Brot für den Tag 16

Impuls von Hans-Karl Seeger

Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein (Mt 20,26)

Karl Leisner hatte das Talent zu führen. Daher ernannte Bischof Clemens August Graf von Galen ihn 1934 zum Diözesanjungscharführer im Bistum Münster. Sein Leben lang war Karl Leisner sich aber seiner Rolle als Diener be­wußt. Immer wieder erscheint in seinem Tagebuch das Zi­tat: „Deo servire regnare est [Gott dienen ist herr­schen].“ Es ist eine alte Formulierung aus dem Schlußge­bet der Votivmesse um den Frieden: „Gott, du Urheber und Freund des Friedens, dich erkennen heißt leben, dir die­nen heißt herrschen; beschirme uns, die wir zu dir fle­hen, vor allen Angriffen, damit wir, auf deinen Schutz vertrauend, keine feindlichen Waffen zu fürchten brau­chen.“

Am 16. Juli 1934 hörte Karl Leisner in Münster in einer Vorlesung bei Dompropst Adolf Donders etwas über Beru­fung und Zölibat und notierte:
„Wunderbare Gedanken. Coelibat als priesterliche Kraftquelle. Deo servire re­gnare est. Wer es fassen kann, der fasse es!“

4. Juni 1935:
„Nicht eingebildet – mein Lieber! Demüti­ger Diener im Geiste und in der Wahrheit Jesu Christi immer sein und bleiben! – Was kann ich denn aus mir – was habe ich aus mir allein? Nichts – rein gar nichts, nur manche Minuspunkte. Demütig sein wie Pius X, ‚pauper et dives, mitis et humilis corde [Von Herzen arm und reich, mild und demütig]’, wie auf seinem Grabstein steht. Dazu gehört notwendig die starke, kraftvoll-beschwingte, selbstwahre, recht sich gebende, jungmänn­lich-deutsche Haltung. Geisteskraft und Willen haben in der Demut ihre beste Stütze. Also, mein Lieber, red’ nicht große Töne, handle männlich! […] Deo servire: regnare est! Das war der Schluß von Pater Bernardins Be­trachtung soeben.“

1937 war Karl Leisner im Reichsar­beitsdienst. Am Sonn­tag, dem 13. Juni 1937, fuhr er mit einem Kameraden nach Hoogstede zur Kir­che. „[…] Ruhig betrachtet über den Wandvor­hang, der das Leben des hei­ligen Boni­fa­tius dar­stellt in seinem Kampf für Christi Kir­che. Daraus Ruhe und in­nere Heiterkeit und Tapferkeit zu­rück! Cui servire re­gnare est!! – Echtes Heldentum! Großes Vertrauen wächst aus stillem Schauen und Gebet.“