Begegnung mit Karl Leisner auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela

Artikel von Hans-Karl Seeger und Gabriele Latzel

Am heutigen Fest des Hl. Viktor und seiner Gefährten erinnern wir an die Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Pilgerherberge in Hospital de Órbigo mit dem Oratorium Carlos Leisner, die seit 2007 offiziell den Namen „Albergue Parroquial de Peregrinos Karl Leisner“ trägt. Gegenüber dem St. Viktor Dom in Xanten mit dem Grab des Seligen Karl Leisner findet sie Erwähnung auf der Jakobusstele des Europarates am Michaelstor. Dort heißt es unter anderem:
„Nicht zuletzt, da Karl Leisner sich schon früh mit den christlichen Wurzeln Europas befasst hat, machte der Internationale Karl Leisner-Kreis (IKLK) sein Andenken auf dem Jakobsweg bekannt. 2001 wurde das Oratorium in der Pilgerherberge in Hospital de Órbigo auf sein Patrozinium geweiht.
Seit 2007 trägt die Herberge den Namen ,Albergue Parroquial de Peregrinos Karl Leisner‘.“

Ein weiterer Hinweis findet sich im Pilgerführer „Wege der Jakobspilger im RHEINLAND, Band 4.“

Dort heißt es auf Seite 96:
„Durch die Verehrung des hl. Viktor ist der Xantener Dom selber zum Ziel von Pilgerfahrten geworden […]. Eine neue Verbindung zwischen Xanten und dem nordspanischen Jakobsweg hat sich vor wenigen Jahren an der Grabstätte Karl Leisners in der Krypta ausgebildet. Das Andenken an den Priesteramtskandidaten Leisner, der im Zweiten Weltkrieg Häftling des Konzentrationslagers Dachau war und […] an den Folgen einer unbehandelten Lungenerkrankung [am 12. August 1945 im Waldsanatorium Planegg] starb, ehrt der Internationale Karl Leisner-Kreis auf dem nordspanischen Jakobsweg. In Hospital de Órbigo (am Camino Francés zwischen León und Astorga) wurden 2001 eine Kapelle und 2007 die Pfarrherberge nach Leisner benannt.“
Am Ende der Seite befindet sich ein Foto mit dem Vermerk „Pfarrherberge ,Karl Leisner‘ in Hospital de Órbigo am Jakobsweg, Nordspanien“.

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Pilgerherberge in Hospital de Órbigo

Ohne unser Mitglied Robert Plötz († 26.8.2017) und unser spanisches Mitglied Padre Angel F. de Aránguiz SAC († 13.6.2009) gäbe es kein „Oratorium Carlos Leisner“ in der Pilgerherberge von Hospital de Órbigo/León/E

Zum Tod von Pallottinerpater Angel Fernandez de Aránguiz y Díaz de Otazu

Am 13. Juni 2009 erlag unser Mitglied, Padre Ángel Fernández de Aránguiz y Díaz de Otazu SAC nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren seinem Krebsleiden. Wir haben nicht nur einen langjährigen Freund und Mitpilger verloren, sondern auch einen treuen Verehrer von Karl Leisner. Dank seines großen Engagements für den Camino de Santiago hat Padre Angel in besonderem Maße dazu beigetragen, Karl Leisner auf dem Jakobsweg in Spanien bekannt zu machen. Er unterstützte den IKLK unter anderem bei der Übersetzung des Informationsmaterials und der Vorträge für internationale Begegnungen und Kongresse in Spanien. […]
In besonderer Erinnerung ist Padre Angel vielen Mitgliedern als spiritueller Begleiter und hervorragender Kunsthistoriker auf der der Pilgerfahrt des IKLK im August 2000  oder auch als Mitpilger auf dem Jakobus-Karl Leisner-Weg von Ahlen nach Ennigerloh geblieben.
Camino

Das Buch „Wer aufbricht, kommt auch heim“ von Peter Müller, an dem Padre Angel mitge­arbeitet hat, beginnt mit folgendem Gedicht von Günter Kunert:
Ich bin ein Sucher
Eines Weges.
Zu allem was mehr ist
Als
Stoffwechsel
Blutkreislauf
Nahrungsaufnahme
Zellenzerfall
Ich bin ein Sucher
Eines Weges
Der breiter ist
Als ich.
Nicht zu schmal.
Kein Ein-Mann-Weg.
Aber auch keine
Staubige, tausendmal
Überlaufene Bahn.
Ich bin ein Sucher
Eines Weges.
Sucher eines Weges
Für mehr
Als mich.

Padre Angel hat seinen Weg gefunden und vollendet. Für uns gilt noch der Ruf der Jakobs­pilger ULTREIA! Vorwärts! Weiter!
Adiós Angel!
Paula Achermann
Gabriele Latzel
(Rundbrief Nr. 55 August  2009: 44f.)

Padre Angel war auch an dem Projekt des Christophorus-Jugendwerkes, das aus dem 17. Jahrhundert stammende Pfarrhaus von Hospital de Órbigo zu restaurieren und Teile davon zu einer Pilgerherberge auszubauen, maßgeblich beteiligt. Es wurde von DAIMLER BENZ gefördert und von der Deutschen St. Jakobus Gesellschaft e. V. in Aachen sowie der St. Jakobusbruderschaft in Düsseldorf unterstützt.

