Zum 220. Geburtstag von Wilhelm Achtermann

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Theodor Wilhelm Achtermann (* 15.8.1799 in Münster, † 26.5.1884 in Rom, beigesetzt ebd. am 28.5.1884 auf dem Campo Santo Teutonico) – Bildhauer – Zu seinen Haupt­werken zählen eine für den St.-Paulus-Dom in Münster vom dortigen Domkapitel in Auftrag gegebene Pieta[1] (1849) und eine Kreuzabnahme (1853/1854). Die Inspiration zu diesen Werken bekam er in Rom, wo er ab 1839 leb­te. Die beiden Kunstwerke wurden im Zweiten Weltkrieg durch schwere Bombenangriffe bei der Zerstörung des Domes stark beschädigt. Aufgefundene Reste der Skulpturen befinden sich in der Domkammer des Sankt Paulus Domes. Eine Kopie der Pieta steht heute in der unteren Kapelle des Nordturmes. Anläßlich der Einweihung der Originalskulptur am 22. August 1850 verlieh die Stadt Münster Wilhelm Achtermann die Ehrenbürgerschaft. Außer den beiden Marmorskulpturen befand sich ab 1833 bis zur Zerstörung des Domes dort auch Wilhelm Achtermanns Meisterstück aus seiner Zeit als Student am Gewerbe-Institut in Berlin. Er hatte dort nach den Plänen von Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) einen Bischofsstuhl aus Mahagoniholz gefertigt und ihn dem damaligen Bischof Caspar Max Droste zu Vischering (1770-1846) geschenkt.
[1] von pietà (ital.) = Frömmigkeit, Mitleid – Die Pieta, auch Vesper­bild genannt, ist in der bildenden Kunst die Darstellung Marias mit dem Leichnam Jesu Christi. Die Bezeichnung Vesperbild stammt von der Vorstellung, daß Maria ihren toten Sohn am Karfreitag zur Vesperzeit (18.00 Uhr) auf den Schoß nahm.

Quelle des Fotos: gemeinfrei

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Freitag, 17. August 1928
Heute standen wir früh auf, da wir nach Münster wollten. Gegen 9.00 Uhr fuhren wir dorthin […]. Vom Bahnhof gingen wir zum Schloß […]. Dann be­sichtigten wir das Rathaus […]; hierauf den herrli­chen Dom, mit dem großen Christophorus, den zwei Mar­morgrup­pen [Pieta und Kreuzabnahme] von Achtermann, der wunderba­ren [astronomi­schen] Uhr, die wir schlagen hörten.

 

Obwohl Karl Leisner Wilhelm Achtermann namentlich nur ein einziges Mal in seinem Tagebuch erwähnt, ist er ihm, ohne sich dessen bewußt zu sein, verschiedentlich „begegnet“, wie zum Beispiel auf der Rügenfahrt während eines Besuches in Berlin.

Quelle des Fotos: Wikimedia Commons / Author: A. Savin / FAL (abgerufen 10.8.2019)

 

Berlin, Donnerstag, 22. August 1929, 20. Tag
Als wir nun das Zeughaus hinter uns hatten, gingen wir zum [Stadt-]Schloß und sahen es uns von außen an. – Vorher machten wir noch einen Abstecher zur katholischen Hedwigskir­che.

 

 

 

 

1837 realisierte Wilhelm Achtermann nach Entwürfen des Bildhauers Georg Franz Ebenhech (1710-1757) die Reliefszenen im Portikus der Hedwigskathedrale. Im Giebelrelief befindet sich eine 1897 durch Nicolaus Geiger (1849-1897) nach einem Modell von Wilhelm Achtermann vollendete Darstellung der Anbetung der Heiligen 3 Könige.

 

Während seines Studiums in Münster ist Karl Leisner auf dem Weg vom Collegium Borromaeum zum unter Leitung der Jesuiten stehenden ND-Heim auf der Königsstraße 36a oft am Geburtshaus von Wilhelm Achtermann an der Königsstraße 54 vorbeigekommen. Das Haus stand früher auf dem heutigen Picassoplatz gegenüber dem gleichnamigen Museum.

Münster, Donnerstag, 31. Mai 1934, Fronleichnam
Nachmittags Vesper um 15.00 Uhr im Dom mit wunderbarem mehrstim­migem Gesang des Dom­chors! […] Nachher […] zum ND-Heim. Ein feines Ding. P. Grau­vogel kennen­gelernt. Ein feiner Mann.[1]
[1] Pater Gustav Grauvogel SJ, von seiner Jugendgruppe Grauspatz genannt, (* 3.3.1883 in Forbach/Moselle/F, † 3.2.1957 in Bad Godesberg) – Eintritt in die Gesellschaft Jesu 30.9.1903 – Priesterweihe 2.5.1915 – Letzte Gelübde 2.2.1919 – Geistlicher Leiter der West­falen­mark (ND) – Minister der Jesuitenniederlassung in Münster, Königsstr. 36a, heute Königsstr. 35/36, 1925–1937

Münster, Mittwoch, 18. Juli 1934
Dann ging’s am ND-Heim vorbei zum Umspannwerk [an der Weseler Straße], wo in der Nähe Würstel­suppe auf Spiritusko­chern fabriziert wurde.

