Karl Leisner und P. Wilhelm Vollmerig MSC

Pater Wilhelm Vollmerig MSC (* 8.8.1904 in Hamm, † durch einen Motor­radunfall 27.10.1950 in Kleve) – Eintritt bei den Hiltruper Herz-Jesu Missionaren 29.8.1925 in Herten – Ein­klei­dung u. Beginn des Noviziats 14.9.1925 in Herten – Profeß 15.9.1926 in Herten – Priester­weihe 10.8.1931 in Paderborn – als Mitbegründer des Exerzitienwerkes bis zu des­sen Auflö­sung Stationierung im Kloster Freudenberg 1938 – Er war mit Familie Wilhelm Leisner befreundet.

Werner Stalder berichtete in der Rheinischen Post vom 21. Juli 2017 in der Serie „Unsere Seelsorger – Der Pfarrer als Bürgermeister“ über Pater Wilhelm Vollmerig MSC.

Link zur RP ONLINE vom 21. Juli 2017

Quelle des Fotos: privat

Karl Leisner erwähnt Pater Wilhelm Vollmerig öfter in seinen Briefen aus dem KZ Dachau.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 26. Juli 1941, an seine Familie in Kleve:
[…] herz­liche Grüße zurück. Auch […] P. Voll­merig!

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 17. Juli 1943, an seine Familie in Kleve:
Herz­liche Grüße […] auch Kollegengruß an P Vollme­rig.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 18. September 1943, an seine Familie in Kleve:
Als zweites [Paket] kam Dein von Vollmerig und Hannes Poll­mann gegengezeich­neter Abendgruß, Elisabeth. Das war aber allerhand: eine Dose Speck, ein Kilo Aprikosen, ein Pfund Erbsen, ein Pfund Tomaten und ein Pfund Honig. Ich war platt. Herzlichen Dank Dir und erwi­dere P. Voll­merig und Hannes die Grüße aufs beste.

Rundbrief von Vater Wilhelm Leisner aus Kleve am Donnerstag, 10. Februar 1944, an seine Kinder und Ver­wandten:
Vergangenen Freitag [4.2.] las PWV [P. Wilhelm Vollmerig MSC] im [Spyck-]Klösterchen für die beiden [Tanten Julchen und Maria Leisner] eine heilige Messe, in der […] wir […] zur heiligen Kommunion gingen. Dann geht man wieder getröstet nach Hause und schafft und sorgt weiter für die Leben­den.

Rundbrief von Vater Wilhelm Leisner aus Kleve am Mittwoch, 16. Februar 1944, an seine Kinder:
Um 22.00 Uhr war ich zu Hause, wo ich Karls und Paulas Briefe vorfand und dann mußte ich über mich ergehen lassen, was den ganzen Tag passiert war. PWV ist bedingt k. v. [kriegsverwendungsfähig = tauglich für jeden Dienst in der Wehr­macht ] geschrieben, er war natürlich bei uns.

Rundbrief von Vater Wilhelm Leisner aus Kleve am Montag, 6. März 1944, an seine Kinder:
Unsere Mutter ist am Samstag [4.3.] nach Geldern gefahren, um Willi Hartjens und Frau ein Kreuz zu bringen, was uns PWV besorgt hatte.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 22. April 1944, an seine Familie in Kleve:
An […] P. Voll­merig und die ganze geistliche Bruderschaft frohe Maiengrüße. Für den Maimonat halte ich mich Euer und aller Gebet besonders empfoh­len.

Rundbrief von Vater Wilhelm Leisner aus Kleve am Freitag, 28. April 1944, an seine Kinder:
Wir hatten morgens heilige Messe im [Spyck-]Klö­ster­chen mit PWV, der dann mit uns Kaffee trank. Er stiftete sogar Boh­nenkaf­fee.

Rundbrief von Vater Wilhelm Leisner aus Kleve am Mittwoch, 31. Mai 1944, an seine Kinder:
Zu Mittag war der hl. Wilhelm-PWV unser Gast, der sich dadurch revan­chierte, daß er uns zum Bohnenkaffee einlud. Alle schoben wir zur Mater­bornerallee [96], und der Kaffee sorgte da­für, daß wir bei der großen Hitze nicht einschlie­fen. Gegen 19.30 Uhr ging es eilenden Schrittes nach Hause.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 10. Juni 1944. an seine Familie in Kleve:
Am Wilhelmstag dachte ich auch an P. Vollme­rig, (herzlichen Dank für seine guten Gaben),

Sammelbrief von Familie Wilhelm Leisner am Donnerstag, 28. Dezember 1944, an Karl Leisner:
Jean op Gen Oorth, Kalkar brachte für Dich Speck, Vollmerig Speck und vier Würste; wir gaben sie Hannes P. [Pollmann] mit, damit er sie von Iserlohn aus fortschicke.

Karl Leisner aus Dachau M Samstag, 27. Januar 1945, an seine Familie:
Hannes Pollmann, P. Vollmerig und Jean op Gen Oorth besonders dankbare Segens- und Dank­grüße.

Propst Viktor Roeloffs charakterisierte bei der Beer­digung von Mutter Amalia Leisner († 19.2.1983) Karl Leisners Eltern unter anderem mit Worten von P. Wilhelm Vollmerig MSC:
[Pater Wilhelm Vollmerig MSC äußerte einmal,] Wilhelm Leisner senior [† 13.10.1964], der zuletzt Justiz-Oberinspektor in Kleve war, sei „eine gelungene Mischung aus Weihwasser, Benzin und Limonade“. Er wollte damit sagen: Dieser Mann ist fromm, unbedingt kirchentreu, auch wenn das öffentliche Glaubenszeugnis viel Mut kostete in der Nazizeit, so verkehrte er weiter mit Kaplan [Ferdinand] Stegemann, dem alten [Johann] Pollmann, Kaplan [Ludwig] Deimel und Herrn van Appeldorn [von der Zentrumspartei]; und sie besuchten im Gefängnis an der Krohne­straße Pater Titus Brandsma [OCarm] 1942, bevor dieser im KZ Dachau umkam.
„Benzin“ – Vater [Wilhelm] Leisner war spontan-impulsiv – tempera­ment­­­voll; er wußte, was er wollte, dabei leutselig, er sprach mit jeder­mann.
„Limonade“ – das meinte: er hatte ein wenig von der Rheinpfälzischen Süßlichkeit und Sentimentalität, Erbstück von seiner Mutter [Anna Hen­rich], die von der Rheinpfalz stammte.
Im Unterschied dazu war Mutter [Amalia] Leisner still, zurückhaltend, bescheiden, dabei aber sehr konsequent; sie erzog ihre fünf Kinder ohne viel Worte; war eine vorbildliche Hausfrau – noch die 90jährige wollte ihren Teil zur Hausarbeit beitragen! Ihr ruhiges Wesen war immer auf Ausgleich bedacht; und die Harmonie zwischen den Gatten übertrug sich auf die ganze Familie. Grundlage für diese Harmonie aber war ihr Glaube, ihre Gottverbundenheit. Diese christliche Überzeugung vor allem wollten die Eltern ihren Kindern mitteilen. Von dorther gewann auch Frau Amalia ihr klares Urteil angesichts der politischen und weltanschaulichen Umwäl­zungen um und nach 1933.

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Franz Gommans erwähnt Pater Wilhelm Vollmerig MSC in seinem Artikel „Die Sperrzone im Amt – Asperden anno 1945 – Die britische Besatzungsmacht treibt die Grenzlandbevölkerung erneut in die Evakuierung“ im „Kalender für das Klever Land auf das Jahr 2017“ auf den Seiten 156–171.