Einweihung der Pilgerherberge Hospital de Órbigo

Von Herbert Simon
Als zweite Herberge, die von deutschen Freunden des Camino de Santiago in Spanien gebaut wurde, konnte am 26. September 1992 die Pilgerherberge (Refugio de Peregrinos) in Hospital de Órbigo (Provinz León) eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden.
Dieser Ort – ein Meilenstein auf dem Jakobsweg – ist jedem Jakobspilger wohlbekannt durch seine mittelalterliche, geschwungene Steinbrücke mit 20 Jochen. Eine Säule auf einem Pfeilervorsprung vermerkt die Geschichte des seltsamen Ritters Suero de Quiñones, der hier 1434 zur Ehre seiner Angebeteten mit neun Begleitern einen Monat lang jeden europäischen Ritter, der nach Santiago zog, zum Waffengang forderte – und so dem Dichter Cervantes später zum Vorbild für die Gestalt des wunderlichen Don Quijote wurde. Die Kirche am hochliegenden Ufer des Dorfes Puente de Órbigo grüßt mit ihren Storchennestern. Auf der Westseite, im tiefer gelegenen Dorf Hospital de Órbigo, versorgen sich die Pilger heute oft mit Verpflegung für den Weg. An das früher berühmte und an dieser Stelle notwendige Pilgerhospital des Johanniterordens erinnert nur noch der Ortsname.
Den Pilgern hier wieder eine angemessene Unterkunft zu bieten, war das Bestreben des Ortspfarrers Don Liberto Centeno. Im „Christophorus-Jugendwerk“ (Oberrimsingen, D-7814 Breisach 3) fand er den Partner. Don Liberto stellte die „Casa Parroquial“, das Pfarrhaus, einen Bau des 17. Jahrhunderts mit Patio (Hofraum) zur Verfügung. Neun Jugendliche mit neun Erziehern und Meistern aus Breisach schafften im September 1991 und 1992 an der neuen Herberge. Sie gaben den Mauern ein solides Zementfundament. Beim Restaurieren des Fachwerks ließen sie sich auf alte Techniken ein, die sie selbst erst lernten. Die Holzarbeiten im Hofumgang, Säulen und Bedachung, die Gestaltung des Patio mit Brunnen, zeigen ihr Können. Zwei Schlafräume mit 16 Betten, eine Küche und ein schöner Aufenthaltsraum, je zwei Sanitäreinrichtungen wurden geschaffen.
Die Einweihung am 26. September begann mit einem Gottesdienst des Bischofs von Astorga, Don Antonio Briva, in der kleinen gepflegten Ortskirche San Juan. Acht Pfarrer assistierten. Die Freiburger gestalteten mit, in Text und Liedern. Die dann im Patio der Herberge vorgesehenen Ansprachen mussten wegen Regens in die Kirche verlegt werden. Sie machten die Motivation und das Geflecht der zusammenarbeitenden Gruppen deutlich: die Pfarre, die Diözese Astorga, der Alcalde, die spanischen Santiago-Vereinigungen (Angel Barreda). In Deutschland: die Abteilung Soziale Förderprojekte der Firma Daimler Benz (Dr. Philipp). Der Direktor des Jugendwerks, Norbert Greiwe, erläuterte das sozialpädagogische Konzept des Einsatzes: soziale Arbeit und Pilgern. Umschichtig hatte die Hälfte der Gruppe gearbeitet oder war gewandert – nach Santiago.
Eine glückliche Hilfe und Vermittlung boten auch die deutschsprechenden Pallottinerpatres – einige aus Freiburg – mit Unterkunft, Verpflegung und den Jugendeinrichtungen ihrer Internatsschule im 2 km entfernten Veguellina de Órbigo, mit ihrem erfrischenden Direktor P. Angel F. de Aranguiz. Der deutsche Generalkonsul aus Bilbao gratulierte zu dem voll gelungenen Werk. Von den deutschen Jakobus-Verbänden sprach Herbert Simon Gruß, Bewunderung, Gratulation und Dank aus.
In den Räumen der Herberge und im Umgang des Patio wurde zuletzt ein „Vino Español“ geboten: verschiedene Weine mit regionalen Leckerbissen („Pinchos“). Die Dudelsackkapelle spielte auch bei Regen in einem Winkel des Patios. Und als der Regen nachließ, rundeten auch noch bunte Folkloregruppen mit ihren Tänzen die Feststimmung. (Kalebasse Nr. 13, 1993: 5f.)

Einweihung des Oratoriums Carlos Leisner in der Pilgerherberge in Hospital de Órbigo – Der Stein auf dem Weg

„Dies ist ein erster Stein auf dem Weg“ sagte unser Mitglied Don Celestino Pérez de la Prieta († 28.4.2020), Domkapitular der Kathedrale von Santiago de Compostela, als anläßlich der Einweihung des Oratoriums Don Manuel González Rodriguez, dem ansässigen Ortspfarrer von Hospital de Órbigo, ein Stein vom Dom zu Xanten übergeben wurde. Aus diesem Stein wird ein Ständer für Kerzen gefertigt, die Pilger an diesem Ort entzünden.

Der Bischof von Astorga Camilo Lorenzo Iglesias setzte den umsichtigen Geistlichen Don Manuel als Pfarrer von Hospital ein. Dieser hat sein Pfarrhaus unter einem Dach mit dem Refugio. Anders als bei den staatlichen Refugios ereignet sich in Hospital alles im Umfeld des Pfarrhauses. So ist es nicht verwunderlich, daß dort ein Oratorium eingerichtet ist. Dieses wurde am 12. August 2001, am Gedenktag des seligen Karl Leisner, diesem geweiht. Eine künstlerisch gestaltete Tafel mit dem integrierten Foto vom Portal der Versöhnung in Kevelaer weist nicht nur auf Karl Leisner, sondern auch auf andere Martyrer und Heilige des 20. Jahrhunderts hin. […]

Don Celestino, der auch als Vertreter der Archicofradia del Glorioso Apostol Santiago mit nach Hospital gekommen war, stand dem Festgottesdienst vor. Don Manuel hatte noch weitere Geistliche eingeladen; darunter auch den aus Hospital stammenden emeritierten Theologieprofessor José Luis Santos Diez. Dessen Buch über den Ort Hospital und seine Geschichte war das Gastgeschenk an die Vertreter des IKLK, Präsident Hans-Karl Seeger und Gabriele Latzel, Beauftragte für Auslandskontakte. Diese übergaben ihrerseits neben dem oben erwähnten Stein verschiedene Schriften, die über den seligen Karl Leisner Auskunft geben, und eine Dokumentation in verschiedenen Sprachen, in der unter anderem die Beziehung zwischen Karl Leisner und dem heiligen Jakobus aufgezeigt ist, sowie die Grußworte, die beim Gottesdienst und bei der Einweihung des Oratoriums verlesen wurden.

Um 12.00 Uhr fand der Festgottesdienst unter großer Beteiligung der Bevölkerung und zahlreicher Pilger in der Pfarrkirche San Juan von Hospital statt.

Unter anderen waren auch der Präsident der französischen Sektion Champagne-Ardenne der französischen Jakobusgesellschaft Bernard Comparot und seine Frau anwesend. Sie waren im Juli von Roncesvalles aus zu Fuß aufgebrochen und hatten, wie im Juni 2001 in Reims verabredet, ihre Zwischenetappe auf dem Weg nach Santiago pünktlich am 11. August abends erreicht. Der ehemalige Präsident der frankophonen belgischen Jakobusgesellschaft Armand Jacquemin und seine Frau, die mit dem Fahrrad von Brüssel aus nach Santiago wallfahren wollten, waren auf Grund einer schweren Erkrankung in der Familie leider verhindert. Sie bedauerten sehr, bei der Einweihung des Oratoriums nicht dabei zu sein.

Reims

 

Vor der Einsegnung des Oratoriums trug Don Manuel persönlich die Grußworte des Bischofs Hippolyte Simon von Clermont in Frankreich, die des Künstlers Bert Gerresheim und die des Präsidenten der Archicofradia del Glorioso Apostol Santiago Agustin Dosil Maceira vor.

Am Ende des Gottesdienstes sprach Hans-Karl Seeger ein Grußwort im Namen des Bischofs von Münster, Dr. Reinhard Lettmann, und verlas ein Grußwort des Bischofs von Aachen, Dr. Heinrich Mussinghoff.

