Zum Tod von Willi Fährmann

Willi Fährmann (* 18.12.1929 in Duisburg; † 25.5.2017 in Xanten) – Schulrat a. D., Kinder- und Jugendbuchautor

Zahlreich sind die Reaktionen in der Presse auf diesen geschätzten Autor. Nachfolgend einige Beispiele:

Link zur ZEIT ONLINE vom 25. Mai 2017
Link zur RP ONLINE vom 26. Mai 2017 (Xanten)
Link zur RP ONLINE vom 26. Mai 2017 (Düsseldorf)
Link zur RP ONILE  vom 27. Mai 2017 (Xanten)
Quelle des Fotos: Karl-Leisner-Archiv

 

Hans-Karl Seeger
An meiner ersten Stelle als Kaplan in Xanten habe ich Willi Fährmann kennen und schätzen gelernt. Als Rektor der Schule, an der ich Religionsunterricht gab, machte er mir Mut mit der Aussage: „Kaplan, wenn Du nur für einen Menschen wichtig gewesen bist, hat sich Dein Priesterleben gelohnt.“ Wenn ich auf mein über 50-jähriges Leben als Priester zurückblicke, darf ich feststellen, daß ich inzwischen für viele Menschen wichtig war und bin.
Willi Fährmann, der sich stark in der Jugendarbeit engagierte, entdeckte seine Begabung als Kinder- und Jugendbuchautor und animierte auch mich zum Schreiben von Artikeln für die Werkblätter in der Zeitschrift Forum der Katholischen jungen Gemeinde (KjG), mit deren Schriftleitung er etliche Jahre befaßt war.
Als ich mich näher mit Karl Leisner beschäftigte, wollte ich ihn bewegen, eine Biographie zu Karl Leisner zu schreiben. Das lehnte er jedoch ab. In einem seiner Jugendbücher über die Zeit des Nationalsozialismus erwähnt er aber Karl Leisner.

Fährmann, Willi

Karl Leisner. In: Unter der Asche die Glut, Würzburg 1997: 587

 

Klappentext:

Deutschland 1933. Die neue Zeit steht ganz im Zeichen des Hakenkreuzes. Christian Fink muss sich entscheiden: Soll er Zieglermeister werden, wie seine Mutter auf dem heimischen Gestüt als Pferdeknecht arbeiten oder mit seinem Freund Lorenz auswandern? Schließlich ist Deutschland seine Heimat. Doch ist es das wirklich noch?
Die Ereignisse zwingen Christian Stellung zu beziehen. Die Gesellschaft wird zunehmend gleichgeschaltet; schlimme Repressalien erschweren das Leben von Jugendlichen, die – wie Christian – nicht Hitlerjugend werden wollen. Freunde müssen vor den Nazis fliehen, andere verraten ihre Überzeugung um persönlicher Vorteile willen.
Um herauszufinden, wo seine Zukunft liegt, macht Christian sich auf eine ganz persönliche weite Reise. An ihrem Ende erkennt er: unter der Asche die Glut.
Ein vielschichtiger Roman über Freundschaft, Mut und Kraft in Zeiten von Willkür und Terror.

Seite 587

Text (1)

* * * * *

Als Karl Leisner und seine Klassenkameraden am Ende der Quinta, am 3 Februar 1927, im Jungkreuzbund eine Gruppe gründeten, gaben sie sich den Namen St. Werner. Karl Leisner, der zum Schriftführer dieser Gruppe gewählt wurde, schrieb am 1. März 1927 in die Gruppenchronik:

2. Bericht von der Zusammenkunft am 22. im Hornung [1. im Lenzing=1. März[1]].
Zuerst sangen wir Lieder. Dann berieten wir unsern Gruppennamen, der nach der Abstimmung St. Werner lau­tete.

[1] Monatsnamen
Es bleibt offen, warum Karl Leisner stellenweise alte Monatsnamen wählte, da er dabei nicht konsequent und nicht selten auch fehlerhaft vorging. Die Ju­gendbe­we­gung verwen­dete diese Begriffe in den 1920er Jahren.
altdeutsch:       deutsch:
Hornung             Februar       Zeit des Hirschhörnens
Lenzing              März            Erwachen des Lenzes, des Frühlings

Es ist erstaunlich, daß die Gruppe den heiligen Werner als Gruppenpatron wählte; denn zum einen war mit ihm ein antijüdischer Hintergrund verbun­den, und zum anderen war man damals bemüht, anstelle von Heiligen eher Sagenhelden oder altdeutsche Namen zu wählen, um sich vom Altherge­brachten der Jünglingskongregationen abzusetzen. Vermutlich entschieden sich die Jungen für den heiligen Werner, weil er ein Jugendlicher etwa ihres Alters war.

