Grundstock von Karl Leisners Nachlaß im StiftsArchiv Xanten

2013_12_16_Stiftsarchiv_FotoDas StiftsArchiv im StiftsMuseum Xanten wird eines Tages den gesamten Nachlaß von Karl Leisner und den des IKLK bergen.

Quelle des Fotos: StiftsMuseum Xanten

 

Xanten mit dem Grab des seligen Karl Leisner ist der geeignete Ort, an einer Stelle alles zusammenzuführen, was mit dem Leben des Seligen zu tun hat. Bereits 1995 schenkten Karl Leisners Geschwister wertvolle Gegenstände aus dem Nachlaß ihres Bruders dem damaligen Bischof von Münster, Dr. Reinhard Lettmann. Bischof Dr. Felix Genn hat zugestimmt, das StiftsArchiv in Xanten als Aufbewahrungsort zu wählen.

Nach der Jahreshauptversammlung Gaudete 2013 übergab Karl Leisners jüngste Schwester Elisabeth Haas erste Gegenstände aus dem Nachlaß ihres Bruders dem Archiv. Auch der Archivar des IKLK, Altpräsident Hans-Karl Seeger, übergab erste Unterlagen aus Karl Leisners reichhaltigem Nachlaß ihrem endgültigen Platz. Weitere folgen nach Fertigstellung der Lebens-Chronik zu Karl Leisner und der Aufarbeitung des Archivs.

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Bereits nach dem Hochamt im Dom erlebten die Gottesdienstbesucher, wie Karl Leisners Primizgewand und sein Kelch für die Übergabe ins Archiv bereitgehalten wurden.

 

 

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In der Bibliothek des StiftsArchivs verfolgten die Mitglieder des IKLK nach der Jahreshauptversammlung die Übergabe der Gegenstände.

 

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v. l. Altpräsident Hans-Karl Seeger; Dr. Udo Grote, Bistumsarchivar und Leiter des StiftsMuseums und -Archivs Xanten, Elisabeth Maas, stellvertretende Leiterin; Monika Kaiser-Haas, Nichte von Karl Leisner und Vizepräsidentin des IKLK; Elisabeth Haas, jüngste Schwester von Karl Leisner; IKLK-Präsident Benedikt Elshoff

 

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Nach einer kurzen Begrüßung durch Präsident Benedikt Elshoff sprachen Hans-Karl Seeger und Dr. Udo Grote zu den Versammelten.

 

 

 

 

Einführungsworte von Altpräsident Hans-Karl Seeger:
Ein lang gehegter Wunsch der Geschwister von Karl Leisner wird heute Wirklichkeit. Der Grundstock für ein Karl-Leisner-Archiv wird gelegt, in dem alles, was mit Karl Leisner zu tun hat und erhalten ist sowie auch das gesamte Archiv des IKLK, eines Tages seinen Platz findet. Forscher sollen hier später alles zur Hand haben, was Karl Leisners Leben lebendig werden läßt. Vielfältige Dokumente, u. a. Papiere mit seiner Handschrift sowie private Gegenstände werden Zeugnis geben von seiner facettenreichen Persönlichkeit. Ich habe immer bewundert, was Familie Leisner alles aufbewahrt hat. Das sind vor allem Schriften, Bücher und Gegenstände, die den Sohn des Niederrheins betreffen, der gerade im November dieses Jahres auch im 1. Band „Klevische Lebensbilder“, obwohl in Rees geboren, als Sohn der Stadt Kleve einen Platz gefunden hat.
Nicht alle sorgen so vor, daß zukünftigen Generationen ein Nachlaß zur Verfügung steht. Pater Otto Pies SJ zum Beispiel hat im Wissen um seine un­heil­bare Krankheit  alles verbrannt. Dennoch ist es uns gelungen, das 700 Seiten umfassende Buch „Otto Pies und Karl Leisner. Freundschaft in der Hölle des KZ Dachau“[1] mit Schriften von ihm und an ihn herauszugeben.
Johann Wolfgang von Goethe hat unter dem Titel „Archiv des Dichters und Schriftstellers“ (1823) einen Artikel geschrieben, der die Entwicklung des Nachlaßwesens mit nachhaltiger Wirksamkeit prägen sollte. Dort heißt es u. a.: „Die Hauptsache war eine Sonderung aller bei mir ziemlich ordentlich gehaltenen Fächer, die mich mehr oder weniger früher oder später beschäftigten; eine reinliche, ordnungsgemäße Zusammenstellung aller Papiere, besonders solcher, die sich auf mein schriftstellerisches Leben beziehen, wobei nichts vernachlässigt noch unwürdig geachtet werden sollte.“[2]
[1] Seeger, Hans-Karl / Latzel, Gabriele / Bockholt, Christa (Hgg.): Otto Pies und Karl Leisner. Freundschaft in der Hölle des KZ Dachau, Sprockhövel/ Dommershausen 2007
[2] Erich Trunz, Goethes Werke: Autobiographische Schriften 3, München 1989: 533