Münster, Sonntag, 15. Dezember 1935
Zu P. Grauvogel [Münster, Königsstraße 36a].

Auf dem Weg von und zum Bahnhof in Münster hat Karl Leisner vermutlich häufig die 1890 zu Ehren des Münsteraner Bildhauers benannte Achtermannstraße überquert. Sie verläuft zwischen der Engelenschanze und der Bahnhofstraße und quert parallel zu beiden die Windhorststraße.

Auch die Achtermann-Madonna (1862) in der St. Mauritz-Kirche[1] in Münster hat Karl Leisner mit Sicherheit wahrgenommen; denn er hat die Kirche mehrfach besucht. Die Marmorfigur befindet sich an der Ostwand des nördlichen Seitenschiffes. Ursprünglich war sie an gleicher Stelle Teil eines heute nicht mehr vorhandenen Seitenaltares.
[1]St. Mauritzkirche in MünsterGründung eines Kanonikerstiftes St. Mauritz um 1080 – Aufhebung 1811 – seitdem Pfarrkirche der eigenständigen Kirchengemeinde St. Mauritz – Pfarr­kirche der durch Fusion der Pfarrgemeinden St. Mauritz, Herz Jesu u. St. Elisabeth, Hl. Edith Stein u. St. Benedikt entstandenen neuen Kirchen­gemeinde „St. Mauritz“ 30.5.2013

Münster, Samstag, 25. Februar 1939
Die acht stillen Tage vor dem Subdiakonat.
3.45 Uhr raus, rasiert. – Mit „Papst“ [Alois Hegemann] 5.10 Uhr an [der St.-]Mau­ritz[-Kirche]. Los [zur Wallfahrt nach Telgte].

Münster, Samstag, 8. April 1939, Karsamstag
9.30 Uhr in St. Mauritz [als] Subdiakon [assistiert bei der Osterliturgie]. (C [Celebrans]: Kaplan [Joseph] Dahlmann, D [Diakon]: Norbert Stamm­schröer).

Samstag, 15. April 1939
Karl Leisner aus Münster (Priesterseminar) an Friedrich Falkenstein in Neuß:
Lieber Opa!
Am ersten Ostertag[, dem 8.4.1939] habe ich dann in St. Mauritz auswärts zum ersten Mal Dienst [als Subdiakon] getan. Das war auch sehr schön. – So spürt man allmählich, wozu man da ist, und das ist wertvoll.

Bei den Berichten über Karl Leisners Rom­fahrt (22.5. bis ca. 8.6.1936) mit seinen Kurskollegen Josef Köckemann und Max Terhorst gibt es zwar keinen Hinweis zu einem Besuch auf dem Campo Santo Teutonico[1] mit dem Grab von Wilhelm Achtermann, aber zumindest haben sie sich auf dem Weg zur Privataudienz bei Papst Pius XI. und beim Pfingstgottesdienst im Petersdom in unmittelbarer Nähe des Friedhofes befunden.
[1] Campo Santo – von campus sanctus (lat.) = heiliges Feld u. camposanto (ital.) = Friedhof
Campo Santo Teutonico – Name des an die Vatikanstadt angrenzenden u. nur von dort zugänglichen deutschen Friedhofes u. seiner zugehörigen Gebäude

Nach seinem Tod am 26. Mai 1884 in Rom wurde Wilhelm Achtermann dort am 28. Mai 1884 auf dem Campo Santo Teutonico auf eigenen Wunsch am Fuße des von ihm persönlich geschaffenen und für den Friedhof gestifteten Kreuzes (1857) beigesetzt.

Die heute nur noch schwer entzifferbare Grabinschrift
VOR DEM BILDNISS
SEINES GEKREUZIGTEN ERLÖSERS
AN DEN ER GEGLAUBT AUF DEN ER GEHÖRT
UND DEN SEINE KÜNSTLERHAND GESCHAFFEN HAT
RUHT HIER IN FRIEDEN
MEISTER TH. WILHELM ACHTERMANN
hat er selbst verfaßt.

Ausführliche Informationen zum Leben und Wirken des Künstlers Wilhelm Achtermann finden sich unter muenster.de – Vermessungs- und Katasteramt – Strassennamen.

Quelle der nicht ausgewiesenen Fotos: Gabriele Latzel und Karl Leisner-Archiv