Karl Leisner und die Ikone „Salus Populi Romani” in Santa Maria Maggiore in Rom

Die Ikone „Salus Populi Romani – Heil des römischen Volkes“ in der Basilika Santa Maria Maggiore wird, ebenso wie früher ihr Gedenktag, in Erinnerung an die Legende von einem wunderba­ren Schnee­fall am 5. August mit Erscheinen der Gottesmutter und ihrer Aufforderung zum Bau einer Kirche, auch „Maria Schnee” genannt. Der Gedenktag heißt heute „Weihe der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom“.

Quelle der Fotos: Wikimedia Commons / gemeinfrei (abgerufen 02.02.2018)

Unter der Überschrift „‚Salus Populi Romani’ veröffentlichte L’OSSERVATORE ROMANO vom 2. Februar 2018 einen Artikel von Barbara Jutta über Geschichte und Restaurierung der Ikone.

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Karl Leisners Erfahrungen mit der Ikone und der Basilika

Im Sommersemester 1934 in Münster hörte Karl Leisner in der Vorlesung „Kirchengeschichte des Reformationszeitalters“ von Prof. Georg Schreiber etwas über diese Kirche.

Vorlesungsmitschrift

9. […] Überhaupt stand gerade der italienische Bischof mitten im Volke, und so auch Karl Borromaeus, der zum Beispiel zur Zeit der Pest in Mailand hervorragend im Volke wirkte. – Der deutsche Bischof dieser Zeit dagegen baute sich seine Burg und entwickelte den Herrschertyp. Man darf da viel­leicht an die argen Zustände in der Domfreiheit gerade zu Münster erinnern. Später wurden aus den Burgen und Bollwerken Schlösser. Es sind das sehr bedeutsame Momente für die kirchliche Reform; denn all die nationaldeut­schen Schattierungen finden sich später im kirchlichen Barock wieder, wo der Bischof zum Fürsten und Herrscher gestempelt wird. In Italien findet sich dieser Typ nicht! Der italienische Bischof hat rege Beziehungen zu seinem Volk. In St. Maria Maggiore und im Dom von Perugia findet sich zum Bei­spiel die Wohnung des Bischofs unmittelbar in der Kirche, das heißt mit ihr unter einem Dach; da gibt es keine Domfreiheit. Sie wohnen alle in enger Verbindung mit dem Volk. […]

1936 machte Karl Leisner eine Reise nach Rom, von der keine Tagebuchnotizen vorhanden sind. Es ist kaum vorstellbar, daß er Santa Maria Maggiore nicht besucht hat, zumal man schon damals die Frage diskutierte, ob Pater Joseph Kentenich SAC nicht besser diese Ikone für das Schönstattkapellchen in Valendar verwendet hätte (s. Link Dreimal Wunderbare Mutter).

Im KZ Sachsenhausen wurde eine Kapelle in Block 57 eingerichtet[1], so daß die Häftlinge ab Montag, dem 5. August 1940, dem Fest Ma­ria Schnee, dort jeden Mor­gen die heilige Messe feiern konnten. Einen Meßkof­fer hatte die Kommandantur des KZ zur Verfü­gung ge­stellt. Karl Leisner durfte als Dia­kon die Kommunion austeilen.
Bisher ist noch kein Dokument über die An­ordnung aus Berlin zur Errich­tung einer Kapelle im KZ Sachsenhau­sen aufgetaucht. Es gibt lediglich zahl­reiche Berichte darüber, daß eine Kapelle eingerichtet und Gottesdienste ge­feiert wurden. Im Dezember 1940, als alle Priester ins KZ Dachau verlegt wurden, löste man die Kapelle wieder auf.
[1] Wilhelm Haas aus Kleve am 13.9.1975 an Kazimier Majdański in Włocławek:
Wir […] entdeckten, daß Karl einen Ehrenplatz im Fenster des internationalen Museums hat. Wo die Kapelle stand, liegt heute ein Gedenkstein Nr. 57.

 

Tagebucheintrag

Planegg, Montag, 11. Juni 1945
Matthias Grünewald-Buch von Dr. [Wilhelm] Corman ist fein zu schau’n.[1] War mit Maria [Leisner] auf Fahrt 1937[2] in der „dösen­den“ Erinnerung.
[1] Hagen, Oskar: Matthias Grünewald, München 1919
Das Buch ist reich bebildert, vor allem mit Fotos vom Isenheimer Altar.


[2] Karl Leisner war 1937 mit seiner Schwester Maria von Freiburg/Br. aus nach Colmar gefahren, um den Isen­heimer Altar von Matthias Grünewald zu be­trach­ten (s. Aktuelles vom 3. März 2016 – Karl Leisner und der Isenheimer Altar).

Quelle des Fotos: Wikimedia Commons / gemeinfrei (abgerufen 02.02.2018)

Planegg, Donnerstag, 14. Juni 1945
Mor­gens gedöst und Grü­newald­bilder [aus dem Buch von Dr. Wilhelm Corman[1]] vom „Maria Schnee“ Altar (Re­ste) be­schaut.[2]
[1] Hagen, Oskar: Matthias Grünewald, München 1920
[2] Matthias Grünewald hat in den Jahren 1517–1519 „Das Schnee­wun­der“ als rech­ten Flü­gel eines Altares ge­malt. Das Kunstwerk befindet sich im Augu­sti­ner­mu­seum in Freiburg/Br. Ver­mutlich hat Karl Leisner es während seiner Außensemester 1936/37 dort gesehen.

 

 

 

 

 

Beispielseiten aus dem Buch „Hagen, Oskar: Matthias Grünewald“

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Impressionen von Santa Maria Maggiore

Quelle der nicht ausgewiesenen Fotos: Gabriele Latzel und Karl Leisner-Archiv