Karl Leisner und das Urheiligtum in Schönstatt

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Zum 100jährigen Jubiläum des Urheiligtums in Schönstatt veröffentlicht die Schönstatt-Bewegung Kleinschriften von Personen, denen die Begegnung mit dem Kapellchen bedeutsam war. Der erste in der Reihe ist Karl Leisner.

 

 

Siehe Aktuelles vom 4. Juli 2012 – Karl Leisner in der „Wiege der Heiligkeit“.

Jetzt haben die Pallottiner der Schönstatt-Bewegung das Kapellchen in Schönstatt geschenkt. In der Zeitschrift „pallottiswerk“ Nr. 04/2013 heißt es auf Seite 8:

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Hans-Karl Seeger berichtet:
Von 1952 bis 1958 habe ich in Limburg gelebt, um mein Abitur zu machen, mit der Absicht Pallottiner zu werden. Ich entschied mich anders und ging nach Münster ins Collegium Borromaeum, um Weltpriester zu werden, was ich nun in diesem Monat seit 50 Jahren bin.
In meiner Zeit in Limburg erfolgte die Auseinandersetzung zwischen den Pallottinern und der Schönstatt-Bewegung, ob diese eine oder die Verwirklichung der Idee Vinzenz Pallottis sei. Wenn wir Schüler in die Ferien fuhren, instruierte uns der damalige Provinzial Pater Heinrich Schulte SAC[1] über den Stand der Dinge. Zu Hause erfuhr ich von meinem Heimatpastor Schönstattpriester Theo Janßen[2] den anderen Standpunkt. Ich betrachte die Schenkung des Kapellchens als einen Akt der Aussöhnung.
[1] Provinzial Dr. phil. Heinrich Schulte SAC (* 20.3.1901 in Visbeck, † 14.3.1980) – Ein­tritt bei den Pallottinern – Erste Pro­feß 25.9.1921 – Prie­sterweihe 27.6.1926 in Limburg – Er kam wegen staatsfeindlicher Äußerungen in Privatgesprächen am 26.5.1944 ins KZ Da­chau und wurde auf dem Evakuierungsmarsch vom 26.4.1945 befreit. – Provinzial der Limbur­ger Pallottiner-Provinz 1941
[2] Pfarrer Theodor Janßen, (* 12.5.1905 in Goch, † 1.5.1986) – Prie­sterweihe 23.2.1929 in Münster – Pfarrektor in Kleve Christus König 1949 – Pfarrer in Kleve Christus König 1950

Karl Leisner hat die Schönstatt-Bewegung 1933 in Exerzitien kennengelernt.

Paula Leisner im Seligsprechungsprozeß für ihren Bruder:
Ich erinnere mich, daß ich eines Tages in Karls Zimmer Aufzeichnungen darüber sah, wie er seine Vorsätze gehalten hatte, offenbar führte er eine „Schedula“[1]. Er hat dann auch in Schönstatt Exerzitien gemacht. Ich glaube, dass er seitdem eine feste Methode für die Gestaltung seines religiösen Lebens gefunden hat. Ich könnte mir denken, daß er sich dem Schönstatt-Werk weniger aus diesem Grunde [Marienverehrung] angeschlossen hat, als vielmehr wegen der Hilfe im geistlichen Leben und der Selbstkontrolle, die in dieser Gemeinschaft geboten wurde.
[1] Monatsliste zur schriftlichen Kontrolle von Partikularexamen u. Geistiger Tagesordnung – Die Ein­zelübungen legt je­der individuell fest und überprüft sich täglich. Diese Schedula wird regelmäßig einem Priester vorgelegt.

Was Karl Leisner in der Jugendbewegung nicht fand, bekam er in der Schönstattspiritualität an die Hand: „Werkzeuge“, die ihm halfen, sich „am Riemen zu reißen“. Dreimal hat er das Urheiligtum in Schönstatt besucht:
6.-10. April 1933 Studientage und Exerzitien
1.-5. Januar 1937 Theologentagung
4. Juni 1939 auf dem Weg nach St. Blasien

Da Karl Leisner ein versöhnlicher Mensch war, was vor allem sein letzter Tagebucheintrag bezeugt: „Segne auch, Höchster, meine Feinde!“, hätte er sich gewiß sehr über das Ereignis vom 22. September 2013 im Kapellchen in Schönstatt gefreut.

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