Grußwort im Namen von Bischof Dr. Reinhard Lettmann
Mein Heimatbischof Dr. Reinhard Lettmann aus Münster hat mich beauftragt, in seinem Namen ein Grußwort zu sprechen. Wer ihn kennt, weiß, daß zu seinen Lieblingsbeschäftigungen das Wandern und Pilgern zählt. Er hat mit großem Interesse vernommen, daß heute hier auf dem Camino das Oratorium auf den Namen des seligen Karl Leisner geweiht wird. Auf Grund von Terminüberschneidungen kann er leider nicht unter uns sein. Wenn Karl Leisner heute lebte, wäre er mit Sicherheit mit Jugendlichen auf dem Camino unterwegs und steuerte so manches Refugio an. Er zeigte viel Interesse für das, was außerhalb seiner Heimat am Niederrhein und seines Vaterlandes Deutschland passierte. Er war ganz Niederrheiner und ganz Europäer. Wenn heute die Jugend Europas auf dem Camino unterwegs ist, kann sie hier einem Vorbild begegnen. Am 8. Oktober 1988 hat Papst Johannes Paul II. Karl Leisner und den Franzosen Marcel Callo 42.000 Jugendlichen aus ganz Europa in Straßburg als Vorbild vor Augen gestellt. Ein Jahr später auf dem Weltjugendtag 1989 in Santiago de Compostela stellten französische Mitglieder des Internationalen Karl Leisner-Kreises den Jugendlichen Karl Leisner vor. Eine Gruppe hatte Karl Leisner zum Patron ihres Reisebusses erwählt: Welch „WEG-weisende“ Verbindung! Vielleicht gehört Karl Leisner eines Tages wie selbstverständlich zu den „Heiligen des Weges“ wie der Erzengel Raphael, die Heiligen Drei Könige, der heilige Christophorus, der heilige Jakobus, Santo Domingo de la Calzada und San Juan de Ortega.
Wenn Jesus selbst für uns der Weg geworden ist, brauchen wir um unseren Lebensweg keine Sorge zu haben.

Grußwort von Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff
Verehrte Damen und Herren! Liebe junge Leute!
Am Rathaus zu Aachen beginnt die Jakobstraße mit der Kirche St. Jakob. Hier ist der Anfang unseres Weges nach Santiago de Compostela. Auf dem Karlsschrein in der Chorhalle unseres Domes ist dargestellt, wie der Apostel Jakobus Karl den Großen zur Hilfe ruft, Santiago aus der Hand der Mauren zu befreien, und wie der doppelte Sternenweg die Richtung zeigt.
Ich freue mich, daß auf diesem Camino das Oratorium im Refugio von Hospital de Órbigo dem seligen Karl Leisner geweiht wird, der die Freude und Gnade hatte, nach fünfeinhalb Jahren Haft im Konzentrationslager Dachau die Priesterweihe zu empfangen und, gerade 30 Jahre alt, an den Folgen der Haft für Christus zu sterben. Er gehört zu den Großen der Jugend Europas. Er kann gerade jungen Menschen heute Mut geben, unbeirrt und tapfer den Weg zu gehen, den der christliche Glaube uns weist und der auf dem Camino eingeübt werden kann. Allen, die diesen Weg gehen, rufe ich „Ultreia“ zu. Allen, die im Oratorium Karl Leisners Einkehr halten zu Besinnung und Gebet, wünsche ich geistliche Kraft für ihren Lebensweg.
In geistlicher Weggemeinschaft.
Ihr Heinrich Mussinghoff

Grußwort von Bischof Hippolyte Simon
An die Teilnehmer der Einweihung des Oratoriums „Seliger Karl Leisner“ in Hospital de Órbigo
In der ehrenvollen Aufgabe als dritter Nachfolger des Bischofs Gabriel Piguet von Clermont nehme ich mit großer Freude an Ihrer Zusammenkunft am heutigen 12. August 2001 Anteil. Sie haben sich zur Einweihung eines Oratoriums auf dem Jakobsweg versammelt. Dieses ist nun dem seligen Karl Leisner geweiht, der am 17. Dezember 1944 im Konzentrationslager Dachau von Bischof Gabriel Piguet zum Priester geweiht wurde und kurze Zeit nach seiner Befreiung am 12. August 1945 starb. Auf dem Weg zur Einheit und Versöhnung Europas ist diese in jeder Beziehung außerordentliche Weihe eine wichtige Station. Daher ist es berechtigt, die Erinnerung an Karl Leisner durch dieses Oratorium lebendig zu halten. Ich wünsche mir aus ganzem Herzen, daß alle Jakobspilger, die hier Station machen, aus dem Geist der Vergebung und Versöhnung leben, die den seligen Karl Leisner in seiner langen Zeit als Diakon und dann als Priester in seiner Gefangenschaft erfüllt hat. Ich hoffe, daß das Leben, das Wirken und die erhaltenen Tagebücher und Briefe des seligen Karl Leisner bekannt werden. Möge er weiterhin Anstöße für ein vereintes Europa, wie wir es uns wünschen, geben: Offenheit, Brüderlichkeit und Respekt gegenüber allen Menschen. Sein Zeugnis und seine Fürsprache können allen Gottsuchern helfen, die verborgene Gegenwart desjenigen zu erfahren, den sie nicht benennen können. Ich danke dem Präsidenten und der Sekretärin des Internationalen Karl Leisner-Kreises für ihre Initiative und wünsche, daß ihr Projekt Erfolg hat und sich weiter entwickelt, auf daß immer mehr junge Menschen im Geiste des seligen Karl Leisner die Bedeutung des Jakobsweges erkennen und daraus ein Weg der Spiritualität und des Lebens entsteht. Möge über den Weg vom Portal der Versöhnung in Kevelaer über Clermont-Ferrand nach Santiago de Compostela ein Band der Versöhnung und des Friedens geknüpft werden. Am Tag der Feier des seligen Karl Leisner bin ich Ihnen im Gebet verbunden. Der Herr segne und beschütze uns und mache uns zum Werkzeug seines Friedens.
Hippolyte Simon

Grußwort von Bert Gerresheim
Zur Einweihung des Oratoriums in Hospital de Órbigo im Namen des Seligen Karl Leisner am 12. August 2001 wünsche ich Ihnen, Don Manuel, und allen, denen die Einrichtung eines solchen zeichenhaften Ortes zur Erinnerung an einen beispielhaften Märtyrer unserer Zeit ein Glaubens- und Herzensanliegen ist, von ganzem Herzen alles Segensreich-Gute – – –
Es ist ein Zeichen der Hoffnung und eine große Freude, zu erleben, wie des Seligen Karl Leisners innerer Weg der Nachfolge Christi Schritt für Schritt durch die Errichtung solcher Zeichen am äußerlichen Wegrand unseres Lebens sichtbar in Erscheinung tritt, so daß diese Zeichen uns wiederum zu inneren Wegweisern werden können auf unserer Straße nach Zion – – – Ich wünsche Ihrem Anliegen im Blick auf den Seligen Karl Leisner Gottes ganzen Segen – – –
Ultreya y suseya!
Ihr Bert Gerresheim