Werner von Womrath

(Werner von Bacharach, Werner von Oberwesel)
(* 1272 – † 19. April 1287)
Zeitweise vom Volk als christlicher Märtyrer verehrtes Mordopfer

Biographie:
Wie bei vielen Gestalten des Mittelalters umgibt die Gestalt des Werner von Womrath ein Nebel von Legenden, der sich nur schwer von der historischen Wahrheit trennen läßt. Zwei zeitgenössische Viten lassen folgende Lebens­beschreibung zu:
1272 in Womrath, als Sohn rechtschaffener, armer Bauersleute geboren, mußte Werner seine Familie schon früh verlassen, nachdem sein Vater gestorben war und der Schwiegervater ihn schlecht behandelt hatte. Der Vier­zehnjährige arbeitete daraufhin zeitweise als Weinbergarbeiter bei Ver­wandten der Mutter in Steeg, konnte dort aber nicht bleiben; bettelnd zog er am Rhein entlang. Vor Ostern 1287 trat er in die Dienste eines Juden in Oberwesel, der ihn zu Erdarbeiten beim Ausschachten eines Kellers einsetzte. Nach der Zeugenaussage einer Magd muß es dabei zu Auseinander­setzungen, möglicherweise um den Lohn, gekommen sein. Einige Tage später, am 19. April 1287, wurde Werner bei Bacharach, auf dem Winzberg, brutal mißhan­delt und ermordet in einem Gebüsch gefunden. Wahrscheinlich war er einem Sittlichkeitsverbrechen zum Opfer gefallen. Er wurde drei Tage aufgebahrt und dann feierlich in der Kapelle des hl. Kunibert beerdigt. Da man einen Ritualmord der Juden vermutete, brachen in der Folge schwere Judenpo­grome am Rhein aus. Oberwesel und Boppard wurden hierfür von König Rudolf von Habsburg (1218–1291) mit einer hohen Strafe belegt. Da es am Grab angeblich zu Heilungswundern kam, setzte ein starker Pilgerstrom nach Bacharach und Oberwesel ein. Am 13. April 1289 wurden erste Ablaß­ur­kunden zum Bau einer größeren Wernerkapelle am Ort der Kunibert-Kapelle in Bacharach ausgestellt, die 1426 fertiggestellt wurde.[1] Der Prozeß der Heiligsprechung wurde durch den päpstlichen Legaten und Kardinal­bischof Giordano Orsini (1360/1370–1438) und den Bacharacher Pfarrer Winand von Steeg 1426 bis 1429 eingeleitet, aber in Rom nie abgeschlossen. Trotzdem wurde Werner in der Diözese Trier zumindest von 1761 bis 1961 als Mär­tyrer verehrt; danach gab man seinen Festtag (19. April) wegen des offen­sichtlich antisemitischen Hintergrundes auf. In der Franche-Comté und der Auvergne ist Werner seit dem 17. Jahrhundert der Patron der Winzer.

Der Pfarrpatron St. Verny (St. Werner) als Winzer an der Kirche von Beaumont auf dem Jakobsweg in der Auvergne bei Clermont-Ferrand

Quelle des Fotos: Gabriele Latzel

 

Zwi­schen 1621 und 1632 wurden Werners Gebeine von den Spaniern ent­wendet, sie sind seitdem verschollen. Danach hörte der Pilgerstrom zu dem vorgeb­lichen Märtyrer allmählich auf, die Wernerkapelle in Bacharach ver­fiel. Auch das an der Stelle, an der die Leiche aufgefunden worden war, errichtete Kloster Windelsbach ist zerfallen. Erhalten sind die Werner­kapellen in Ober­wesel (zuvor Heilig-Geist-Kapelle, Wernerkapelle nach 1305) und Womrath (erbaut 1911).[2]
Bezüglich des heiligen Werner, dessen Tod man den Juden als Ritualmord anlastete, gibt es ein ähnliches Ereignis in Karl Leisners Heimat. 1891 ereignete sich in Xanten ein Fall von „Knabenmord“, der am Gericht in Kleve verhandelt wurde. Willi Fährmann hat darüber ein Buch geschrieben.[3] 1991 schilderte er die Ereignisse in einem Interview.

[1] Die Kapelle geht zurück auf den Kölner Bischof Kunibert (um 600 bis 12.11. 664).
[2] s. Hunsrücker Heimatblätter Nr. 134. Jg. 47, Dezember 2007: 147f.
[3]  Fährmann, Willi: Es geschah im Nachbarhaus. Geschichte eines Verdachtes, Würz­­burg 1968
Link zur Webseite von Willi Fährmann

Mein letztes Gespräch mit Willi Fährmann am Telefon ging über einen Priester, der ab 1964 in Billerbeck als Propst gewirkt hatte: Josef Hugenroth (1917–1994). Willi Fährmann kannte ihn aus der Jugendbewegung und verdankte ihm viel. Ich kannte ihn von der Jugendburg Gemen, die Josef oder „Peil“, wie man ihn auch nannte, von 1958 bis 1964 leitete.
Ich werde Willi Fährmann in lebendiger und dankbarer Erinnerung behalten.