in der Haftanstalt Kleve, wo gute Freunde ihm Beweise von Treue und Freundschaft geben konnten. Es waren vor allem Wilhelm Leisner und Johann Pollmann. Mit Rauchwaren gewann man den Gefängnisinspektor, so daß Frede mit allem versorgt werden konnte, was sein Herz begehrte. Er sei, trotz allem, guter Dinge gewesen, erzählte man mir, auch am Tage vor der Überführung ins KZ, von der er selbst nichts ahnte, während W. Leisner, der dank des Vertrauens des Inspektors unterrichtet war, das Herz zu brechen drohte angesichts des aufgeräumten Wesens des Ahnungslosen.“[1]
[1]
   Schönzeler 4

Artikel von Heinrich Schönzeler
Penne

 

Paul Gerhard Küsters im Rundbrief des IKLK Nr. 34 – Dezember 1996: 32-34
Rdbr34

 

Klaus Riße im Rundbrief des IKLK Nr. 42 – August 2000: 86f.
Rdbr42

 

Aus Anlaß des Einzuges in den wieder­er­stan­denen Xantener Dom fand dort 1966, 30 Jahre nach der Großen Viktortracht von 1936, wieder eine solche statt. Der Wiederaufbau des Domes bot die Möglichkeit, die Krypta zu er­weitern und als Gedenkstätte für die Blutzeugen aus der Zeit des Natio­nal­sozialismus zu gestalten. Seit­dem befin­den sich dort die Gräber von Heinz Bello, Karl Leisner und Gerhard Storm sowie Urnen mit Asche aus den Kon­zen­trationslagern Auschwitz, Ber­gen-Belsen und Dachau. Erin­nerungs­stücke und Schriftta­feln erinnern an Wil­helm Frede, Nikolaus Groß und Johannes Maria Ver­weyen.

Siehe auch den Artikel „Bischof prüft Antrag auf Seligsprechung“ von Werner Stalder in der RP Online vom 1. Juli 2015