Grußwort von Agustin Dosil Maceira
Lieber Freund,
im Namen der Archicofradia und in meinem eigenen möchte ich Dir, als höchstem Repräsentanten des Karl Leisner-Kreises, unsere herzlichsten Glückwünsche zur Einweihung des Oratoriums in Hospital de Órbigo sagen. Wir bitten Dich, diese an alle Mitglieder des Karl Leisner-Kreises und alle Beteiligten, die diese Feier ermöglicht haben, weiterzuleiten.
Es wäre für mich eine große Freude gewesen, persönlich mit Euch an diesem Fest teilzunehmen. Da aber dieses Ereignis mit den Festlichkeiten der „Peregrina“ in Pontevedra zusammenfällt und ich dort die Archicofradia vertreten muß, kann ich leider nicht bei Euch sein.
Die Person Karl Leisner stellt in der heutigen Zeit ein erstklassiges Beispiel vor allem für Pilger dar, da seine Verbundenheit mit dem Glauben und die europäische Einigkeit sein Leben prägten.
Deshalb bin ich der Meinung, daß es eine außergewöhnlich gute Idee ist, dieses Andenken an seine Person und sein Werk in Hospital de Órbigo zu ehren, und wünsche, daß diese Ehrung über die verschiedenen Strecken des Jakobsweges nach ganz Europa dringt.
Mit meinen besten Wünschen für Frieden und Wiedervereinigung für alle Völker, Agustin Dosil Maceira

Worte zur Einweihung des Oratoriums von Don Manuel
Im Jubiläumsjahr 2000 hat uns die Kirche daran erinnert, daß inmitten so vieler Schatten dieses Jahrhunderts die Martyrer und die Heiligen in der Welt mit hellem und strahlendem Licht geglänzt haben und authentische Spuren für eine wahrhaftige Menschlichkeit gezeichnet haben … Deswegen sollen sie zur Verteidigung und als Zeugnis eines wahren Glaubens im gerade angebrochenen neue Jahrhundert, in welchem Schatten erkennbar sind, die Anzeichen neuer martyrerischer Anforderungen sein können, als wahrhaftige Vorbilder hervorgehoben und vorgestellt werden.
Da der selige Karl Leisner und die in diesem Oratorium erwähnten Martyrer und Heiligen in ihrer Glaubenstreue vorbildlich gewesen sind, war ich gerne bereit, als der IKLK durch Pater Angel den Vorschlag machte, Karl Leisner in dieser Form hervorzuheben, diesen Wunsch zu erfüllen in der Überzeugung, dass dies ein Aufruf und eine Fragestellung für die 5.000 Pilger, die dieses Refugio jährlich beherbergt, darstellt. Viele von ihnen können sein Bild betrachten und seine Botschaft lesen, die zusammengefaßt mit folgenden Sätzen in die vordere Marmortafel der Kapelle gemeißelt ist:
„Ich bin der Weg. die Wahrheit und das Leben.“
„Die Begegnung mit Christus machte sie zu Zeugen der Wahrhaftigkeit der Existenz.“ „Der Glaube gab ihren Leben ein menschliches Antlitz.“

Bericht von Pater Angel F. de Aránguiz SAC
Am 12. August 2001, dem Todesgedenktag von Karl Leisner, begann um 12.00 Uhr in der Pfarrkirche von Hospital de Órbigo (Leon/Spanien) eine Eucharistiefeier; danach fand die Segnung des Oratoriums statt, das den „Zeugen des Glaubens des XX. Jahrhunderts und dem seligen Karl Leisner“ gewidmet ist und in der Pilgerherberge der Pfarrei unmittelbar an derselben Straße zu finden ist.
In der vollen Kirche wurde die Feier vom Domherrn der Kathedrale von Santiago, Don Celestino Pérez de la Prieta, Herrn Pfarrer Hans-Karl Seeger, Don Manuel – Pfarrer von Hospital, zwei weiteren Priestern aus dem Ort und zwei Pallottinerpatres präsidiert. Die Gemeinde wußte um den Anlaß. Alles war festlich vorbereitet. Don Celestino würdigte in der Predigt Gestalt und Gegenwart der „Zeugen im XX. Jahrhundert“ und sprach von Sinn und Bedeutung des christlichen Glaubens heute.
Am Ende des Gottesdienstes in der Kirche, sprach Herr Pfarrer Hans-Karl Seeger ein Grußwort im Namen des Heimatbischofs von Münster, Dr. Reinhard Lettmann und in seinem eigenen Namen, ebenso geschah es mit dem Grußwort vom Bischof von Aachen, Dr. Heinrich Mussinghoff.
Don Manuel, der die Leitung der Feier hatte, bedankte sich und lud zur Teilnahme an der Seg­nung des Oratoriums in der Pilgerherberge ein. Schlicht und einfach fand sie statt wie im Familien­kreis. Anschließend fand ein gemeinsames Mahl statt. Wir alle waren uns des Zeugnisses mo­derner Gestalten bewußt, jener des seligen Karl Leisner und der vielen Martyrer und Zeugen des XX. Jahr­hun­derts; denn auch in diesem Land gab es einen Bür­gerkrieg. Und der Pilgerweg nach Santiago de Compostela braucht nicht nur auf altehrwürdige ,Heilige’ zu schauen. Die jungen ,Heiligen’ machen die alten ,Heiligen’ erst richtig interessant und las­sen die Aktualität der christlichen Haltung vor dem Leben heute zeitlich viel besser erkennen.
(Rundbrief Nr. 45 Februar 2002: 86-92)

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Aus dem Pilgerbericht „Hin und weg …“ nach Santiago de Compostela“ von Kaplan Benedikt Elshoff
Mitten in der Nacht klopften wir telephonisch an die Pforte des Pilgerhospizes in Hospital de Órbigo, das uns von Frau Latzel empfohlen worden war. Ungeachtet der späten Stunde wurden wir herzlich von Don Manuel empfangen. Die erste Nacht in einem Pilgerhospiz: unsere Wallfahrt hatte begonnen, am nächsten Tag sollte es zu Fuß weitergehen. Ein liebevoll eingerichtetes Oratorium zu Ehren des seligen Karl Leisner bot uns am Morgen die Möglichkeit, wieder etwas aus dem Leben des jugendbewegten Märtyrers zu erfahren und um Gottes Schutz zu beten.
(s. Rundbrief Nr. 45 Februar 2002: 92f.)

