Karl Leisner und 100 Jahre Saarland


Mit dem Friedensvertrag von Versailles (auch Versailler Vertrag genannt) endete der Erste Weltkrieg auf völkerrechtlicher Ebene.
Deutschland unterzeichnete ihn am 28.06.1919 unter Protest im Spiegelsaal von Versailles in der Nähe von Paris.
Der Vertrag trat vor 100 Jahren am 10.01.1920 in Kraft. Heute (07.02.2020) vor vier Wochen fanden im Saarland und in Berlin Gedenkveranstaltungen statt

Quelle des Fotos: Wikimedia Commons /
gemeinfrei (abgerufen 15.02.2018)


Es ist die Geburtsstunde des Völkerbundes und damit auch des Saargebietes, das damals zur eigenständigen Region unter Verwaltung des Völkerbundes wurde. Frankreich wollte sich damit den Zugriff auf die Saarkohle sichern, als Reparationsleistung für die erlittenen Kriegsschäden. Damit beginnt die Geschichte des Saarlandes vor 100 Jahren, die in Deutschland einmalig ist. Zweimal von Deutschland getrennt, zweimal konnten die Saarländer über ihre Zukunft abstimmen.

Die Saarländische Landesregierung beging das Jubiläum am 10. Januar 2020 mit einer Feierstunde im Rahmen des Neujahrsempfangs des Ministerpräsidenten. Dazu wurden insbesondere Ehrenamtler eingeladen, die die Geschichte des Saarlandes aufgearbeitet haben. Darüber hinaus produziert das Saarland zusammen mit der ARD einen Kinofilm über die Völkerbundzeit.

„Zu dem Gefühl, Saarländer zu sein, trägt mit Sicherheit die erste Etappe eines staatlichen Saargebietes maßgeblich bei. Die 15 Jahre bis Anfang Januar 1935 waren eben auch eine Zeit, in der die Menschen sich zum ersten Mal bewusst werden konnten, in einem eigenen staatlichen Territorium zu leben. Nach der Abstimmung der Bevölkerung haben gut 90 Prozent mit JA gestimmt und damit kehrte das Saargebiet 1935 nach Deutschland zurück.

Der nachfolgende Beitrag wurde im Januar 2020 vom Deutschlandfunk veröffentlicht. Wir danken der Korrespondentin, Frau Tonia Koch, für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung ihres Beitrags auf unserer Homepage.
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In der fünfbändigen Lebens-Chronik von Karl Leisner findet man auf insgesamt 12 Seiten (Band I und Band II) etwas zum Thema: Saar / Saarland. Es sind dies die nachfolgenden Seiten: 234 / 761 / 832 / 834 / 835 / 836 / 847 / 912 / 915 / 917 / 952 / 1768.
Hinweis: Es werden nur bestimmte Einträge bzw. Beiträge aus der Lebens-Chronik in diesem Beitrag aufgeführt. Es handelt sich daher um keine komplette Aufzeichnung bzw. Wiedergabe.

Die erste Eintragung aus Karl Leisners Tagebüchern (Band I w S. 234) betrifft den Eintrag am
Freitag, 12. Dezember 1930
Die französischen und belgischen Truppen des Bahnschutzes verließen das Saargebiet.
Hier zitiert Karl aus der Zeitschrift Die Wacht:
Nun ist auch die verkappte Besatzung des Saarlandes abgezogen. Es war im Saarland ein sogenannter „Bahnschutz“, der aber nichts anderes als französische Besatzung war. Nach langen und vielen Verhandlungen ist Frankreich endlich überzeugt davon, daß die Saarlande eines Schutzes seinerseits nicht mehr bedürfen. Wir freuen uns darüber, aber warten und warten auf die Stunde, wo das Saargebiet freies deutsches Land ist.

Karl Leisner ist während der Semesterferien im September und Oktober 1934 zu Verwandten ins Saargebiet gefahren.
Im Band I ist ab Seite 834 „Die große Saarfahrt“ beschrieben. Nachfolgend möchte ich einen Ausschnitt aus einem Eintrag von Karls Tagebucheintrag zitieren der im Band I auf Seite 835 / 836 steht. Er lautet wie folgt:
Mittelbexbach, Mittwoch, 12. September 1934, Mariä Namensfest [Tgb. 15, 1–5]
Eigentlich wollte ich heute morgen nach Saarbrücken gefahren sein, aber ich muß mich mit Homburg zufriedengeben, und ich tue es gern.

