Karl Leisner und das Skatspiel

skat_faecher KopieSeit 200 Jahren erfreut die Menschheit das Skatspiel. Von Karl Leisner nebenbei im Tagebuch erwähnte Begebenheiten zeigen, wie präsent das Spiel auch in seiner Familie war.

Quelle des Fotos: privat

Er selbst wurde langsam an das Spiel herangeführt.

Sonntag, 29. Dezember 1929
Nach dem Essen spielte ich mit Papa und Tante Maria „66“ […] und anderes. […] – Beim Kaffee ka­men Onkel Hans aus We­sel und Onkel Fritz. Mit diesen spielte Papa Skat, wobei ich zuschaute.

Auch unterwegs waren die Spielkarten immer mit dabei.

Donnerstag, 6. April 1933
Um 12.30 Uhr weiter. Hinter Remagen Rast im Wirtshaus – Skat, 0,10 RM verdient (Herz­solo ohne 5 mit „contra“[1]).
[1]
Fachausdrücke beim Skatspiel. Karl Leisner machte ein Spiel, in dem die Farbe Herz Trumpf war, ihm aber die vier Bauern und das Herz-As fehlten. Ein Gegen­spieler sagte „contra“, d. h., „du gewinnst nicht“.

Sonntag, 25. Juni 1933
Gocher Kirmes! Um 12.15 Uhr Mittag. – 14.00 Uhr Andacht in der neuen Kirche [Liebfrauen] ([Pfar­rer Ferdinand] Zumegen). – Nachher – 15.30 Uhr Kirmesmarkt. (1,00 RM von Tante Maria und Füller bezahlt). 16.00 Uhr Kaf­fee mit Kuchen! Hm! – Nachher Skat und im Garten! Echt!

Sonntag, 8. Oktober 1933
Durch Dämmerung und Dunkel ziehen wir singend unter Ta­schenlampenbeleuch­tung […] nach Hause. Um 20.00 Uhr da. Bis 23.00 Uhr mit Papa und Herrn [Eduard] Bettray Skat gespielt. Erst der Beste, nachher verloren, Dummheit und Ge­dan­kenlosigkeit! Nachher von Papa 2,00 RM bekommen. „Du mußt doch mal ‘n Pfennig Geld in der Tasche haben…“.

Selbst am ersten Abend der Exerzitien in ’s-Hee­ren­berg diente das Spiel sozusagen als „Einstimmung“.

Donnerstag, 7. Dezember 1933
Um 16.00 Uhr ab Kleve mit Straßenbahn [bis zum Rhein und mit der Fähre nach Emmerich]. Professor [Bernhard] Peters da! – Mit Singen geht’s von Emmerich nach ’s-Hee­ren­berg, wo wir gegen 17.45 Uhr landen. – Bis 20.00 Uhr Orien­tierung im Kloster [Bonifatiushaus]. Ruhen, Skat. 20.00 Uhr Abendes­sen. Ia! An­schließend Segensandacht. Dann erster einleiten­der Vor­trag unsres Paters [Wilhelm Joist SJ].

Auch bei der Freizeitgestaltung im Lager hatte das Skatspiel seinen Platz. Karl Leisner berichtet aus dem Gemeinschaftslager in Reinshagen:

Freitag, 12. Januar 1934
Nachher in der Freizeit geht ein jeder seiner Lieblingsbeschäftigung nach. Die einen lesen, die an­dern spielen Schach und Skat u. s. f. – Um 19.00 Uhr deckt der Küchendienst die Tische zum Abendbrot.

Vater Leisner war in einem Skatklub. Dort spielte man um Geld, aber nicht nur in die eigene Tasche.

Dienstag, 24. Dezember 1935
Mittags durfte ich auch noch „Angelus“ [Engel] spielen und einer kinderrei­chen Familie L. 5,00 RM überbringen vom „Skatklub-Christ­kindchen“.

Manchmal täuscht sich Karl Leisner in seiner Erinnerung, so z. B. 1937 während eines Besuches auf dem Weg in den Arbeitsdienst bei seinem Vetter Willi Väth in Dortmund.

Freitag, 2. April 1937
Bis 22.00 Uhr Dreimännerskat.[1] (Lockerer sein beim Spielen!) Mit Willi [Väth] dann ernst und heiter geplau­dert. Zusammen zu Abend gebetet – fein. Ade, Bub!
[1]
Willi Väth am 22.5.1998 im Gespräch mit Hans-Karl Seeger:
Mein Vater [Balthasar Väth], Karl und ich spielten wohl eher „Sechsund­sech­zig (66)“; denn damals konnte ich noch nicht Skat spielen.