 

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Aus dem Bericht „Am 12. August 2002, dem Gedenktag des seligen Karl Leisner, auf dem Camino de Santiago“ von Gabriele Latzel

Am 9. August, dem Fest der heiligen Benedikta vom Kreuz, Edith Stein, der Patronin Europas, erinnerte unser Mitglied Domkapitular Don Celestino im Gottesdienst in der Kathedrale von Santiago de Compostela unter anderem auch an die Priesterweihe Karl Leisners durch den französischen Bischof Gabriel Piguet in Anwesenheit von Menschen aus über 20 Nationen Europas im KZ Dachau. Außerdem verwies er auf das im vergangenen Jahr in Hospital de Órbigo am 12. August eingeweihte Oratorium zu Ehren des seligen Karl Leisner und der Martyrer des 20. Jahrhunderts und auf die völkerverbindende Zusammenarbeit der Archicofradia del Apostol Santiago und des IKLK.
Die Tage vom 10. bis 12. August verbrachte ich im Refugio von Hospital. Dieses vom Ortspfarrer, unserem Mitglied Don Manuel, geführte Haus, strahlt Charme und eine familiäre Atmosphäre aus. Den Pilger, der circa 20 bis 30 Kilometer neben der Hauptstraße seit seinem letzten Etappenziel in der Gegend von Leon – im August meist in brütender Hitze – gelaufen ist, empfängt ein liebevoll gestalteter schattiger Innenhof. Im Hintergrund erklingen gregorianische Gesänge.
Der Apostel Jakobus schaut in Form einer wunderbaren Holzstatue lächelnd auf den müden Pilger herab. Auf einem Brunnen steht kühles Wasser zur Erfrischung bereit. Freundliche Hospitaleros, zur Zeit Rosa aus Madrid und unser Mitglied Héctor aus Barcelona, begrüßen den erschöpften Pilger, weisen ihm sein Bett zu, zeigen ihm die sanitären Anlagen, die leider viel zu kleine Küche, die Möglichkeiten zum Wäschewaschen und -trocknen, die Bibliothek und die zahlreichen Gegebenheiten sich auszuruhen, sei es im Innenhof oder im riesengroßen Garten der Herberge.

Dann trägt der Pilger sich in das Herbergsbuch ein und bekommt seinen Stempel in den Pilgerausweis. Das „Herbergsbüro“ befindet sich im Sommer direkt vor der Außenwand des Oratoriums Carlos Leisner, so daß nicht wenige Pilger sich nach den dort dargestellten Personen erkundigen. In den drei Tagen, die ich in der Herberge verbrachte, erteilte ich vielen Pilgern Auskunft und machte sie auf die in der Bibliothek vorhandenen Informationen, Schriften und Bücher über die Martyrer des 20. Jahrhunderts aufmerksam. Besonders interessiert zeigte sich eine französische Familie mit drei Kindern im Alter von 13 bis 18 Jahren, sowie drei französische Jugendliche, die lange im Oratorium meditierten. Auch junge Deutsche aus der Gegend um Freiburg, Köln und Hamburg bekundeten ihr Interesse. Ergriffen und zu Tränen gerührt war eine Spanierin, die ein Jahr in Israel gelebt hatte und auch das KZ Dachau kannte. Am Vorabend von Karl Leisners Todestag lud Don Manuel die anwesenden Pilger zu einer Meditation in das Oratorium ein. Am Morgen des 12. August zelebrierte der emeritierte Bischof Fremio Torres von Ponce (Puerto Rico), der bei Don Manuel zu Besuch war, einen Gottesdienst in der Pfarrkirche von Hospital.

Auch er hatte sich am Abend zuvor über Karl Leisner informiert.
(s. Rundbrief Nr. 47 Februar 2003: 76f.)

Impressionen aus der Pilgerherberge

 

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Aus dem „Camino-Er-geh-ungs-bericht“ von Kordi Altgassen
In der Herberge in Hospital de Órbigo wurden wir gleich zweifach begrüßt. Zum einen durch den Hospitalero und zum anderen durch Karl Leisner. Gleich am Eingang ist das Portal der Versöhnung in ein buntes Glasfenster eingearbeitet und neben dem goldenen Schriftzug ist eine Bronzemedaille ein­gelassen, die die Abbildung des Primizbildes von Karl Leisner zeigt. In das Oratorium konnten wir an dem Tag leider nicht, aber es lagen reichlich Falt­blätter des IKLK aus und auch Literatur, z. B. die Karl-Leisner-Biografie von René Lejeune „Wie Gold im Feuer geläutert“. Auf diesem Weg der internationalen Begegnung mitten in Spanien so konkret auf den deutschen Karl Leisner zu treffen war durchaus beeindruckend, und es weckte ein besonderes Gefühl der Verbundenheit. Für „die Förderung der Völkerverständigung, des Friedens und der Europäischen Einigung“ ist vielleicht kaum ein Ort besser geeig­net als eine Herberge auf dem Camino.
In meiner eigenen Freude dachte ich, dass auch Karl Leisner sicherlich gerne die Muschel (das Zeichen des Pilgers) getragen hätte und bewusst den Rhythmus gelebt hätte: immer wieder neu an­kommen, um immer wieder neu aufzubrechen.
In der Herberge von Hospital de Órbigo war für uns Pilger ein Frühstück bereitet. So saßen wir morgens gemeinsam am Tisch, bedienten uns aus den Töpfen mit Kaffee und mit Milch und aßen Brot mit Marmelade. Diese Gemeinschaft war ein guter Tagesbeginn. Dann machten wir uns mit dem gegenseitigen Wunsch „Buen Camino“ froh auf den Weg. Es war immer wieder erstaunlich, mit wie viel Freude wir uns jeden Morgen neu auf­machten. Das Gehen machte den größten Teil des Tages aus.
(s. Rundbrief Nr. 49 Februar 2004: 45f.)

