Karl Leisner und die Niers

Niers bei Weeze

Unter der Überschrift „Warum die Niers mein Rhein ist – Wer nicht in der Region wohnt, hat noch nie von ihr gehört. Gerade deshalb ist die Niers der wichtigste Fluss des Niederrheins. Behauptet unser Autor und baut ihr ein viel zu pompöses Denkmal.“ berichtete Sebastian Dalkowski in der Rheinischen Post vom 17. Mai 2017 über sein Verhältnis zur Niers.

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Quelle des Fotos: Wikimedia Commons / Autor: Pieter Delicaat / CC BY-SA 3.0 (abgerufen 16.06.2017)

Der Karl Leisners Heimat, dem Niederrhein, den Namen gebende große Strom übte zwar eine gewisse Anziehungskraft auf Karl Leisner und seine Altersgenossen aus, aber die Niers war doch für die Freizeitgestaltung, vor allem in bezug auf Zelten und Baden, naheliegender und ungefährlicher. Außerdem war sie für Lager, Spiel und Abenteuer wegen ihrer Lage und Umgebung interessanter als der Rhein.

Link zu Aktuelles vom 6. Januar 2014 – Karl Leisner und der Rhein

Tagebucheinträge

Ohne Datum, vermutlich Dienstag, 17. Mai 1927
[Bericht] Fahrt zur Niers.
Des Nachmittags 14.00 Uhr marschierten wir vom Gymnasium zum [Reichs-] Wald, über viele schöne Waldwege wanderten wir zur Niers. An der Niers betrie­ben wir allerhand Spiele; zum Beispiel Fuchsprellen, (wobei unser Kame­rad [Jan] Ansems leider das Bein brach), Bockspringen, Schleuderball, Schwim­men und Speer­werfen, so ging die Zeit schnell genug herum, und wir muß­ten wieder nach Hause zu­rück­kehren.

Freitag, 10. Juni 1927
11. [Bericht] (Teilnehmer siehe unter Fahrten[1]) Tagesfahrt zur Niers.
Dann zogen wir gegen 15.00 Uhr durch den Wald zur Niers. Auf dem Wege zur Niers sind wir überfallen worden. Und zwar von NDern, diese kamen plötzlich aus dem Gebüsch. Aber wir wurden nicht im ge­ringsten erschreckt, weil wir sie vorher schon entdeckt hatten. Mit diesen zogen wir zur Niers. Hier wurde Rast gemacht. Die meisten badeten hier. Als wir alle fertig waren, wur­den wir zweimal geknipst. Mit dem Knip­sen fertig, zogen wir durch den Wald un­serm schönen Cleve zu.

[1] Fahrt zu „Mann und Frau“, Streepe, Graefenthal und Niers
Teilnehmer:
[Josef] Wimmer, [Gerhard] Riedl, [Josef] Hütter und NDer, Dr. [Walter] Vinnenberg, [Karl] Mee­ter, [Hermann] Ahlers, [Karl] Leis­ner, [Willi] Drießen.

Kleve, Dienstag, 29. Mai 1928
Rad-Fahrt durch den Reichswald zur Niers
Teilnehmer: Michen Koch, (bei [Familie] Drove auf Besuch), Willi Diehl, mein Bru­der und ich
Wir fuhren am Dienstag 29.5. um 13.30 Uhr von Hause über die Triftstraße zum Schmugg­lerweg. Über diesen ging’s zur kleinen und großen Lichtung. Von dort fuhren wir über den Hauptweg [Hauptgestell] und einen Neben­weg [Nebengestell] nach dem Jagenweg [Nebengestell] f. Auf diesem sahen wir ein kleines Reh, das am Weiden war. Jetzt ging’s weiter über die Jagd­hütte, wo jetzt Sprengstoffe lagern, zur Niers.[1] Hier wurde eine halbe Stunde gepaust und der Baggermaschine zugeschaut.

[1] Was es mit dem Sprengstoff auf sich hatte, wußte auch der damalige Förster Max Glitz nicht mehr.

Kleve, Mittwoch, 30. Mai 1928
Radfahrt zur Niers und Schwimmen in dieser. Teilnehmer: Franz Half­mann I., Jan Ansems und ich.
Nach langem Nöhlen [Meckern] durften wir um 13.45 Uhr abfah­ren. An der Niers wurde ge­badet.

Kleve, Samstag, 2. Juni 1928
Mit Papa zur Niers gefahren. Dort Protokoll bekommen. Dann nach Tante Julchen gefahren.

