Hamm: Denkmal für Karl Leisner und Dietrich Bonhoeffer im Ortsteil Hövel

Leisner_BonhoefferAm 12. August 1997, dem Gedenktag des Seligen Karl Leisner, wurde in der Kirche St. Pankratius[1] in Hövel[2] ein Denkmal zu Ehren von Karl Leisner und Dietrich Bonhoeffer[3] eingeweiht.

[1] Die erste an gleicher Stelle erbaute und dem heiligen St. Pankratius geweihte Kirche wurde 1025-1030 errichtet, im 14. Jahrhundert wurde diese durch eine Sandsteinkirche ersetzt. Die heutige Kirche wurde 1892-1894 errichtet, im Zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt und 1954-1956 wiederaufgebaut. Das denkmalgeschützte Pastorat ist aus dem Jahr 1564.
[2] Hövel ist ein Ortsteil des Stadtbezirks Bockum-Hövel, der zur Stadt Hamm gehört – 1939 Vereinigung der Dörfer Bockum und Hövel zur amtsfreien Gemeinde Bockum-Hövel – 1975 Eingemeindung von Bockum-Hövel in die Stadt Hamm.
[3] Dietrich Bonhoeffer (* 4.2.1906 in Breslau/Wrocław/PL, † hingerichtet 9.4.1945 im KZ Flossenbürg) – evangelischer Theologe u. Widerstandskämpfer

Hamm St. PankratiusHamm St. Pankratius Kirchenschiff 2

Der Bildhauer Georg Ahrens[1] aus Weibern/Eifel formte die beiden Gestalten und die Kölner Firma Wilhelm Schweitzer nahm den Bronzeguss vor.

[1] Georg Ahrens (* 29.6.1947 in Koblenz) ist Bildhauer und Hochschullehrer – Steinmetzlehre in der Abtei Maria Laach – Studium der Bildhauerei an den Kölner Werkschulen – Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen

Hamm St. Pankratius Ostwand

 

 

Das Bildwerk steht an der Ostwand des alten Westwerks der Kirche.

 

 

Drei Jahre vor der Aufstellung des Denkmals waren aus gegebenem Anlass die Mitglieder des Schützenvereins in Uniform zum Gottesdienst in die St. Pankratius-Kirche in Hövel gekommen. Der ehemalige König, von großer Gestalt, legte während der Messe seinen Schützenhut auf den leeren Sockel an der Turmwand, was der Pfarrer im Publikandum mit den Worten aufgriff: „Liebe Gemeinde, drehen Sie sich doch einmal um und bewundern den Schützenhut auf dem freien Sockel. Wir dürfen dies sicherlich als Signal werten, daß die Schützen die fehlende Figur für diesen Sockel stiften wollen.“[1]

[1] Kirche + Leben vom 10.8.1997

Die Schützenbrüder setzten diesen Hinweis in die Tat um und stifteten das Bronzebildwerk. Einvernehmlich fiel der Beschluss, Glaubenszeugen des eigenen Jahrhunderts darzustellen. Durch die Gedenktage 50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und den Folgen des Nationalsozialismus kamen Dietrich Bonhoeffer und Karl Leisner, dessen Seligsprechung[1] bevorstand, ins Gespräch. In Abstimmung mit der Kunstkommission des Bistums wurde der Künstler Ahrens beauftragt, eine Doppelfigur mit Karl Leisner und Dietrich Bonhoeffer zu gestalten.

[1] Die Seligsprechung Karl Leisners war am 23. Juni 1996 im Olympiastadion in Berlin durch Papst Johannes Paul II.

Bonhoeffer

Der Künstler hat Dietrich Bonhoeffer, der sich aktiv dem Widerstand gegen Hitler angeschlossen hatte, mit einer Bibel in den Händen gestaltet, als Hinweis darauf, dass die Quelle seines Engagements und seiner Gelassenheit während der Gefangenschaft sein Glaube an Gott war.

Leisner

Karl Leisner ist im Messgewand dargestellt, sichtlich gezeichnet von seiner KZ-Haft, seine Hände umfassen einen Kelch. Beides Hinweise auf das einmalige Geschehen in einem KZ, seine heimliche Priesterweihe am 17. Dezember 1944 und seine Primiz am 26. Dezember 1944, seiner ersten und einzigen heiligen Messe, die er in seinem Leben feierte. Neben dem Primizgewand erhält ein Neupriester einen Kelch, mit dem er sein Leben lang zelebriert. Bei seiner Beerdigung wird dieser Kelch mit einer Stola auf den Sarg gestellt.

