Auf dem Feld, auf dem Karl Leisner zum ersten Mal Flugzeuge am Boden sah, herrscht nun Streit

2014_00_10_TempelhofBaubeginn eines Zentralflughafens auf dem Tempelhofer Feld 1924 – wichtigstes deutsches Luft­kreuz in den 1930er Jahren – während der Blocka­de West-Berlins vom 26. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 als Luftbrücke wichtige Funktion bei der lebensnotwendigen Versor­gung West-Berlins – Schließung 30. Oktober 2008

Die F.A.Z. berichtete am 29. Januar 2014:

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Auf seiner Rügenfahrt 1929 kam Karl Leisner auch nach Berlin. Verbunden war damit u. a. ein Besuch auf dem Flughafen Tempelhof. In seinem Tagebuch heißt es:

Berlin, Donnerstag, 22. August 1929, 20. Tag
[Dann] gings zum Zeughaus. Hier sind deutsche Waffen und Rüstungen usw. ausge­stellt. – Zuerst gingen wir in den Lichthof, wo alte Fah­nen hingen und rie­sige Ka­nonen standen. – Dann besahen wir uns die beiden Kampfflug­zeuge [von Manfred Freiherr] von Richthofen und von [Oswald] Boelcke. Das Kampf­flugzeug Richthofens ist ein roter Dreidecker. Richthofen hat damit [im Ersten Weltkrieg] 80 Luft­siege er­rungen. – Das Kampfflugzeug Boelkes war ein blauer Doppel­decker. Mit diesem erfocht Boelke 40 Luft­siege. – Dann gings an den 1000en Kano­nen und Kanonenku­gel­nachbil­dungen vorbei zu den Schlacht­plänen. Hier waren viele be­deu­tende Schlacht­felder nachgebildet (naturge­treu). Wir sahen noch eine Nachbildung einer Zeppelinbombe, Zeppelinmo­delle usw.
[…]
Nach dem guten Essen gings zur U-Bahnstation Friedrichstraße. Von hier fuhren wir mit der Untergrundbahn nach Tempelhof. Als wir dort dem Un­ter­grundbahnhof entstiegen waren, gingen wir zum Berliner Zentralflugha­fen, dem Tempelhofer Feld. Hier gingen wir zuerst zum Flugpostgebäude und kauften uns dort eine Luftpostkarte, die wir nach Hause schrieben. – (Sie kostete 18 Pfennig, also 10 Pfennig mehr Gebühr als bei der gewöhnli­chen Postkarte. Auf der Karte war eine 15 Pfennig-Flug­postfreimarke und eine gewöhnliche 3 Pfennig-Marke. – Diese Karte warfen wir um 18.00 Uhr in den Briefkasten und sie war schon um 11.00 Uhr [am nächsten Tag] bei uns in Kleve zu Hause. – Wir dachten nicht, daß es so flott ging.)
Vom Postgebäude gings zum Flugplatz. Hier standen die gro­ßen Verkehrs­flug­zeuge der deutschen [Luft-]Hansa. Auch das nach dem Ozeanflug gebau­te, nach Hauptmann [Hermann] Köhl benannte Großflugzeug: Hermann Köhl: Nr. D1310 [eine Junkers G 31]. Auch stand das Junkers­verkehrs­flug­zeug Stolzenfels Nr. D1692[1] im Flug­hafen. Wir besahen uns auch das Flug­postge­bäude, wo auch die Post drin war. Nun schauten wir bis abends 18.00 Uhr nur noch zu, wie Flugzeuge landeten und starteten. – Jedesmal wenn ein Flugzeug landete, ertönte eine Sirene, die die andern Flug­zeuge warnen sollte. – Wenn das Flugzeug den Boden be­rührte, eilten einzelne Angestellte des Berliner Flug­hafens herbei und halfen, das Flugzeug zum Stehen zu brin­gen und den Pas­sagieren beim Aussteigen. Auch wurde das Gepäck und die Post auf Wagen sofort zum Hauptge­bäude gebracht. Das Flugzeug, das zuerst lan­dete, als wir da waren, war der große Pariser weiße Doppeldecker F-AIZU. Es war ein Farman (Nr. 5) [ein zweimotoriger Hoch­decker]. Auch sahen wir zwei Sportflugzeuge landen und wie­der starten.
Ferner sahen wir noch folgende Flugzeuge landen bzw. starten:
D462[2] startete,
D1 (Nachtigall)[3] startete,
D1360 (Rostock) ein Postflugzeug[4] landete erst und startete dann wieder. – Bald darauf startete es wieder und schließlich startete es wieder.[5] Es war das Postflugzeug Berlin – London.
Nachdem wir nun all’ die vielen Flugzeuge beschaut hatten, gingen wir um 18.00 Uhr zur Untergrundbahnstation Tempelhof. In Tempelhof kauften wir erst Brot und fuhren dann um 18.20 Uhr mit der U-Bahn nach Bahnhof Friedrich­straße. Von dort gings zum „Haus der Jugend“, wo um 20.15 Uhr zu Abend gegessen wurde.

[1]
Die Stolzenfels D 1692 war kein Junkersflugzeug, sondern vom Typ Rohrbach Roland II.
[2]
Die D 462 war entweder eine Junkers G 31 oder G 33.
[3]
Die D 1 Nachtigall, Baunummer 531, Baujahr 1919, war bis 1939 in Betrieb.
[4]
Die D 1360 Rostock Typ Junkers G 34 ist ein Vorläufer der Ju 52.
[5]
Vermutlich gab es mehrere Fehlstarts.

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Hinweise eines Lesers:

Ich habe mit großem Interesse den Artikel von Karl Leisners Besuch auf dem Zentralflughafen gelesen. Da ich mich mit der Geschichte des Flughafens auskenne möchte ich einige Anmerkungen loswerden. Der erste Satz über den Bau und die Inbetriebnahme des Zentralflughafens sind etwas mißverständlich. Es gab einen Flughafen der ab 1923 gebaut wurde und am Ende des Krieges in Trümmern lag. Das was heute steht ist ab 1935 gebaut worden, dieser hat etwas mit der Blockade zu tun. Das sind zwei verschiedene Flughäfen, vielleicht aber auch Erbsenzählerei.

Das andere was ich anmerken möchte ist die Bezeichnung der Flugzeuge. Die D 1692 ist eine Rohrbacg VIII Roland I, die D 462 eine Junkers F 13, genauso die D 1 eine Junkers F 13 war. Die 1360 war eine Caspar C35, eine Junkers G 34 gab es nicht. Da es in Tempelhof auch Werkstätten zur Reparatur von Flugzeugen gab, wird die Casper Werkstattflüge durchgeführt haben. Fehlstarts sahen anders aus, dann gab es Bruch! Die Farman F63 F AIZU war eine Linienmaschine, u.a. nach Paris.