Karl Leisners Domizile während seiner Außensemester in Freiburg

 

 

Drei Wohnungen und deren Bewohner waren für Karl und Maria Leisner während ihres Aufenthaltes in Freiburg von besonderer Bedeutung.

 

 

Karl Leisner aus Freiburg/Br. am Freitag, 3. April 1936, an Walter Vinnenberg in Münster:
Grüß Gott, lieber Walter!
Seit 31.3. hab’ ich also nun mein Wigwam hier im schönen Badener Ländle aufgeschlagen. Bin mit Jupp Köckemann[1] zusammen heruntergefah­ren per D[-Zug]. Und jetzt sind wir hier. Der nötige „Papierkrieg“ an der Uni ist ausgefochten, und so fahrten wir unruhigen Geister im Südschwarz­wald rum. Tolle Pläne schwirren in unsern Köpfen rum. Es spukt nach Schweiz und Rom (zu Pfingsten denk’ ich, nachdem Jupp zu Ostern das Geld gefehlt hat und meins auch nicht grade zu viel war). Anfang Mai kommt mein Schwe­sterlein Maria hierhin als Haustochter, und da freu’ ich mich doppelt.[2] Sonntags bekommt sie auch ab und zu ganz frei, das hab’ ich grad’ eben bei ihrer zukünftigen Hausfrau [Else Schaal, Schwarzwaldstr. 111 III] erspäht – und, „wenn i woisch, wohin’s gäht, dann gäht’s halt amaole auf’m andere Taog“ [wenn ich weiß, wohin es geht, dann geht es auch einmal an einem anderen Tag], meinte sie.

Meine Bude [bei Familie Köbele] auf der Hansjakobstraße 43 liegt fein: Prächtige Sicht auf den Bergwald [? Schloßberg]. Davor blühende Gärten. Es blüht und grünt in allen Schattierungen – rosa, rot-weiß, weiß. In solcher Gegend läßt sich’s schon aushalten.
[1] Josef (Jupp) Köckemann (* 20.4.1915 in Königssteele, † 18.11.2006) – Abitur am Gymnasium Paulinum in Münster – Eintritt ins Colle­gium Borro­maeum in Münster 1934 – Kursgenosse von Karl Leisner – Außen­semester in Freiburg/Br. 1936/1937 – Priesterweihe 23.9.1939 in Mün­ster – anschließend Zeremoniar im Dom in Münster – Pfarrdechant in Werne 1962–1990 – Er wuchs in Münster auf und war dort Stadtjung­scharführer. Am Gymnasium Paulinum hatte er in der O I Religionsunterricht bei Walter Vinnenberg.
[2] Karl Leisner hatte seiner Schwester Maria die Stelle besorgt.
Maria Leisner beschrieb die Situation später wie folgt:
Während der Freisemester Karls in Freiburg wollte ich auch einmal ein Jahr meine Arbeit in einem fremden Haushalt tun. Ich konnte einer fast erblindeten Frau [Else Schaal] gut helfen.

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Freiburg/Br., Hansjakobstr. 43

In diesem Haus lebte Familie Köbele, bei der sowohl Karl Leisner als auch Fritz Häfner als Theologiestudenten in den Außensemestern wohnten.

 

Anfang 1936 hatte Karl Leisner sich um ein Studentenzimmer in Freiburg/Br. für das Sommersemester 1936 bemüht. Er bekam ein Zimmer mit Frühstück bei Familie Köbele, Hansjakob­straße 43, für 25,00 Reichsmark. Als er wegen einer Erkrankung nicht pünktlich zum Wintersemester 1936/1937 nach Freiburg zurückkehren konnte, zeigte Frau Luise Köbele großes Verständnis für ihn.

Luise Köbele aus Freiburg/Br., Hansjakob­straße 43 am 11. November 1936 an Karl Leisner in Kleve:
Lieber Herr Leisner,
vielen Dank für Ihre Zeilen.
Ja, der Herrgott macht oft einen Strich durch unsere Rechnung. [Meine Tochter] Elisa­beth musste auch 4 Wochen zu Hause bleiben und feiern, da sie auf der Lunge eine stark entzündete Stelle hatte mit hohem Fieber. Wie geht es Ihnen jetzt, hoffentlich wieder einigermaßen gut. Das Zimmer habe ich für Sie schon längst gerichtet. Die Neulinge kamen scheints alle schon Mitte Oktober, denn es waren mehrere da und wollten ein Zimmer. Da ich aber Jhnen und Fräulein Meier versprochen hatte, so mußten sie wieder abzie­hen.
Herr [Fritz] Häfner ist Samstag eingetroffen.
Wir wünschen Jhnen recht baldige Genesung mit den besten Grüßen Jhren werten Eltern und Jhnen Frau Köbele[1]
[1] Abschrift des abgefangenen Briefes durch die Gestapo

Karl Leisner schrieb in sein Tagebuch:

Dienstag, den 1. Christmond [Dezember] 1936
Gestern großes Glück gehabt. Mit dem Freitisch klappt’s sehr gut. An Buden­geld [bei Frau Luise Köbele] brauch’ ich für Novem­ber nur zwei Drittel (12,00 Reichsmark) zu bezahlen.