Dieses Ziel ist auch für Karl Leisners Nachlaß angestrebt. Insofern ist es von besonderer Bedeutung, daß dieser in seiner Gesamtheit an einem dafür würdigen Ort aufbewahrt wird.
Wir sind Herrn Dr. Udo Grote, dem Leiter des StiftsMuseums und -Archivs Xanten und der stellvertretenden Leiterin Frau Elisabeth Maas dankbar, daß Sie sich dieses Anliegens annehmen.
Es bedurfte mehrerer Jahrzehnte, bis sich Goethes Nachlaßverständnis mit allgemeiner Verbindlichkeit durchsetzte. Aber schon bald wurde die Forderung nach Institutionen für die professionelle Bewahrung, Erschließung und Erforschung von Nachlässen laut.
So sagte mir zum Beispiel der Archivar der Jesuiten, Dr. Clemens Brodkorb, während meiner Nachforschungen in München: „Das Archiv ist die Zukunft des Ordens“. Allgemein gesagt: Ohne Vergangenheit keine Zukunft. Dennoch landet nach wie vor viel an Nachlaß im Container, was wert wäre, aufbewahrt zu werden. Um so erfreuter war ich über folgende Begegnung:
Ich suchte in Münster eine alte Dame aus der Jugendbewegung auf, deren Adresse ich im Gästebuch von Marienthal gefunden hatte. Als ich dort ankam, war sie bereits gestorben, und die Geschwister räumten gerade die Wohnung auf. Ich bat, einmal über die Dinge, die in den Container sollten, schauen zu dürfen. Sie sahen wohl an meinen strahlenden Augen, daß ich etwas Interessantes gefunden hatte: eine Handschrift von Carl Freiherr von Vogelsang, einer für Karl Leisner sehr wichtigen Person. Er war Karl Leisner und seinen Jungen aber nicht unter seinem Adelstitel bekannt. Auch in Kleve erfuhr ich selbst mit Hilfe der Presse nichts über Carl Freiherr von Vogelsang. Erst bei meinen Nachforschungen in der Staatsbibliothek in München fand ich eine Spur zu seinen Söhnen in Lübeck.
Nun aber genug von den Nachforschungen zu Karl Leisner.
Ich übergebe das Wort an Dr. Grote.

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Hans-Karl Seeger macht Notizen zu den Ausführungen von Dr. Grote.

 

 

Dr. Udo Grote bezeichnete die Gründung des Karl Leisner-Archivs im StiftsArchiv Xanten, in dem ein erster Teil der wichtigsten Gegenstände aus Karl Leisners umfangreichen Nachlaß eine dauernde Bleibe finden, als einen ganz besonderen Moment. Er sei ein Höhepunkt in der Geschichte des Archivs. Dr. Grote brachte auch seine persönliche Beziehung zu Karl Leisner zum Ausdruck. Als zur Seligsprechung die Umgestaltung von Karl Leisners Grab in der Krypta des Xantener Domes anstand, konnte er seine Ideen einbringen. Bei der sogenannten Recogniscierung der Gebeine des Seligzusprechenden war er dabei. Bei Führungen im Dom in Münster verweist er gerne auf den Kreuzweg des Bildhauers Bert Gerresheim, in dem Karl Leisner als kreuztragender Simon von Cyrene dargestellt ist.

Dr. Grote lobte die Großzügigkeit der Familie Leisner, all die Gegenstände dem Archiv zu überlassen, wobei er besonders das Meßgewand im Auge hatte, das Karl Leisner bei seiner Primiz am 26. Dezember 1944 getragen hat. Im nächsten Jahr sollen auch Karl Leisners Tagebücher ihren endgültigen Platz im Xantener StiftsArchiv finden.

„Schnappschüsse“ während der Veranstaltung:

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Quelle der Fotos: Gabriele Latzel

Fotos von top-top:

Übergabe der ersten Objekte für ein Leisner-Archiv im Stiftsmuseum

Übergabe der ersten Objekte für ein Leisner-Archiv im Stiftsmuseum

Übergabe der ersten Objekte für ein Leisner-Archiv im Stiftsmuseum

Übergabe der ersten Objekte für ein Leisner-Archiv im Stiftsmuseum

Übergabe der ersten Objekte für ein Leisner-Archiv im Stiftsmuseum

Übergabe der ersten Objekte für ein Leisner-Archiv im Stiftsmuseum

Übergabe der ersten Objekte für ein Leisner-Archiv im Stiftsmuseum

Übergabe der ersten Objekte für ein Leisner-Archiv im Stiftsmuseum

Link zu DERWESTEN vom 15. Dezember 2013 – Ein historischer Moment