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Aus dem „Camino-Er-fahr-ungs-bericht“ von Gabriele Latzel
Samstag, 6. September 2003
Nach einer guten Stunde Autofahrt zum Flughafen Düsseldorf, zweieinhalb Stunden Flug nach Madrid und weiteren vier Stunden Autofahrt parke ich meinen Mietwagen vor dem „Refugio Karl Leisner“ in Hospital de Órbigo. Ein wenig kritisch beäugen mich die Pilger, als ich mit Boardcase statt Ruck­sack, Sandaletten statt Wanderschuhen und „Flie­gerdress“ statt Wanderkleidung den Innenhof be­trete. Doch als mich Ida, die holländische Hospita­lera durch die Tür mit der Aufschrift „Pri­vado“ in das Zimmer, das ich in dieser Nacht mit ihr teile, führt, wissen alle, daß ich nicht zu „die­sen Autopil­gern“ gehöre, die womöglich noch ihren Wagen am Ortseingang stehenlassen und ein Nachtlager im Refugio beanspruchen. Auf diese Weise soll es noch immer einigen Autopilgern gelingen, „Billig­urlaub“ auf dem Camino zu ma­chen.
Nachdem ich mein „Outfit“ geändert habe und nun in kurzer Hose, T-Shirt mit Santiagoemblem und Sandalen Hüttendienst leiste, ist alle Skepsis verflogen. Deutsche und Franzosen freuen sich, in ihrer Muttersprache angesprochen zu werden, und auch mit Englisch und Spanisch kann ich hier und da ein wenig weiterhelfen. Gegen 18.30 Uhr kommt Don Manuel, der Pfarrer und „Hüttenwirt“, von einer Hochzeit aus Leon zurück. Welch herzliches Wiedersehen nach mehr als einem Jahr! Vor dem Abendgottesdienst haben wir noch eine knappe Stunde Zeit, in seinem Büro einiges Finanzielles zu erledigen. Ich übergebe ihm ca. 700,00 Euro vom „Refugiokonto“ des IKLK, die er über­glücklich und dankbar entgegennimmt. Im Aus­tausch überreicht er mir die Rechnungen für die Verwendung des Geldes. Über 100 Matratzen und Keilkissen wurden im Frühjahr mit Bezügen aus pflegeleichtem Mate­rial versehen. Bei der Auswahl der Farben und Stoffe stand Dolores, die „gute Seele“ der Her­berge, beratend zur Seite. Sie ist es auch, die jeden Tag mit zum leiblichen Wohl der Pilger und zu der so angenehmen Atmosphäre im Refugio beiträgt, in­dem sie Krüge mit kühlem Was­ser, frisches Obst, Gebäck und vieles mehr zum Empfang im Innenhof bereitstellt, und natürlich fehlt es inmitten all dieser Köstlichkeiten auch nicht an bunten Blumen. Hier fühlt sich der Pilger wirklich aufgenommen.
Nach dem Abendgottesdienst lädt mich Don Manuel zum Essen ein und bis spät in die Nacht sind wir ins Gespräch vertieft; für mich ein äußerst interessantes aber auch sehr anstrengendes Unter­fangen, da ich immer wieder das Lexikon zu Rate ziehen muß. So sinke ich nach einem 21-Stun­den­tag müde in mein Pilgerbett.

Sonntag, 7. September 2003
Den Vormittag verbringe ich damit, die Bibliothek ein wenig zu ordnen und durch mitge­brachtes Ma­terial zu ergänzen. Dann vertiefe ich mich in die Gästebücher der letzten drei Jahre. Immer wieder loben die Pilger die außerordentliche Atmosphäre, die dieses Refugio ausstrahlt, getragen von dem unermüdlichen Einsatz der Hospitaleros und dem überaus großen Engagement Don Manuels für die Pilger.

Besondere Erwähnung finden auch die all­abendliche Andacht, die Don Manuel den Pilgern im „Oratorio Beato Carlos Leisner“ anbie­tet, und nicht zuletzt Karl Leisner selbst. Hier ei­nige Aus­züge in deutscher Sprache:
16.10.2000
Vielen Dank für Ihre herzliche Aufnahme und vor allem Betreuung der „Blasen“. Die Andacht abends ist etwas ganz Besonderes. Susanne.
25.11.2000
Herzlichen Dank für den warmen Empfang und die schöne, saubere und warme Unterkunft. Ich war besonders von der Abendandacht beein­druckt. Das „Salve Regina“ ist immer eine Berei­cherung für die Seele! Vergelt’s Gott für alles. Armand Wyssen, CH.
24.5.2002
Ich danke Euch für die freundliche Aufnahme und Krankenbehandlung und hoffe auf weiteres gutes Gelingen des Ausbaus des Hauses (Ter­rasse). Auch möchte der Geist von Karl Leisner aufrecht erhalten bleiben. Mit freundlichen Grü­ßen und Gottes Segen. Peter Brinker.
1.9.2002
Danke für die freundliche Aufnahme und die völ­lig unerwartete Überraschung der Internatio­na­len Karl Leisner-Vereinigung, die diesen Mann auch hier auf dem Camino bekannt macht. Her­mann Mohry.
24.5.2003
Das Tagebuch über die letzten Tage Karl Leis­ners hat mich tief beeindruckt und bewegt. Wenn menschliches Verständnis und Zuneigung am Camino entsteht, ist die Verbindung seines Lebens und Sterbens hergestellt. Danke dafür.

Nach einem köstlichen und ausgiebigen spanischen Mittagsmahl, zu dem Dolores und ihr Bruder San­tos eingeladen haben, heißt es für mich: „Ultreia! Adios, hasta el año proximo! – Vorwärts, weiter! Auf Wiedersehen, bis nächstes Jahr!“
Über Astorga, den Rabanalpaß – kurzer Besuch in der von unserem Mitglied Padre Angel und dem Christophorus-Jugendwerk restaurierten Herberge in Foncebadon – gelange ich nach Ponferrada und stelle mein Auto hinter der ebenfalls von Padre Angel und „seinem Team“ großartig errichteten Pilgerherberge San Nicolás de Flüe ab; über 100 Pilgern bietet sie Platz. In der Lesezone darf ich Informa­tionen über Karl Leisner auslegen und Padre Angels Mitbruder, Padre Miguel Angel Pérez, der sich um die Herberge kümmert, schenke ich ein großes Bild vom Portal der Versöhnung.
Padre Angel holt mich ab. Ein freudiges Wie­dersehen nach langer Zeit! Seit gut einem Jahr lebt er mit zwei weiteren Mitbrüdern in Ponferrada. Während ich mich bei den Padres im Gästezimmer häuslich niederlasse, findet in der Kirche direkt nebenan der Gottesdienst zum Fest der „Encina“ statt. „Nuestra Señora de la Encina – Unsere Liebe Frau von der Eiche“ ist die Schutzpatronin der Stadt und der Gegend des Bierzo. Aus den entlegensten Orten strömen die Men­schen herbei, um sie zu verehren.
Nach dem Gottesdienst, gegen 21.30 Uhr, treffe ich mich mit Padre Angel und seinen Mitbrüdern wieder. Wir sitzen in froher Runde bei einem Glas Rotwein auf der Plaza. Heute fällt die Unterhaltung leicht; denn alle sprechen Deutsch, auch die jungen Priesteramtskandidaten, die sich zu uns gesellen; wie die anderen haben sie als Pallottinerpatres eine Zeit lang in Deutschland studiert. Um Mitternacht strömen alle zur Festung, wo ein grandioses Feuer­werk zu Ehren der Encina stattfindet. Eine Ka­pelle spielt bis zum frühen Morgen direkt unter meinem Fenster spanische Volksweisen, doch ich schlafe wie ein Murmel­tier und erwache erst gegen 8.30 Uhr. Jetzt heißt es aber sich sputen; denn noch gut 200 Kilometer liegen vor mir, und heute be­ginnt mein „Arbeitstag“ am Camino in Galicien.