Kleve, Sonntag, 29. Juli 1928
Tagesfahrt. Um 9.30 Uhr marschierten wir von der Penne durch den Reichs­wald zur Niers. Dort wurde eine Stelle zwischen Kessel und Asperden zum Abkochen ausgesucht. Jan Ansems, Jupp Kersten und ich gingen beim Bau­ern Milch holen (Liter 20 Pfg), während die andern schwammen. […] Nach dem Essen, als der steife Griesmehlpapp ver­daut war, schwam­men Jan Ansems und ich ein großes Stück die Niers her­unter.

Kleve, Donnerstag, 23. August 1928
Ich ging mit unserer Familie über Kessel, Schloß Graefenthal (dort regnete es) immer rechts der Niers entlang nach Goch zu Tante Maria und Tante Julchen.

Kleve, Freitag, 31. August 1928
Mama, Maria und ich fuhren mit den Rädern vor, um im „Kesseler Wäld­chen“ Pilze zu pflücken, während die andern mit Ferdinand [Falken­stein] gingen und in der Niers badeten. Auch Maria und ich ba­deten noch, ich spielte Wasserball. Zurück fuhren die andern, während Ferdinand, Willi, Paula und ich gingen. Als wir zu Hause an­kamen, merkten wir, daß das Netz [? zum Wasserballspielen] an der Niers liegenge­blieben war.

Kleve, Sonntag, 2. September 1928
Mor­gens um 11.00 Uhr fuhren Willi und ich zur Niers um das verlorene Netz zu suchen (s. 31.8.28). Wir fanden es sofort. Es war ein wunderbarer Tag. Alles war still und die Sonne brannte. Direkt vor uns sahen wir ein Wildentchen aus der Niers auf­tauchen.

Karl Leisner aus Kleve am Mittwoch, 15. Mai 1929, an Walter Vinnenberg in Maria Laach:
Alle Gruppen zu­sammen haben sich einen dicken Fußball, auch als Hand­ball zu gebrau­chen, alt ge­kauft (5,00 Reichsmark). Nach jeder Zusammen­kunft spielen wir auf der Wiese beim Heim von 19.00 bis 19.45 Uhr unge­fähr Handball. Denn Pfingstmontag [20.5.1929] wollen wir früh nach der Niers hauen und dort allerhand Wett­kämpfe veranstalten. (Auch ein Handballspiel.) Da aber viele wahrschein­lich nicht mit können, müssen wir die Wettkämpfe auf den folgenden Sonntag [26.5.1929] verlegen.

Kleve, Sonntag, 26. Mai 1929
Wettspiele an der Niers bei Kessel
Um 8.30 Uhr hauten wir mit der Gruppe durch den Reichswald zum „Ver­sun­kenen Kloster“ bei Kessel an der Niers. Hier machten wir ein Hand­ball­spiel, das unsere [Katholische Wandervogel -]Gruppe „St. Werner“ mit 5:4 gewann. Nach dem Hand­ball­spiel Fut­tern und dann 100 Meter-Lauf. Hierbei gewann ich den 2. Preis. Dann war Schwimmen. Ich holte einmal den 2. und einmal den 1. (Brust). Im Grup­pen-Staffelschwimmen gewann unsere Gruppe. Nach dem Schwimmen holten Willi Intveen und Jupp Kersten und ich 10 Liter Milch beim Bauern.

Kleve, Montag, 26. August 1929
Um 8.40 Uhr gings mit Papa, Fräulein Lieschen Drove, Ma­ria und Ludwig Koenig (Besuch bei Fräulein [Susette] Schwarz), durch den Reichswald zum Schmuggler- und Märchen­weg. Dort trafen wir einen Hollän­der und Willi Pauls und Ötte Janßen, die uns eine ganz ver­steckte Bank zeigten. Dann gings mit dem Holländer bis zur Asperde­ner Mühle. Dann al­lein weiter zur Badestelle [an der Niers] „Graefent­hal“, wo geba­det wurde.

Kleve, Sonntag, 29. Juni 1930, Heilige Peter und Paul
Fahrt zur Niers
Zu sieben „Männekes“ ging’s um 14.00 Uhr ab „[An den] decken Boom“ los. – Zu­nächst holten wir Föns [van Thiel] an seiner Behausung [in Ma­ter­born, Königsallee 17] ab. Dann marschierten wir los durch den Reichs­wald zur Niers. Hier wurde prima ge­schwommen, Wasserball gespielt und andrer Unsinn getrieben. (Beim Wasser­ballspiel, das Peter Bause und ich gegen Föns und Theo [Derksen] spielten, „versoff“ der Schlagball, den wir zu die­sem Zwecke mißbraucht hatten.)

