Zum 100. Geburtstag von Dr. Paul Wesemann

Wesemann_PaulDomkapitular Prälat Dr. iur. can. Paul Wesemann (* 24.11.1915 in Bocholt, † 13.6.2001) – Eintritt ins Collegium Borromaeum in Münster 1.5.1934 – Priesterweihe 23.9.1939 in Münster – 1939-40 Vertretungen – 1940-45 Militärdienst – 1945 Kaplan in Kamp-Lintfort St. Marien – 1948 Studium in Rom – 1951 Bischöfl. Geheimsekretär und Kaplan in Münster – 1953 Generalvikariatsassessor in Münster – 1954-70 desgl. und Bischöfl. Kommissar für die Genossenschaft der Brüder vom Christl. Apostolat – 1955-70 desgl. und Landeskurat der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg im Bistum Münster – 1955 Generalvikariatsrat in Münster – 1956 Prosynodalrichter – 1961 Geistl. Rat – 1961 Vizeoffizial am Diözesangericht in Münster – 1963 desgl. und Bischöfl. Kommissar der Klöster St. Klara in Senden und Mariä Heimsuchung in Uedem – 1965 Päpstl. Hausprälat – 1967-81 Offizial am Diözesangericht in Münster – 1968 res. Domkapitular an der Hohen Domkirche in Münster – 1971-75 Berater der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland – 1972-76 Leiter der Fachstelle Ökumene im Bischöfl. Generalvikariat – 1977 Konsultor der Kleruskongregation in Rom – 1981 Apostolischer Protonotar – 1981-91 Vizeoffizial am Diözesangericht in Münster – 1990 Vizeoffizial em. in Münster

Foto Bistumsarchiv Münster, Bildersammlung

Am 24. November 2015 wäre Karl Leisners Kursgenosse Paul Wesemann 100 Jahre alt geworden. Karl Leisner erwähnt ihn nur am Rande im Tagebuch. Einzelheiten dazu ergeben sich aus Willi Leisners Notizen im Jungmannskalender.
Karl Leisner, Paul Wesemann und Heinrich Daams[1] waren am 4. März 1939 zu Subdiakonen geweiht worden. Es muß wohl von großem Interesse für die drei Theologiestudenten gewesen sein, was sie in der darauf folgenden Woche zur Universität nach Nijmegen aufbrechen ließ, um Prof. Titus Brandsma[2] zu hören.

[1]    Heinrich (Heinz) Daams (* 11.12.1915 in Praest/Emmerich am Rhein, † ertrunken am 23.4.1972 in Israel) – Eintritt ins Collegium Borromaeum in Münster 1.5.1934 – Priester­weihe 23.9.1939 in Münster – Militärdienst 1940–1945 – Kaplan in Berlin St. Matthias 1947–1961 – Pfarrer in Berlin St. Bonifatius 1961 bis 23.4.1972

[2]    Prof. Pater Dr. theol. Titus (Anno Sjoerd) Brandsma OCarm (* 23.2.1881 in Oegeklooster bei Bolsward/NL, † 26.7.1942 im KZ Dachau) – Eintritt in den Karmel 1898 – Ewige Profeß 1902 – Priesterweihe 17.6.1905 in ’s-Hertogen­bosch/NL – Univer­sitätsprofessor in Nijme­gen/NL 1923 – Haft im Gefängnis in Kleve 16.5. bis 13.6.1942 – Einlieferung ins KZ Dachau 19.6.1942 – Seligsprechung 3.11.1985 – Gedenktag 27.7.

Rheinische Post vom 1./2. November 1982

Brandsma-1

 

Brandsma

Auszug der Vorlesungen von Prof. Dr. Titus Brandsma 1938/39 aus der Liste:
Donnerstags 15.00 Uhr Het nationaal-socialisme wijsgerig beschouwd [Der Nationalsozialismus phi­losophisch betrachtet],
16.00 Uhr Middeleeuws en huidig thomisme [Mittel­alter und heutiger Thomismus],
17.00 Uhr Metafysische vraagstukken [Meta­physische Fragestunde].

Tagebucheinträge von Karl Leisner und Kalendernotizen seines Bruders Willi:

Münster, Mittwoch, 15. Februar 1939
[…] dann mit Heinz Daams los einkaufen und die Hollandreise [vom 9. bis 11.3.1939 nach Nijmegen] präpariert.

Kleve, Donnerstag, 9. März 1939
Gegen Wind [mit dem Fahrrad] zu Tante Corry [Paanakker[1]] nach Nijmegen. 11.30 Uhr da – Brevier. – Nachmittags Pr. B. [? Prof. Titus Brandsma] und Mr. v. [? d.] Rijswijk.

[1]    Paanakker, Familie
1. Generation:

Eheleute Henricus Gerardus Paanakker u. Cornelia (Corry) Anna Maria Paanakker, geb. von Roessel (* 4.1.1889) (s. Paanakker, Cornelia) – 1935 Nijmegen, Jan de Wittstraat 15 – 1939 Broerdijk 42 – Familie Paanakker schickte Medikamente für Karl Leisner ins KZ Dachau.
2. Generation:
2a. Gerardus Paanakker (* 11.8.1920) s. Paanakker, Gerardus
2b. Corrie (Korry) Paanakker (* 6.12.1921, † 11.3.1931 in Millingen)
2c. + d. als Säuglinge verstorbene Zwillinge
Paanakker, Cornelia
Cornelia (Corry, sie selbst schrieb Corrie) Anna Maria Paanakker, geb. von Roessel (* 4.1.1889 in Til­burg/NL, † 23.9.1955 in Nijmegen/NL) – Sie besuchte mit Mutter Amalia Leis­ner das Internat Maria Roe­paan in den Niederlan­den und war mit ihr 50 Jahre lang befreun­det.
Paanakker, Gerardus
Eheleute Gerardus (Gerrit, Gert) Johannes Henricus C. Paanakker (* 11.8.1920 in Nijme­gen/NL, † 16.4.2003) u. Lies Paanakker, geb. Dekkers (* 15.9.1921 in Nijmegen, † 4.10. 2011 ebd.) – Gerrit Paanakker hat 1925 einige Wochen bei Familie Wilhelm Leisner gelebt und in Kleve den Kin­dergarten besucht. Er hat 1935 an der Flandernfahrt teilgenommen und war lange Zeit stellvertretender Vorsitzender des IKLK. Im Seligsprechungsprozeß 1981 und Martyrerpro­zeß 1990 für Karl Leisner hat er als Zeuge ausgesagt.