Weiter im Text schreibt Karl Leisner folgende Worte:
Der Ruf Gottes dröhnt an meine Seele: He wach‘ auf, besinne dich: Du kannst’s, wenn Ich dir Gnade schenke – reichlich, in Fülle – und du willst, du mittust, mitgehst! Auf, du sollst mir meine Jugend führen, die jüngste Kirche in unserer Diözese [Münster], auf, stell‘ dich an die Spitze, den Bannerschaft gefaßt! Weise du andern den Weg. Ich – Dein Herr und Meister – zeige dir den rechten Weg, den Weg des Lichtes, der – durch des heiligen Geistes Gnade – führt zu Mir, dem Ewigen, dem Ziel der Unendlichkeit, dem Quell allen Leben! – Herr, ich hab‘ gerungen mit dem schwachen, selbstsüchtigen, feigen, sinnlichen Menschen in mir. Mit Deiner Gnadenkraft, die Du mir Schwachen im Brot der Starken, durch Dein Heiliges Fleisch und Blut, geschenkt hast, will ich das schwere Jungführeramt aus Deiner Hand entgegennehmen: Sei Du mir Führer zum Licht, zu Dir, damit ich anderen den leuchtenden, hellen Weg zu Dir führen kann! Ohne Dich kann ich nichts, mit Dir alles! Ich verspreche Dir – und schaue Dir dabei in Deine unendlich tiefen geistigen Augen, deren Licht mich erschauern läßt vor Furcht und Freude – Dir verspreche ich feierlich: Herr, allmächtiger Gott: Dein Werkzeug zu sein in Vollkommenheit will ich ständig mich verzehren. Alle Lebenskraft gehört Dir von heute ab! Wenn Du willst, will ich Dein Priester werden! Herr, gib mir Deine Gnade dazu! Amen! Halleluja!
Es ist nur ein Auszug aus einem längeren Eintrag. Aber ich meine, es ist ein starkes Zeugnis von Karl Leisner und verdient es, besonders hervorgehoben zu werden.
Insbesondere der Satz: Wenn Du willst, will ich Dein Priester werden!

Im Band II auf Seite 915 und 917 steht folgendes zu lesen:
Münster, Sonntag, 13. Januar 1935 [Tgb. 15, 67]
Schicksalstag für Deutschland! Das Saarland will heim! Gott geb‘ recht‘ Gelingen. Diese Woche ist mir eine eucharistische Opferwoche für Deutschland.

Münster, Dienstag, 15. Januar 1935 [Tgb. 15, 67–70]
Und dann schrieb ich noch an die Lieben in M‘[Mittel-]Bexbach eine Karte:
Münster, den 15.1.1935
Grüß Gott Euch allen! Liebe Tante [Helene], Onkel [Rudolf Rösch], Fräulein Schosserl [Josefine Klehenz], Ilse und Helga [Rösch]!
Meinen herzlichsten persönlichen Glückwunsch zu den 90% für Deutschland.
„Die Saar frei – Deutschland: unser Feldgeschrei!“ Gottes Gnade hat uns alle nicht verlassen – Gott sei Lob und Dank für Seine Hilfe! Das „Te Deum“ heute morgen im Radio kam allen Deutschen – wie mir – von Herzen. Einen solchen nationalen Feiertag haben wir wohl noch nie nach dem Krieg erlebt.
– Und in allen Zeitungen steht’s von eurer herrlichen Haltung und Disziplin!
– Und als in der Mittagsstunde die Freiheitsglocken von allen Kirchen sangen – da hab‘ ich mich mit meinem Freund nach draußen begeben, und wir haben – trotz allem, seit langem – uns wieder ganz herrlich gefreut, Deutsche zu sein. Wenn man jetzt noch etwas von nationaler Unzuverlässigkeit der Katholiken hören sollte, so möge Gott einen solchen strafen! – Hoffentlich kommt jetzt etwas Wahres von der langersehnten Volksgemeinschaft.
Mit frohem Gruß,
Euer aller Karl

Hier können Sie noch einen Bericht vom 18.01.2019 nachlesen, der den folgenden Titel hat:
Karl Leisner und der Versailler Vertrag
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