Brot für den Tag 2

Impuls von Hans-Karl Seeger

Montag 25.6.2001

In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Chris­ten (Apg 11,26)

Es brauchte einige Zeit, bis die Menschen in Jesus von Nazareth den verheißenen Messias erkannten. In der griechischen Sprache ist der Messias der Christus, der Gesalbte. Die Heiden in Antiochia gaben den Anhängern dieses Jesus von Nazareth den Namen Christen.

Unter einem langen Eintrag in sein Tagebuch vom 1. Mai 1934 schrieb Karl Leisner:
Christus – du bist meine Leidenschaft, Heil!

19 Jahre war der junge Mann aus Kleve am Niederrhein, als er sich Gedanken machte, ob er Christus als Priester dienen solle. Der Weg zu diesem Ziel war nicht leicht.
Das Wichtigste in seinem Leben war ihm die Verbindung mit Jesus Chri­stus.

In jugendlich überschwenglicher Sprache schrieb er am 24. Januar 1938:
Wir leben in Christus, wir leben Christus! Tun wir das wirklich. Das ist meines Lebens letzter Sinn. Christus zu leben in dieser Zeit. Christus, wenn Du nicht bist, dann möchte ich nicht sein. Du bist, Du lebst. Nimm mich hin, verfüge ganz über mich. Laß Dein Handeln und Wan­deln durch mich und uns alle heute Tat werden. Christus, Caritas, Christus! Du bist mein Leben, meine Liebe, meine innerste Glut!

Unter dem 24. April 1938 lesen wir in seinem Tagebuch:
Ich will versuchen, das Bild Christi ganz rein und klar mir zu erbeten und zu erfassen Sein innerstes Geheimnis: die göttliche Sendung und Seinen Gehorsam dem Vater gegenüber.

Zu dem Zeitpunkt ahnte Karl Leisner noch nicht, welche Sendung mit seinem Christsein verbunden sein und welchen Gehorsam es ihm abverlangen sollte. Als er mit seiner Verhaftung am 9. November 1939 eine ganz besondere Christusnachfolge antrat, war er vorbereitet.

Am 5. Februar 1939 hatte er in sein Tagebuch geschrieben:
Einst schrieb ich in jugendlichem Idealismus: Christus, meine Leidenschaft. – Heute schreibe ich – schrecklich ernüchtert, aber geklärt – Jesus Christus, meine Liebe, mein eins und alles. Dir gehöre ich ganz und ungeteilt! So sei es!