Heinrich Riemenschneider führt seine Krebsheilung auf die Fürsprache Karl Leisners zurück

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v. l. Heinrich Riemenschneider, Sohn Thomas und Bauer Thomas Haas 1970 in Dachau-Oberroth

 

IKLK-Mitglied Heinrich Riemenschneider war im Krieg mit seiner Mutter und seinen Geschwistern aus Duisburg-Rheinhausen in der Nähe von Dachau evakuiert und erzählte Hans-Karl Seeger von seinen damaligen Erfahrungen.

Hans-Karl Seeger:
An der Mitgliederversammlung des IKLK an Gaudete 2013 in Xanten nahm auch Heinrich Riemenschneider mit seiner Frau teil. Präsident Benedikt Elshoff hatte die Teilnehmer animiert, wenn sie etwas Interessantes zu Karl Leisner wüßten, es mir zu sagen. Heinrich Riemenschneider, am 6. Januar 1937 geboren, berichtete mir nach der Versammlung kurz, was er im KZ Dachau erlebt hatte. Am 27. Dezember 2013 besuchte ich ihn zu einem ausführlicheren Gespräch in seinem Wohnort Kapellen.

Dafür hatte er folgenden Text vorbereitet:

Duisburg-Rheinhausen, Margaretenstraße 21. Die Margaretenstraße befindet sich in der Kruppsiedlung von Rheinhausen, 200 m vom Werksgelände. Mein Vater war schon eingezogen worden, so daß meine Mutter mit uns fünf Kindern alleine für uns sorgen mußte. Die Luftangriffe wurden immer heftiger. Es verging kein Tag und keine Nacht, wo wir nicht zum Bunker laufen mußten.
1943 im September bekam meine Mutter die Nachricht, kinderreiche Familien müssen die Wohnung in Rheinhausen verlassen, weil man fürchten mußte, daß die Alliierten die Kruppwerke in Essen und Rheinhausen in Angriff nehmen wollten.
Wir wurden nach Dachau evakuiert und kamen in ein Auffanglager, wo wir einige Tage bleiben mußten. Wir wurden dann dem Bauern Thomas Haas in Oberroth zugeteilt und gut versorgt.
An einem Tag im Spätsommer 1944 fragte mich Bauer Haas, ob ich mitfahren wollte. Er hatte im Hof einen Anhänger mit Möhren stehen. Ich durfte mitfahren, aber wofür die Ladung bestimmt war, wußte ich nicht.
Nach einer längeren Fahrt kamen wir an einem großen Barackenlager an, wovon ich mir als Kind keine Vorstellung machen konnte.
Vor einem großen Tor machten wir Halt. Bauer Haas ermahnte mich, auf keinen Fall vom Trecker abzusteigen.
Die Tore öffneten sich, und wir fuhren vor eine Baracke. Es kamen drei Männer mit Gabeln auf den Schultern, um den Anhänger abzuladen.
Daß es um das KZ Dachau ging, wußte ich nicht. Jahre später erfuhr ich es von meinen Eltern und in der Schule von Kaplan [Heinrich] Kötter, der auch im KZ Dachau inhaftiert war.[1]
Im persönlichen Gespräch mit Heinrich Riemenschneider erfuhr ich dann manches mehr:

[1] Heinrich Kötter (* 28.10.1910 in Laggenbeck-Ibbenbüren, † 15.6.1973 in Borghorst) – Eintritt ins Collegium Borromaeum in Münster 1.5.1935 – Priesterweihe 17.7.1938 in Münster – Er kam wegen Unterminierung der inneren und äußeren Front am 20.11.1941 auf den Weg ins KZ Dachau, wo er am 5.12.1941 eintraf. Dort hat er sich freiwillig als Krankenpfleger gemeldet und u. a. auch Karl Leisner gepflegt. Am 6.4.1945 wurde er entlassen und war von 1947 bis 1954 in Rheinhausen St. Peter Kaplan.

Das große Tor muß das Jourhaus mit dem Eingangstor gewesen sein.

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Von dort ging es auf den Appellplatz, wo der Trecker drehte und vor den ersten Baracken anhielt:

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Heinrich Riemenschneider wußte nicht, ob Bauer Haas die Möhren dem KZ verkaufte oder für die Häftlinge spendete. Familie Haas war eine sehr religiöse Familie, denn morgens, mittags und abends wurde gebetet.

Der Rückweg nach Kriegsende 1945 in die Heimat Duisburg war für Heinrich Riemenschneider als Kind recht abenteuerlich. Er dauerte zwei Wochen.
In Heinrich Riemenschneiders Heimatgemeinde Rheinhausen St. Peter war Heinrich Brey von 1947 bis 1949 Kaplan. Dieser war für Karl Leisner eine wichtige Bezugsperson in Kleve, denn er war vom 12. April 1928 bis 18. Juli 1935 Kaplan und Präses für die Jugend in Kleve St. Mariä Himmel­fahrt. Heinrich Riemenschneider ist 1948 unter Kaplan Heinrich Brey zur Erstkommunion gegangen. Heute lebt Ehepaar Riemenschneider in Kapellen, dem Geburtsort von Heinrich Brey.
Gegen Ende unseres Gespräches erzählte mir Heinrich Riemenschneider, was ihm Karl Leisner bedeutet und wie sehr er ihn verehrt, seitdem er weiß, daß dieser zu der Zeit, als er selbst als siebenjähriger Junge auf dem Trecker mit Bauer Haas ins KZ Dachau fuhr, dort inhaftiert war. Karl Leisner ist sein Schutzpatron geworden. Er bittet ihn in vielen Anliegen um Hilfe. Karl Leisner steht als Fürbitter für ihn an erster Stelle, denn er führt seine Krebsheilung, die bereits 10 Jahre (2004) zurückliegt, auf dessen Fürsprache zurück. Zweidrittel seines Magens hat er bei der Operation verloren und 30 kg abgenommen, kann aber wieder alles essen und trinken, ohne an Gewicht zuzunehmen. Vorgesehene Chemotherapien waren nicht mehr nötig. Wenn er zur Kontrolluntersuchung geht, ist nichts mehr von der Krankheit festzustellen und die Ärzte sind der Meinung, ihm sei ein zweites Leben geschenkt worden.
Meine Frage, ob er einverstanden sei, daß ich Bischof Felix Genn frage, ob dieser bereit sei, einen neuen Heiligsprechungsprozeß für Karl Leisner zu eröffnen, bejahte Heinrich Riemenschneider.