Gedenken an Karl Leisner in der SZ

Karl Leisner                                                 Bernhard Lichtenberg

Süddeutsche Zeitung vom 15. Mai 2018 – Erinnerung an einen Priester im KZ Dachau

Identischer Text in der Ausgabe der SZ Dachau vom 16. Mai 2018

 

ERGÄNZUNGEN

Seine Kraft schöpfte er unter anderem aus der Schönstatt-Bewegung, deren Spiritualität er 1933 bei Schülerexerzitien in Vallendar-Schönstatt kennengelernt hatte.

Nach seiner Freiburger Studienzeit und harten inneren Kämpfen bezüglich der Entscheidung zwischen Priestertum und Ehe festigte sich in ihm der Entschluss, Priester zu werden. Am 25. März 1939 wurde er vom Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen zum Diakon geweiht.

Als das Radio am 9. November 1939 meldete, dass Hitler das am 8. November versuchte Bürgerbräu-Attentat von Georg Elser überlebt hatte, rutschte dem Theologen ein leises „Schade” heraus – eine Äußerung, die nicht ungehört blieb. Ein Mitpatient verpfiff ihn.

Noch am selben Tag wurde Leisner wegen staatsfeindlicher Äußerungen inhaftiert.

Die Priesterweihe von Karl Leisners Weihekurs fand wegen des Ausbruches des 2. Weltkrieges statt zu Weihnachten 1939 im münsterischen Paulus-Dom dort bereits am 23. September 1939 ohne ihn statt.

Nach seiner Inhaftierung kam Leisner 1939 nach einer „Schutzhaft“ im Gefängnis von Freiburg und Mannheim zunächst ins KZ Sachsenhausen, im Dezember 1940 als politischer Häftling nach Dachau, wo auch seine Tuberkulose erneut ausbrach.

In größter Geheimhaltung wurden die Bischofsgewänder für den kurz zuvor ins KZ gebrachten Bischof von Clermont, Gabriel Emmanuel Joseph Piguet, erstellt.

Johannes Paul II. sprach Leisner am 23. Juni 1996 im Berliner Olympiastadion zusammen mit Propst Bernhard Lichtenberg selig.