Erinnerungen an die Zerstörung Kleves vor 74 Jahren

Karl Leisners Elternhaus in Kleve

 

 

Was am 7. Oktober 1944 im Haus von Familie Wilhelm Leisner geschah.

 

 

 

 

 

Paul Hohstadt[1]:
Als die Hölle hereinbrach – Ein Augenzeuge überlebt im Hause Karl Leisners die Zerstörung von Kleve
[…]
Am Samstagvormittag des 7. Oktober stand ich auf dem Turm der Ölmühle [bei Spyck] und schaute über das von Aufklärungsfliegern umflogene Klever Land. Von Unruhe gepackt und Unheilvolles ahnend holte ich zu Hause mein Gepäck und eilte unter Tieffliegergeschossen in die Oberstadtwohnung mei­nes Schwagers [Erwin Nielen]. Kaum in der Flandrischen Straße ange­langt, zogen plötzlich dunkle Geschwader über die Stadt. Während unseres Skat­spiels im [Luftschutz-]Keller [von Familie Wilhelm Leisner] heulten um halb zwei sämtli­che Sirenen. Kurz darauf begann ein fürchterliches Bombarde­ment. In Erge­bung des Todes wie er uns auch treffen mochte, mit all seinen Ängsten und Schmerzen, haben wir während des sinnlosen Angriffes betend bei der Got­tesmutter Schutz gesucht, als der Hölle Nacht über uns stürmte. Gottdank hatte das Haus W. L. [Wilhelm Leisners] keinen Volltreffer bekom­men, so daß alle 17 Personen wie durch ein Wunder gerettet wurden (Kirche + Leben vom 11.10.1964).
[1] Eheleute Paul Hohstadt (* 5.10.1895 in Solingen, † 7.12.1978 in Kleve) u. Emma Hohstadt, geb. Nie­len (* 13.1.1891 in Kleve, † 7.2.1981 in Kleve) – Kleve, Flan­drische Straße (bis 1930) – 1944 lebte Emma Nielen bei ihrem Bruder Erwin Nielen im Haus von Familie Wilhelm Leisner, Flandrische Straße 11.

Sammelbrief der Familie Leisner aus Niedermörmter am 12. Oktober 1944 an Karl Leisner im KZ Dachau

Unser [Luft­schutz-]Kel­ler, den wir mit zwölf Bäumen stark gestützt hatten und in dem wir viel gebetet hatten, hat stand gehalten. Beide Häuser, rechts und links von uns, durch Volltref­fer platt.

[…]

In unse­rem Keller hatten wir bis abends 30 Mann zu Gast, darunter vier Schwer­verwundete. Theodor Daamen – blind und Kie­fer­bruch, seine Schwägerin und Ladenfräulein[1] und ein Eisenbahner mit Knochenbruch. Außerdem beherbergten wir eine Familie Menke mit sechs Personen, von denen wir vier aus ihrem Keller holten. So hatten wir das Glück, uns für andere betä­tigen zu können, und das war recht befriedi­gend.

[…]

Unser lieber Hannes Pollmann war beim Angriff in unserm Keller.

[…]

Wir sind so froh und dankbar, daß wir alle noch leben. Der Herrgott hat uns wunderbar beschützt.

[1] vermutlich Menschen aus dem Gemüseladen „Döres Daamen“ in Kleve, Hohen­zollernstr. (heute Ringstr.)/Ecke Arnulfst

 

Siehe auch Aktuelles vom 7. Oktober 2016 – Der 7. Oktober 1944 in Kleve und im KZ Dachau

und

Aktuelles vom 7. Oktober 2014 – Vor 70 Jahren – 7. Oktober 1944 im KZ Dachau und in Kleve.