Nachtrag:
Im Dezem­ber schrieb uns Don Manuel von im Oktober und November erfolgten Renovierungsar­beiten im Refugio Karl Leisner. Ein neues Bild von Karl Leisner wurde für die Kapelle gerahmt. Im Refugio wurden neue Waschbecken für die Pilger installiert und der Garten, in der warmen Jahreszeit der Wohn- und Eßbereich der Pilger, saniert.
(s. Rundbrief Nr. 49 Februar 2004: 54-56)

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Aus dem Bericht „Als Hospitalera im Refugio Karl Leisner in Hospital de Órbigo“ von Sr. M. Consilia Simons
1997 war ich das erste Mal auf dem Jakobsweg; das zweite Mal im Jahre 2000. Dann reifte in mir der Entschluß, den Pilgerweg von der anderen Seite kennenzulernen, von der des Hospitaleros. Ich wollte mich auf etwas Neues einlassen und beschloß, in der vom IKLK unterstützten Pilgerherberge in Hospital de Órbigo, mitzuarbeiten. Die Herberge unter Leitung des Ortspfarrers Don Manuel wurde für vier Wochen meine Heimat und meine Arbeitsstelle.
Am 25. Juli 2005, dem Fest des Hl. Jakobus, begann mein Pilgerweg mit dem Flug von Köln nach Barcelona, von dort aus nach Madrid und nach einem extra Flug, der nicht eingeplant war, bis Asturia und der weiteren Reise mit dem Bus zum Flughafen von Leon. Nachts, um 2.30 Uhr, kam ich schließlich dort an. Der Flughafen lag in tiefstem Dunkel. Aber wer stand da und hatte Stunden auf mich gewartet? Don Manuel! Mir war das nicht so recht, aber er sagte nur: „No problema!“ Ich wurde herzlich umarmt, wie das in Spanien üblich ist, und dann hatten wir noch eine Autofahrt von einer dreiviertel Stunde vor uns. – Ein guter Anfang!!
Die Arbeit in einer Pilgerherberge ist relativ gleichbleibend: Betten ausbürsten, Kissen aufschütteln und ordentlich hinlegen, Räume fegen und wischen, Küche in Ordnung bringen, Höfe säubern und Müll entsorgen. Unter der Hitze habe ich nicht gelitten, wohl aber, man sollte es kaum glauben, unter der Kälte, da ich fast den ganzen Tag im schattigen Innenhof war, wo sich das „Pilgerbüro“ befindet.
Sobald ein Pilger eintrifft, heißt es, Adresse, Nationalität und Personalausweisnummer in das Pilgerbuch eintragen, außerdem den Ausgangsort des Pilgers und die letzte Etappe aufschreiben und notieren, ob er zu Fuß unterwegs ist oder per Rad. Anschließend wird der Pilgerausweis gestempelt, gegebenenfalls auch ein neuer ausgestellt.
Das, was sich ändert und nicht vorauszusehen ist, sind die Menschen, die täglich kommen und übernachten möchten. Menschen mit ihren je eigenen Anliegen und Beweggründen, die sie diesen Weg gehen und die Einfachheit des Pilgerdaseins auf sich nehmen lassen. Die Grundlage für meine Arbeit als Hospitalera war mein eigenes Pilgern. Was erwarte ich in einer Herberge, was erleichtert meinen Pilgerweg, was will ich überhaupt auf dem Weg, warum verzichte ich für Wochen auf fast jeglichen Luxus?
Fast alle Pilger haben irgendwelche physischen Probleme. Ich konnte es schon sehen, wenn sie die Herberge betraten. Sie kamen von der Straße in einen wunderschönen, mit viel Grün bewachsenen Innenhof, der zum Bleiben einlädt. Kaum einer bleibt von irgendwelchen Beschwerden verschont, denn der Weg fordert jeden heraus, den einen mehr, den anderen weniger. Eine junge Pilgerin sagte am zweiten Tag zu mir: „Man richtet seine Gedanken auf die Füße, damit das Herz offen und weit wird.“
In den ersten Tagen ist mir die Arbeit nicht leicht gefallen. Die Handgelenke schmerzten, ich spürte ganz empfindlich meinen Rücken, und ich brauchte relativ lange, bis die Herberge wieder in Ordnung war. Jeden Tag suchten im Schnitt etwa 50 Pilger Unterkunft. Die Herberge unterscheidet sich von anderen unter anderem dadurch, dass sie fast durchgehend geöffnet ist. Auch wenn ein Pilger morgens vor 9.00 Uhr um Einlass bittet, wird er aufgenommen. Sie schließt in der Regel um 22.30 Uhr.
Die frühen Morgenstunden habe ich im Oratorium, in dem das Allerheiligste aufbewahrt wird, verbracht, da es dann noch ruhig war und ich auch meinen Gedanken nachgehen konnte.
Im Laufe der Wochen konnte ich vielen Menschen von Karl Leisner erzählen, Fragen beantworten und Informationen weitergeben.
An einem Morgen kamen Verwandte eines Chefarztes aus Freiburg, der sich 1993 für die Renovierung des Refugios verantwortlich gemacht hatte, um diesen Ort zu besichtigen. Das Ehepaar war hocherfreut, solch einen schönen, urigen Ort vorzufinden. Nachdem ich ihnen alle Räume und Möglichkeiten, die das Refugio bietet, gezeigt hatte, pilgerten sie zufrieden weiter.
Jeden Abend um 20.00 Uhr konnte ich in der nahe gelegenen Kirche die Eucharistie mitfeiern. An einem Abend kam noch nach 21.00 Uhr ein Pilger, aber er hatte kein Geld. (Jeder Pilger zahlt pro Nacht drei Euro.) Auch er bekam einen Schlafplatz und andere Pilger boten ihm an, mit ihnen zu essen. Die Arbeit im Refugio war für mich eine ganz besonders tiefe Erfahrung. Menschen kommen, sind müde, abgeschlafft vom Weg, haben Schmerzen und sind froh und dankbar, wenn sie gut aufgenommen und angenommen werden. Es ist so wenig, was sie brauchen: einen Schluck Wasser, ein Lächeln, ein wenig Verständnis, ein gutes Wort und einen Platz zum Ausruhen.
Mein Dienst in der Herberge war ein Maria-Martha-Dienst; für die Menschen dasein und sehen, was ihnen gut tut. Der Dienst an den Pilgern, das war mein Camino vom 25. Juli bis 23. August. Vielen konnte ich von meinen eigenen Wegerfahrungen erzählen oder auch Hinweise auf Wegstrecken und Herbergen geben, so zum Beispiel welche Abschnitte sich auch mit dem Bus bewältigen lassen, wenn der Weg nur an einer verkehrsreichen Straße verläuft.
Nachdem ich meinen Dienst als Hospitalera beendet hatte, habe ich mich selbst auf den Weg gemacht und war wieder einer von vielen Fußpilgern auf dem Weg nach Santiago.
Im Innenhof des Refugios in Hospital de Órbigo las ich folgende Sätze: „Orientierte Füße und bereite Hände sind das Wunderbarste auf dem Camino.“ „Türen des Lichtes öffnen sich dem, der sie sucht.“ E ULTREIA!!!!!
(s. Rundbrief Nr. 52 August 2006: 39-45)