Willi Leisner am 9. März 1939 im Jungmannskalender:
10.19 Uhr nach Nymwegen, Tt. Korry an der Bahn, Heinz Daams, Wesemann und Karl sind da – Mittagessen. 14.36 Uhr [ich] weiter nach Tiel [NL] 15.13 Uhr an.

Nijmegen, Freitag, 10. März 1939
Ich: Verpennt! Morgens Uni. Funds! [Großartige Sache] Nach­mittags dto. Bei Fräulein v. d. Salm. Fein. Abends toll aufgelegt.

Nijmegen, Samstag, 11. März 1939
Willi wieder da: „Schmaltappels“ [Schmalzäpfel] … [Rückfahrt von Nijme­gen nach Kleve]

Willi Leisner am 11. März 1939 im Jungmannskalender:
7.00 Uhr auf – Messe – Kaffee – Papstwahlberichte gelesen[1] – Karl + 2 Konfratres [Heinz Daams und Paul Wesemann] ab. [Karl nach Kleve]

[1]     Eugenio Kardinal Pacelli war am 2.3.1939 als Nachfolger von Pius XI. zum Papst gewählt worden und nannte sich Pius XII.

Gerrit Paanakker aus Nijmegen am 12. März 1999 an Hans-Karl Seeger:
Als Karl mit zwei Freunden 1939 an der Universität in Nijmegen war, hat er beim Abschied einige Worte in die Bibel meiner Mutter geschrieben. Auch die Freunde Paul Wesemann und Heinz Daams haben einen Gruß dazu geschrieben.

Gerrit Paanakker im Gespräch mit Hans-Karl Seeger:
Ich besitze eine Ausgabe der Heiligen Schrift des Neuen Testamentes in niederländischer Sprache, die Karl meiner Mutter geschenkt hat und in die er eine Widmung geschrieben hat am 11. März 1939. Daraus geht hervor, daß er mit zwei anderen Subdiakonen [Heinz Daams und Paul Wese­mann] drei Tage in Nijmegen ver­bracht hat. Die drei haben damals an einem Kursus der Universität Nijmegen teilgenommen.
Nach meiner Erinnerung hat diesen Kursus Pater Titus Brandsma gelei­tet. Die drei wohnten nach meiner Erinnerung im Pius-Kolleg [Piusconvict[2]] in Nijme­gen.

[2]    Piusconvict, van Slichtenhorststr. 91 – ehemaliges Wohnheim für an der Radboud Univer­siteit Nijmegen studierende Theologiestudenten u. Priester – heute Pius­hove, ein vom Orden „Kleine Zusters van Sint Joszef – Kleine Schwestern vom heiligen Josef“ geführtes Altersheim für Ordensfrauen

Der Eintrag in der Bibel lautet:

Paanakker_NTTot herinnering aan drie mooie daagen en voor flinke gebruik! Med dank in de naam des Heeren de drie duitsche subdiakes Karl, Hein, Paul.
[Zur Erinnerung an drei schöne Tage und zum schnel­len Gebrauch! Es dan­ken im Namen des Herrn die drei deutschen Subdiakone Karl (Leis­ner), Hein­z und Paul.]
Nijmegen 11.3.1939

 

Samstag, 27. Mai 1939
Karl Leisner aus Münster (Überwasserkirchplatz 3), Fotokarte mit italieni­scher Madonna, an Corry und Gerrit Paanakker – v. Roessel in Nijmegen[1]:

Paanakker_Karte1Paanakker_Karte2

Liebe Tante Corry und lieber Gerrit!
Vielen Dank für die Nachricht vom Tode Frl. M. v. d. Rs. [? v. d. Rijswijk] – Wie geht es Euch Lieben? Hier leben wir still und friedvoll. – Zum Pfingstfest wünsche ich Euch recht viel Freude und Sonne draußen und drinnen.
Mit frohem Maiengruß Euer Karl!

Frohe Pfingstgrüße und beste Wünsche auch von mir!
Paul W.
und Heinz D.
Vielleicht ist die Zeit gar nicht mehr so fern, daß wir plötzlich vor der Türe stehn.[2]
Herzlichen Pfingstgruß Willi [Leisner] jun., bin hier in Kleve in Urlaub.

[1]    Von dieser Fotokarte existiert nur noch eine nicht sehr gute Kopie.
Die Fotokarte ist am 28.5.1939 nicht in Münster, sondern in Kleve abgestempelt. Vermutlich hatte Karl Leisner Besuch aus Kleve gebeten, sie zum Abschicken bei Leisners in Kleve abzugeben, weil damals das Porto innerhalb einer 30-Kilometer-Zone – auch länderüber­greifend (Grenzverkehr) – billiger war.

[2]    Paul Wesemann hat Heinz Daams in seine Grußworte mit einbezogen.