Fronleichnam in Kleve und im KZ Dachau

 

2013_05_30_Monstranz

 

Monstranz aus dem KZ Dachau

Karl Leisner liebte das Fronleichnamsfest mit der Großen Prozession für die gesamte Stadt Kleve. Im KZ Dachau mußte er auch das entbehren.

 

In seinen Tagebüchern berichtet er Jahr für Jahr ausführlich über die Fronleichnamsprozession in Kleve, die dort traditionsgemäß nach wie vor am Sonntag nach dem Fest stattfindet, und ergänzt seine Berichte durch Zeitungsartikel.

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Segensal­tar 1933 in der Toreinfahrt des St. Antonius-Hospitals, in dem damals Clemens­schwe­stern tätig waren

2013_05_30_KleveFronleichn1942

 

 

 

 

Foto von einem Segensaltar in Kleve, vermutlich 1942: Dechant Jakob Küppers als Offiziant am Altar stehend; Kaplan Ferdinand Stegemann als Subdiakon hält das Evangeliar aus dem Kaplan Dr. theol. Ludwig Deimel das Evangelium verkündete

Während Karl Leisner die Priester Jakob Küppers und Ferdinand Stegemann persönlich kannte, hoch verehrte und schätzte, hat er Kaplan Ludwig Deimel nicht kennengelernt. In seinen Briefen aus dem KZ Dachau schreibt er dessen Namen zunächst auch falsch.

Donnerstag, 12. Juni 1941, Fronleichnam
P. Josef Fischer SAC:
Am Fronleichnamsfeste sahen wir zum ersten Mal Blumen auf dem Altar. Bei der Ausmalung der Kapelle im Juli fanden Kreuz und Liliensymbol Anwendung. Dadurch erschien der Raum schon etwas sakraler. Die erste Monstranz wurde nach dem Entwurf des Salesianerpaters Karl Schmidt im Juni fertiggestellt.[1]

[1] Josef Fischer: Dokumentation über den Gründer Schönstatts [P. Joseph Kentenich SAC] und die Schönstattgemeinschaften im KZ Dachau 1941–1945, Typoskript um 1964, Bd. I: 97

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 14. Juni 1941, an seine Familie in Kleve:
Meine Lieben!
Schade, Euer Brief ist noch nicht da. Wir schreiben alle 14 Tage. Also am 28.[6.] wieder. Im Geiste bin ich morgen bei unserer herrli­chen Prozes­sie [in Kleve]. Wir feierten hier am 12.[6.] sehr festlich Fron­leichnam.

Donnerstag, 4. Juni 1942, Fronleichnam
Ferdinand Maurath:
An Fronleichnam 1942 arbeiten wir alle [in der Plantage] in strömendem Regen ebenso am folgenden Tag ohne jede Möglichkeit Wäsche und Kleider zu trock­nen.[1]

[1]  Ferdinand Maurath: Bericht von Ferdinand Maurath, Pfarrvikar. In: Freiburger Diöze­san-Archiv 1970: 125–153, hier 127

Karl Leisner aus Dachau an Wilhelm Hendriksen in Kleve:
Sehr verehrter, lieber Herr Hendriksen!
Heute möchte ich Ihnen persönlich einmal danken für all Ihre Liebe und Mühe, die ich aus Ihren guten Händen bisher empfangen durfte.[1] Bisher haben meine lieben Eltern Ihnen ja wohl mei­nen Dank ausgerichtet und Ihnen Mitteilung gegeben von meinem Befinden. Gerade in der schönen öster­lichen Zeit war ich oft in Gedanken daheim in unse­rer schönen Heimat, von der ich nun schon vier Jahre fern bin. Besonders an die stillen und feierlichen Stun­den in unserer herrlichen Stiftskirche denke ich in froher Erinnerung zurück. Wie gern möchte ich an Fronleichnam in unserer Stadt sein. Hoffentlich ist uns bald ein frohes Wiedersehn vergönnt.

[1]  Apotheker Wilhelm Hendriksen (* 7.7.1978 in Kleve, † beim Luftan­griff auf Kleve 7.10.1944) – Kleve, Hagsche Str. 31, Löwen-Apotheke – Er spendete Medikamente für Karl Leisner während dessen Haftzeit im KZ Dachau.

Karl Leisner aus Dachau am Sonntag, 4. Juli 1943, an seine Familie in Kleve:
Meine Lieben!
[…]
Auch die schöne Fronleichnams­oktav [am Donnerstag 1.7.[1]] habe ich ganz mit der Heimat ver­lebt. Was war das doch immer daheim eine Pracht und Hochge­stimmtheit der Seelen an die­sem Tag. In Frieden kön­nen wir ihn hoffentlich das nächste Mal miteinan­der fest­lich begehen. Ich sehne mich so nach dem eucharisti­schen Opfer und dem Priestertum.

[1]  Eine Fronleichnams­oktav gibt es seit der Liturgiereform nicht mehr.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 17. Juli 1943, an Jakob Küppers in Kleve:
Verehrter, lieber hochwürdiger Herr Dechant!
[…]
Gerade in der Fron­leich­nams- und Herz-Je­su-Oktav habe ich so oft an daheim denken müssen.[1] Oft und oft spüre ich den Segen hin- und herfluten, den die Gebets- und Opferge­meinschaft uns bringt. Wie gerne möchte ich nach der langen, langen Tren­nung als Priester in der Heimat stehen, gerade jetzt. In froher Hoffnung, allzeit Ihr Karl

[1] Beide Oktaven gibt es seit der Liturgiereform nicht mehr.

Nach seiner Befreiung aus dem KZ Dachau erlebt Karl Leisner als Patient im Waldsanatorium Planegg nach Jahren der Gefangenschaft wieder eine Fronleichnamsprozession:

Planegg, Freitag, 1. Juni 1945, Herz-Jesu-Freitag
Am Nachmittag schreckliches Hagelunwetter. Fronleich­nam [31.5.] ver­reg­net. Schade! Aber, wir müssen Buße tun und sühnen und nicht falsch Tri­umph po­saunen!

Wie in seiner Heimatgemeinde Kleve fand auch in Planegg die Prozes­sion zu Fronleichnam am Sonn­tag nach dem Fest statt.

Planegg, Sonntag, 3. Juni 1945, Fron­leichnamssonntag
Prozession (seit [19]38 Mün­ster die erste für mich) mit Pfarrer [Gustav] Wald von Zimmer 51 betrachtet.[1] Die Tränen rollen.

[1]  Pfarrer Gustav Wald, Patient von Zim­mer 51, war auf Karl Leisners Zimmer 76 gekom­men, um von dort aus die Prozession zu verfolgen.

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Waldsa­natorium Planegg
 

In Billerbeck gedachte man 2004 bei der Fronleichnamsprozession der Seligen unserer Zeit: Clemensschwester Maria Euthymia Üffing, Maria Gräfin Droste zu Vischering (Maria vom Göttlichen Herzen in der Kongregation der Schwestern vom Guten Hirten) und Karl Leisner.

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Fotos: Joachim Albrecht, Billerbeck