Vermutlich konnte auch Vater Väth nicht gut spielen (s. Brief von Wilhelm Leisner vom 16./17.1944 an die Dortmunder Verwandten).

Kartenspielen war bei Familie Leisner so beliebt, daß es sogar einen eigenen Skattisch gab.

Familie Wilhelm Leisner aus Kleve am 1. September 1937 an die Söhne von Familie Ruby in Freiburg/Br.:
Liebe Ruby’s Buben!
Inzwischen habe ich [Vater Leisner] meinen Platz von der Küche beim Radio in das kleine Wohnzimmerchen (66, Skattisch) verlegen müssen, weil Mutter und Maria Leisner beim Bohnenschnibbeln mich und meinen Schreibe­brief bekleckerten.

Während Karl Leisners Kuraufenthalt in St. Blasien gehörte das Skatspielen sozusagen mit zur Therapie.

Karl Leisner aus St. Blasien am 5. November 1939 an seine Famiie in Kleve:
Von Schwester Oberin [Zaccaria Fischer] bekam ich einen leckeren Na­mens­tagskuchen gestiftet. Mit Kaplan [Alexander] Stein, Kaplan [Fried­rich] Schöner (Hauskaplan), einem jungen Kaplan aus Aachen (vor einer Woche angekommen), und zwei früheren Waldhauskameraden verzehrten wir ihn am Abend, tranken einen guten Schoppen Wein dazu und „dro­schen“ einen zünftigen Skat, bei dem ich als zweiter (um 1/20tel) 5 Pfennig verlor.

Karl Leisners Mitpatient Johann Krein aus Trier am 12. März 1946 an P. Otto Pies SJ in Rott­manns­höhe:
Beide [Karl Leisner und Alexander Stein] kannte ich schon länger vom ge­meinsamen Mit­tagstisch. Wir haben dann manche schöne Wochen und Monate mit­einan­der verlebt und wa­ren richtige Leidensgenossen gewor­den. Unser Leiden vergaßen wir oft beim Skatspiel, beim Lesen, bei ge­meinsamen Spazier­gän­gen, bei gemeinsamen Gottesdiensten und nicht zuletzt bei gemeinsa­men religiösen und politischen Aussprachen.

Für Karl Leisner war das Skatspiel nach seiner Verhaftung am 9. November 1939 vermutlich zu Ende, aber bei Familie Leisner spielte man weiterhin.

Rundbrief von Vater Wilhelm Leisner aus Kleve am 17. November 1943 an seine Familie:
Liebe Maly, liebe Kinder!
Leider mußte ich nach dem Kaffee [… die fröhliche Gesellschaft bei den Tanten Maria und Julchen in Goch] ver­lassen. Dafür ging ich zu Hannes [Pollmann], aß dort zu Abend und spielte mit ihm und Herrn [Anton] Ruf einen zünftigen Skat.

Rundbrief von Vater Wilhelm Leisner aus Kleve am 4. Mai 1944 an seine Kinder und an die Dortmunder Verwandten:
Liebe Kinder, liebe Dortmunder!
Abends kam Onkel Hans [Leisner], mit dem wir bei Hannes [Pollmann] einen schönen Skat spielten.

Rundbrief von Vater Wilhelm Leisner aus Kleve am 16./17. Mai 1944 an seine Kinder und die Dortmunder Verwandten:
Liebe Kinder, liebe Dortmunder, lieber Willi!
Wenn Du, lieber Onkel Balthasar [Väth], in diesem Jahre in Erholung gehen willst, so heiße ich Dich bei uns herzlich willkommen. Lerne aber bis dahin gut das Skatspielen.

Rundbrief von Vater Wilhelm Leisner aus Kleve am 14. Juni 1944 an seine Kinder:
Liebe Kinder!
Ein kleiner Skat mit Traudchen und Johann [Gardemann] beschloß den Aufenthalt in Sch. [Schaephuysen bei Familie Peter Born].

Anläßlich des 200. Geburtstages des Skatspiels brachte „Die Welt“ vom 4. September 2013 einen Artikel unter der Überschrift „Skat soll Kulturerbe werden“.
Link zur Online-Version des Artikels

Seit dem 9. Dezember 2016 zählt das Skatspiel zum „Immateriellen Weltkulturerbe“.
Link zur Deutschen UNESCO-Kommission