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Aus dem Bericht „Wallfahrt von Viersen-Dülken nach Santiago de Compostela“ von Horst Neumann
Der anschließende Weg nach Spanien über Lourdes und drei Pyrenäenberge ließ mich die Schönheit und Kargheit der Pyrenäen spüren. Karl begegnete mir erst wieder in der Iglesia de San Juan Bautista von Hospital de Órbigo und dem ein paar Schritte weiter gelegenen Refugio Karl Leisner. Hier wurde ich vom Pfarrer Don Manuel herzlich mit Namen begrüßt. Gabriele Latzel hatte mich per Fax angekündigt. Beeindruckt hat mich besonders der kleine Raum der Besinnung, der mit einem Stein vom Xantener Dom und zwei Kerzen auf den seligen Karl hinweist. Die Herberge wird im Volks­mund nur „albergue alemán“ genannt. Zwei Tage später wurde ich unversehens von Don Manuel in Ponferrada begrüßt, der dort mit Mitbrüdern weilte.
Mit innerer Freude habe ich am 8.7.2007 Santiago, die Kathedrale und besonders die Pórtico de la Gloria erreicht, wo mich Jakobus, der bereits in die Herrlichkeit Gottes eingegangen ist, als Pilger in das Haus Christi begleitete.
(s. Rundbrief Nr. 55 August 2009: 47)

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Auf dem Camino

In seinem Buch „Ohne Stock – mit Stein“ schildert Dr. Werner Reuter seinen Besuch auf dem Jakobsweg in der „Kirchlichen Pilgerherberge Karl Leisner“ in Hospital de Órbigo.

Hospital de Órbigo: 18. Juli 2010·Dr. Werner Reuter
Bestellschein neu – ohne Revers.inddJetzt liegt nur noch die lange, sanft geschwungene Brücke über den Río Órbigo vor uns, bevor wir den Ort Hospital de Órbigo betreten. Ich freue mich besonders auf die „Albergue Parroquial de Peregrinos Karl Leisner – Kirchliche Pilgerherberge Karl Leisner“, trägt sie doch den Namen eines seligen Märtyrers, den ich besonders hochschätze. Er war ein begeisterter Jugendführer und vorbildlicher Seelsorger. Sein Beispiel und das anderer Märtyrer des 20. Jahrhunderts lassen erkennen, dass die Kirche in der furchtbaren Zeit der Nazidiktatur nicht tot war. Wie oft habe ich mich gefragt, warum unsere Kirche in dieser Zeit nicht ein prophetisches Zeichen gegen die Verfolgung der Juden gesetzt hat. Hätten wir, Hirten und Herde, nicht Leben und Hab und Gut zur Rettung unserer jüdischen Brüder und Schwestern hingeben müssen? Ich stelle die Frage und weiß keine Antwort. Wie sollte ich auch einem Bischof oder Priester oder Familienvater unterstellen dürfen, er habe nicht in gerechter Güterabwägung nach seinem Gewissen gehandelt? Jedenfalls Karl Leisner und viele gleichgesinnte Frauen und Männer bezeugen das Wirken des Heiligen Geistes in seiner Kirche auch in jener Zeit. Leisner ist wegen seiner Arbeit in der katholischen Jugend­bewegung und seiner kritischen Äußerungen über Hitler im Jahr 1939 [über die Gefängnisse Freiburg und Mannheim und das KZ Sachsenhausen am 14.12.1940] in das KZ Dachau gebracht worden, wenige Monate bevor er zum Priester hätte geweiht werden sollen. Wegen einer schweren, nicht behandelten Lungenerkrankung konnte er, den ein Mithäftling, der französische Bischof Gabriel Pignet [Piguet], wenige Tage vorher [am 17.12.1944] zum Priester geweiht hatte, nur eine einzige Heilige Messe in seinem Leben feiern. Es war seine Primizmesse am Stephanustag, dem 26. Dezember 1944, in der Lagerkapelle von Dachau. Nach seiner Befreiung aus dem KZ wollte er noch einmal zelebrieren und hatte sich dafür den 25. Juli 1945, den Festtag des Apostels Jakobus, ausgesucht. Er konnte sich aber an diesem Tag von seinem Lager nicht mehr erheben [und daher nur vom Krankenbett aus mitfeiern]. Sein letzter Eintrag in sein Tagebuch stammt von diesem Tag und lautet: „Segne auch, Höchster, meine Feinde.“ Leisner war geboren in Rees, seine spätere Pfarrkirche war in Kleve, seit 1966 ruht er in der Krypta des Xantener Doms. Am 12. Januar [23. Juni] 1996 hat ihn Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Seit 1997 gibt es an der Marien-Basilika in Kevelaer das „Portal der Versöhnung.“ Es zeigt Karl Leisners Priesterweihe in Dachau. Der Künstler Bert Gerresheim hat in die Darstellung eine Muschel eingefügt und erklärte dazu bei der Einweihung: „…und weil das Portal der Versöhnung zu Ehren Karl Leisners von dem Weg in die Nachfolge spricht und weil diese Nachfolge das Wesen der Pilgerschaft ausmacht, findet sich im Portalbild die Jakobsmuschel als wegweisendes Zeichen der Pilgerschaft.“
Die Herberge ist in einem tadellosen Zustand. Die Gäste werden liebevoll von Pascal, einem kleinwüchsigen Italiener, und seinen Helferinnen und Helfern betreut. Pascal ist ein Energiebündel. Ständig ist er in Bewegung und nimmt sich für jeden Gast Zeit. Der gute Geist des Hauses ist hier in allen Dingen greifbar. (S. 212f.)

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Aktuelle Fotos aus dem Jahr 2020

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Aufrechterhaltung der Pilgerherberge in Zeiten von Corona

Im August erreichte den IKLK ein Hilferuf von Don Manuel. Auf Grund der durch Corona bedingten monatelangen Schließung und der Auflage, nur die Hälfte der Übernachtungsplätze zu belegen, wodurch die Kosten für die notwendigen Hygienemaßnahmen und sonstigen alltäglichen Arbeiten die Einnahmen gewaltig übersteigen, befindet er sich in einer recht ausweglosen Situation und bittet um finanzielle Unterstützung, um eine Schließung der Herberge zu vermeiden.
Der IKLK hat ihn mit einer speziellen „Corona-Prämie“ unterstützt.
Es wäre sehr schön, wenn sich weitere „Helfende Hände“ zwecks Aufrechterhaltung des Beherbergungsbetriebes durch eine Spende mit dem Vermerk „Refugio“ auf das folgende Konto des IKLK e.V. fänden:

Bankkonto:
Sparkasse Rhein-Maas
IBAN: DE63 3245 0000 0005 0283 78
BIC: WELADED1KLE

Zuwendungsbescheinigungen werden auf Wunsch ausgestellt.

Quelle der Fotos: Gabriele Latzel, Udo Erbe und IKLK-Archiv