Zum Tod von Joachim Kardinal Meisner

 

Mit dem Brevier in der Hand starb am 5. Juli 2017 während seines Urlaubs in Bad Füssing im Alter von 83 Jahren Joachim Kardinal Meisner (* 25. Dezember 1933 in Breslau/Wrocław/PL).

Quelle des Fotos: Wikimedia Commons / Urheber Raimond Speking / gemeinfrei / CC BY-SA 3.0 (abgerufen 07.07.2017)

 

 

 

Todesanzeige

Todesanzeige (1)

 

Hans-Karl Seeger
„Berührungen“ des Kardinals mit Karl Leisner gab es einige.

In Rom hat er mit dafür gesorgt, daß Karl Leisners Seligsprechungsprozeß vorangetrieben wurde. So ergab sich die Möglichkeit, Karl Leisner zusammen mit Bernhard Lichtenberg im Berliner Olympiastadion am 23. Juni 1996 seligzusprechen.

2003 beschloß das Kölner Domkapitel die Erneuerung des Fensters im Südquerhaus des Kölner Domes. Wenn es nach Kardinal Meisner gegangen wäre, sähe das Fenster anders aus. Ursprünglich war vorgesehen, in Anlehnung an die Heiligenfiguren des gesamten Obergadens Edith Stein, Rupert Mayer, Karl Leisner, Bernhard Lichtenberg, Nikolaus Groß und Maximilian Kolbe darzustellen, sechs Märtyrer des 20. Jahrhunderts, die durch das Naziregime ihr Leben verloren hatten. Gekommen ist das „Richter-Fenster“, das laut Kritik des Kardinals eher in eine Moschee gehört. Später fand Karl Leisner unter anderen eine Würdigung im Kölner Dom.

Rundbrief des IKLK Nr. 54 – August 2008: 28-30
Karl Leisner leibhaftig und virtuell in Köln (1)

Nach der Seligsprechung feierte der Niederrhein das Ereignis am 30. Juni 1996 in Karl Leisners Pfarrkirche, der Stiftskirche in Kleve, unter großer Anteilnahme der Gläubigen. Zahlreiche Bischöfe aus dem In- und Ausland waren gekommen, unter ihnen auch Kardinal Meisner.

In der Sakristei befand sich damals auf dem Ankleidetisch des Klerus ein Foto von Karl Leisner und darunter stand folgender Text „Ego celebrabo hanc missam uti primam, uti unicam, uti ultimam – Ich werde diese Messe so feiern, als wäre sie meine erste, meine einzige und meine letzte.“
Beim Empfang nach dem Gottesdienst unterhielt ich mich mit dem Kardinal, der zu dem Text auf dem Karl-Leisner-Foto äußerte: „So müßten die Priester jede Messe feiern!“ Ich gab nicht zuletzt aus eigenen, wenn auch wenigen Erfahrungen zu bedenken, ob das möglich sei, wenn ein Priester sogar an einem Tag mehrere Messen feiern müsse. Ich habe nicht in Erinnerung, wie die Antwort lautete, aber sie war ausweichend. Wie mag Kardinal Meisner persönlich vor seinem Sterben diesbezüglich gedacht haben, da auch in Köln der Priestermangel spürbar ist und die Fusionen der Pfarreien zunehmen?

Ich gehe mit zahlreichen Ansichten von Kardinal Meisner nicht konform, aber eines hat mir imponiert. Auf einer Fahrt im Auto hörte ich im Radio folgende Äußerung von ihm: „Ich mache jeden Morgen einige Liegestütze, um mich im Laufe des Tages selbst auf den Arm nehmen zu können!“ Jetzt dürfen wir glauben, daß ihn Gott in seine Arme geschlossen hat.