Kleve, Donnerstag, 26. Mai 1932, Fronleichnam
Tagesfahrt zur Niers. Gegen 10.00 Uhr hauten wir los zur Niers. Dort koch­ten wir ab. (Auf drei Heringen.) – Nachher spielten wir Ball.

Kleve, Sonntag, 26. Juni 1932
Mittags spazierten alle zum Go­cher (Ro­sen-)Stadt­park [an der Niers]. Eine feine neue Anlage!

Kleve, Sonntag, 2. April 1933
Gegen 8.30 Uhr sind wir an der Niers ge­genüber Graefen­thal. Wir begucken das Arbeitsdienstlager des Stahlhelms[1], das die Niers gra­diert (ein neues Flußbett macht). Eine Pumpe saugte das Wasser aus dem neuen ins alte Bett zurück.
[1] Wie viele andere Organisationen führte auch der Stahlhelm Arbeitsdienstlager durch.

Kleve, Dienstag, 5. September 1933
Um 13.00 Uhr auf Fahrt! Über Kessel nach Hommersum. Zur Kendel­mühle [„Yshövel’sche Mühle“]. Liegt schon auf holländischem Boden. Dort ge­spielt. Zur Ken­del­mündung (Niers). In der Niers geschwommen, Ia sauber! Nachher Milch getrunken. (Kostet 0,12 RM pro Liter!) Über [die] Viller Mühle durch Kes­sel – Reichs­wald [Nebengestell] (m) zurück.

Kleve, Sonntag, 10. September 1933
Singend weiter durchs Dorf nach Viller Mühle. Von da durch die Felder an den Kendel-Niers-Zusammenfluß: Es ist ein ganz unbeschreiblich schönes Wetter. Die Jungens spielen und tollen unter Willis Auf­sicht auf den Niers­wiesen mit Zollbeamten etc. rum.

Siehe Aktuelles vom 13. Juli 2016 – Das hätte Karl Leisner sich nicht träumen lassen.

Karl Leisner aus Kleve am Mittwoch, 18. Oktober 1933, an Walter Vinnenberg in Münster:
Vorigen Mo­nat haben wir noch in der Niers geschwommen.

Kleve, Sonntag, 30. September 1934
Gegen 12.00 Uhr an der Niers am erwählten Punkt. Die Jun­genschaft mit Hein W. [Wennekers] ist gleich auch da. Wir futtern Steck­rü­ben und But­terbrote, schlafen, balgen und toben und spielen in den Niers­wiesen. Ab und zu plumpsen welche in die Moddergrä­ben. Karl Kück und ich, wir balgen uns und Karl K. rollt mit voller Rü­stung mit mir in einen „Moddergraf“ [Schlammgraben]. Wir wa­schen das braune Zeug im Fluß. Ich krieg’ Lust zum Schwimmen und spring rin in den „schwarzen Dreck­fluß“. Ia – ha, was tut so kaltes Wasser gut. Nachher springen und rennen wir durch die Wiesen. Ich stelle fest, daß wir Hunger haben und renne mit Jupp Kempkes, Johann Haas und Johann Kahle zum Bauern ein paar Äppel möpsen [klauen] (als Diözesanjungscharführer – ho! und als Theologie­stu­dent 3× t-t-t – Schütteln des greisen Hauptes). – Johann Kahle schüttelt ordentlich was davon. Aber es war zuviel. Die alte Bauersfrau kommt raus und schreit: „Che Satans­köpp! Walt che well make, dach che wechkommt [Ihr Satans­köpfe! Wollt ihr wohl machen, daß ihr wegkommt]!“
Johann K. kommt noch gerade flink genug über die Hecke – unser Heil liegt in der Flucht! Äpfelbeladen kehren wir zur Nierswiese zurück. Im Nu um­schwärmen uns die andern und wir sind alle schönen dickwangigen Kerle [Äpfel] quitt!

Willi Leisner in seinem Tagebuch:
Als wir satt waren, tip­pelten wir zur Niers nach Kessel. Hier machten wir eine Reihe Spiele. Einige „untersuchten“ indes die Apfel­bäume in der Gegend. Dann badeten wir in der Niers.[1]
[1] Leisner, Willi: Tagebuch Nr. 5: 63

Siehe auch RP ONLINE vom 6. Juli 2018 – Freizeittipp – Einmal „Jan an de Fähr“ bis Kessel
und
RP ONLINE vom 30. Juli 2018 – Raum für Frezeit und Erholung.

Impressionen von der Niers und ihrer Umgebung

Bei Kessel

Kloster Graefenthal

Rosenstadtpark in Goch

Quelle der nicht ausgewiesenen Fotos: Gabriele Latzel