Karl Leisner und seine Sehnsucht (7)

Vorbild

Karl Leisner schreibt oft von Vorbildern.

Walter [Vinnenberg] spricht zu uns vom heiligen Lauren­tius, von seiner Opferkraft und seinem Heldentod. Für uns Jungens ein heldi­sches Vorbild. (10.8.1934)

Friedrich von Schiller als Evangelist Johannes an der Lambertikirche in Münster

Quelle des Fotos: Gabriele Latzel

 

Kleve, Freitag, 27. Dezember 1935, Heiliger Johannes Evangelist
Du Lieblingsjünger des Herrn, du reiner Jüngling voll Kraft der jungen Be­geisterung für den Meister, Du Donnersohn [Mk 3,17], Du Schützer der Gottesmutter, Du flammender Künder des Logos, Du brennender Mensch der ewigen Liebe Gottes – Du heiliger Apostel und Evangelist – Du bist das Bild meiner Sehnsucht! – Du bitt’ für mich am Throne Gottes, als flammen­der Seraph oder Cherub, daß ich einmal werde – langsam immer mehr – ein wahrer Theologe – ein gottentflammter Künder des Ewigen Drei­einigen Gottes.
Er ist meiner Jugend Sehnsucht: Er der Junge, der Liebende, der Weise.

Dienstag, 9. März 1937
Der Reiter in Bam­berg und der Priester: Tiefe Eindrücke zum priester­lichen Opfer […] – O Gott – wo soll das hin! Ist das Würde, menschliche und christ­liche Größe? Wohin?! – Adam, Eva, König [Kaiser Heinrich II.] und Kö­nigin [Kaiserin Kunigunde], Propheten und Seherin – gar tief spre­chen sie mir ins Herze. Und doch singe ich das heimliche Lied einer namen­losen Sehnsucht. – Eine Seele ist mir aufge­sprungen. – Töd­liches Ringen.

Montag, 22. Januar 1945
Karl Leisner aus dem Revier an Hermann Ri­charz auf Block 26:
Lieber Hermann!
Und in dieser großen Sehnsucht nach dem Victor-Werden wollen wir uns wei­ter gegenseitig stärken und segnen.