Karl Leisner und seine Sehnsucht (16)

Gebäude

In der Regel gingen Priesterkandidaten aus Kleve in ihren Außensemestern nach Freiburg. Für Karl Leisner war vermutlich seine Erinnerung an den Besuch der Stadt auf der Fahrt in die Schweiz im August 1932 ein weiteres Motiv.

Siehe Aktuelles vom 26. Dezember 2016 – Karl Leisner und das Freiburger Münster.

Freiburger Münster

 

 

Achern, Freitag, 19. August 1932, 6. Tag
Unsere Sehn­sucht heute: Freiburg/Br.! Die Stadt des Schwarzwalds. Vor der Stadt finden wir einen Kra­nen [Wasserkran]. Wir waschen und zivilisieren uns. – Denn unterwegs vor­her hatte ich Panne gehabt und das macht dreckig. – Dann Start in die Stadt. Zunächst zur Stadt­mitte durch vornehme Straßen – zum herrlichen gotischen Dom.
Am Dom und in ihm verweilen wir länger. Wir bewundern den kühnen Schwung des Turmes und steigen mit ins Unendliche. – Einen solchen Turm von gleicher Wucht und Beschwingtheit und Ebenmaß und Adel der Beherr­schung sah ich noch nicht.
Durchs hohe Portal – figurengekränzt – schreiten wir hinein ins Innere und staunen. Singender Raum – alles Hoheit, Kraft, Schwung: Stein, Glas, Fen­ster, Edelsteine, Metall. Raum der Gotik!
(Am 7.3.1936 (!) weiter!)[1] Wir schreiten zum Hochchor, das von einem Kranz von Kapellen umgeben ist. Ein Beichtstuhl eines Domkapitu­lars trägt die Aufschrift, daß er in vier Sprachen Beichte hört[2]. – Erlebnis der Gotik!
Abends dann in der DJH [Jugendherberge Peterhof, Peterstraße 1] gutes Futter – früh liegen wir und pennen; denn morgen soll’s früh los­gehn.
[1] Hier wie auch an weiteren Stellen wird Karl Leisners Tagebuchtechnik des Nachschreibens deutlich: Fast vier Jahre waren seit der Schweizfahrt vergangen. Während des Nachschreibens stand sein Frei­burger Semester (Beginn 31.3.1936) unmittelbar bevor.
[2] Da Karl Leisner sehr an Fremdsprachen interessiert war, beeindruckte ihn dies außer­­ordent­lich.