 

 

Den Aufzeichnungen Karl Leisners ist nicht zu entnehmen, dass er den Ortsteil Hövel bzw. den Stadtbezirk Bockum-Hövel der Stadt Hamm kennengelernt hat oder eine sonstige Beziehung dazu hatte. Allerdings lernte er das zu Hamm gehörende Schloss Heessen[1] während eines Lagers der katholischen theologischen Fachschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster kennen.

[1] Schloß Heessen: Erste urkundliche Erwähnung als Erbgut des Bischofs Ludolf von Osnabrück († 978) 975 – Er­richtung des Hauses im neogotischen Stil durch Alfred Hensen (1869–1931) um 1908 – von 1935-1945 Verpachtung an den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund – seit 1957 „Landschulheim Schloß Heessen staatlich anerkanntes Tages­gymnasium und Internat“

Vor dem SchloßKarl Leisner untere Reihe rechts außen

Vor dem Schloß  Karl Leisner untere Reihe rechts außen

Münster, Mittwoch, 5. Februar 1936
Nach der Ankunft im Schloß [Heessen] (ein feines Ding!) gehn wir raus. – Vor dem Abendtisch zieh’ ich nach draußen in die Winter­landschaft, atme, denke, bete und singe aus frohem Herzen. Abends gestal­ten wir in der Pfarrkirche [St. Stephanus] eine Marienan­dacht. Profes­sor [Arnold] Struker predigt fein und innig. – Abends ist frisch und lustig der Kameradschaftsabend. Der Dekan [der theo­logischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Profes­sor Dr. Egon Schneider] spricht. – Eins hab’ ich noch vergessen: Die Stunde des Be­richts und der Leistungsrechenschaft. Klotziger Eindruck auf die Ver­treter der DSt [Deut­schen Studentenschaft]!

Heessen, Donnerstag, 6. Februar 1936
Morgens zur Gemeinschaftsmesse ins Rektorat.[1] Rückweg „schlibbernd“ und tollend durch die Winterlandschaft. Ein wundervoller Morgen. Gegen 10.30 Uhr hält uns [Pfarr-]Rektor [August] Schüttken einen erschütternden Lichtbildervortrag über die Kriegsgräber Flanderns und Frankreichs. […]
Dann zieh’ ich mit Bernd Bren­gelmann los zur Freilichtbühne.[2] Zu [Professor Michael] Schmaus’ Vortrag kommen wir etwas zu spät. […]
Nach dem Essen sitzen wir noch zu Sing-Sang und Plaudern am warmen Kamin zusammen. – Es ist fein. Wir spüren Nähe und Gemeinschaft. – Volk sind wir. Es waren feine Stunden.

[1] Heessen St. Joseph wurde 1923 selbständiges Pfarrektorat von St. Stephanus.
[2] Die Waldbühne Heessen (vollständiger Name: Westfälische Freilichtspiele e. V. Waldbühne Heessen) in Hamm ist die besucherstärkste Amateur-Freilichtbühne Deutschlands. Die Gründung erfolgte am 7.7.1924. Nachdem der Spielort sehr bald für die Aufführungen zu klein wurde, wurde ein eigenes Grundstück erwor­ben. Auf diesem entstand zunächst eine Holztribüne. Zugleich wurde auch der Name an den neuen Spielort, den Heessener Wald, angepaßt und lautete nun Westfälische Heimatspiele-Waldbühne Heessen. Bereits 1930 war eine erneute Erweiterung der Tribüne durch Seitenbauten nötig, nach dem Ausbau faßte sie 3.000 Zuschauer. Zu Beginn der 1930er Jahre war das Zuschaueraufkommen auf bis zu 85.000 Besucher im Jahr gestiegen.

Die Mitglieder des IKLK wurden mit dem Rundbrief Nr. 36 vom Dezember 1997 über das neue Denkmal zu Ehren Karl Leisners informiert.

Text und Fotos Christa Bockholt und IKLK-Archiv