Brot für den Tag 20

Impuls von Hans-Karl Seeger

Freitag 10.10.2003

Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, […] wenn ihr zu diesem Berg sagt: Heb dich empor, und stürz dich ins Meer!, wird es geschehen (Mt 21)

Von einem bergeversetzenden Glauben war Karl Leisner fasziniert. Das zeigt sich in seinen Tagebüchern und in den Briefen aus dem KZ Dachau:

30. November 1935:
„Heute ist der letzte Tag des Kir­chenjahres. […] Tapfer und geduldig, ohne Bitterkeit, mit freier klarer Seele haben wir uns durchgekämpft und stehen jetzt vor Dir, unserm Herrn, und bitten: ‚Chri­stus, segne unser Stehen und Gehen. Gib uns den Glauben, der Berge versetzt, mach uns gen List und Hieb gewetzt, laß uns dir niemals vergehen!’“

8. Februar 1936:
„So lasset uns singen das Siegeslied der Liebe: […] und wenn ich den ganz starken Glauben habe, um Berge zu versetzen, habe aber die Liebe nicht, so bin ich nichts!“

11. Januar 1938:
„Ja, es ‚lohnt’ sich. Das verleiht ei­nen Glauben, der Berge versetzt, auch Berge von Schutt­halden, die die Sünde im Herzen hinterließ.“

Am 20. April 1938 sprach er sich selbst Mut zu:
„Wag’ dich, habe diesen bergeversetzenden Glauben, den der Herr von dir verlangt, den Glauben an deine Sendung!

5. Mai 1938:
„Der furchtbare Gedanke, alles, was ich hier schreibe, könne Selbsttäuschung sein, Flucht vor der rauhen, nackten Wirklichkeit des kleinen Ich, macht mich für einen Augenblick verdutzt. – Nein, – ich glaube – und der Glaube versetzt Berge.“

19. Juli 1938:
„Werde ich dies holocaustum [Ganzopfer] des eigenen Blutes, des eigenen Stammes, der innigen Le­bensgemeinschaft mit einer Frau wahrhaft, frei und stark und bereit und rein darbringen können? – Der Herr hat mich gerufen, ich kann mich Ihm nicht versagen. – Aber, es bedarf eines bergeverschiebenden Glaubens!“

Am 1. Januar 1944 schrieb er aus dem KZ Dachau:
„Und wenn es nach Seinem gnädigen Willen das Jahr des Wieder­sehens werden sollte, wer würde unsere Freude dann er­messen können! In diesem festen Vertrauen grüße ich Euch in herzlichster Liebesverbundenheit, Euch und alle treuen Menschen, am Morgen des Jahres 1944. Beten wir weiter. Der Glaube wird Berge versetzen. Heil Euch! Euer Karl.“