Vom 31. März 1936 bis zum 6. Januar 1937 wohnte Karl Leisner zusammen mit seinem Kurskollegen Fritz Häfner bei Familie Köbele, Hansja­kobstraße 43. Anschließend zog er zu Familie Ruby, Neumattenstr. 18.

Siehe  auch  Aktuelles vom 12. April 2013
und  Aktuelles vom 9. April 2013.

Karl Leisner aus Freiburg/Br. am 5. Fe­bruar 1937 an Walter Vinnenberg in Coesfeld:
Nachher ging’s dann [von Familie Ruby aus, wo ich den Heiligen Abend verbrachte,] in die Mitter­nachtsmesse in St. Carolus, wo das erste heilige Opfer im Umbau gefeiert wurde (eine Kapelle eines Cari­taskindergartens hier in der Waldseesiedlung). Auch meine Schwester Maria war da, und nachher sind wir zwei auf meine Bude (Hansjakob­straße [43]) gestiegen, wo „s’ Christkindle“ aus den Paketen von daheim und sonst noch einen feinen Gabentisch hergerichtet hatte. Ein „Krippchen“ hatten wir auch (in Form einer ausgesägten Holz-Silhouette „Maria mit Kind“). Davor war ein Zweig und sieben Kerzen (für jeden der Familie eins) brannten drauf. Eine kleine Feier. Lesung, Lieder zur Klampfe. Dann erzählten wir uns von daheim. Und dann ging’s ans Bestaunen all der fei­nen Sachen, die Christkind uns ge­schenkt hatte. Maria entsiegelte meine Pakete. Ich hatte nur ihre Sachen ausgepackt und aufgebaut. Wir haben uns gefreut wie die Kinder und hatten gar kein Heimweh.

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Freiburg/Br., Schwarzwaldstr. 111 III

 

In diesem Haus wohnte sowohl Familie Dr. med. Hans Schaal, bei der Maria Leisner als Haustochter arbeitete, als auch die Familie des Glasmalers Wilhelm Hermann Steiert, mit deren Tochter Hilde sich Maria und Karl Leisner sowie die ganze Familie Wilhelm Leisner anfreundeten.

 

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Freiburg/Br,. Neumattenstr. 18

 

 

 

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In diesem Haus lebte Familie Dr. Joseph Ruby mit ihren 12 Kindern. Sie nannten ihre Bleibe „Haus Kinderglück“. Dort wohnte Karl Leisner von 6. Januar bis 14. Februar 1937 und verliebte sich in die älteste Tochter Elisabeth.

 

 

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v. l. Elisabeth Ruby, Franziska Leisner und Hilde Steiert am 7. September 1976 in Freiburg

Die miteinander bekannten Familien Leisner, Ruby und Steiert hielten lange Jahre untereinander Kontakt.

Hilde Steiert im Seligsprechungsprozeß:
Nach Weihnachten 1939 habe ich zufällig eines Morgens, als ich zur Arbeit fuhr, in der Straßenbahn Frau [Elisabeth] Ruby und Frau [Amalia] Leisner, die Mutter des DG [Diener Gottes Karl Leisner], und seine Tante [Maria Leis­ner] getroffen, die, wie ich später dann erfahren habe, auf dem Weg in das Gefängnis gewesen sind [, um Karl Leisner dort nach seiner Inhaftierung auf Grund seiner Äußerung zum Attentat auf Adolf Hitler vom 8. November 1938 zu besuchen].

Elisabeth Haas aus Kleve am 4. September 2008 an Hans-Karl Seeger:
Wir wohnten [im August 1941 in Freiburg/Br.] bei Familie [Wilhelm] Steiert, Schwarz­waldstraße [111 III]. Von dort besuchten wir auch Familie [Joseph] Ruby. So lernten wir auch den Dom [das Münster], die Stadt und ein wenig den Schwarzwald kennen, und die Maria Hilf-Kirche, Pfarre von Steierts. Beeindruckend war, daß Hilde Steierts Eltern taub­stumm waren. Die Kinder konnten sich mit ihnen verständigen. In der Küche war an der Wand eine Kordel mit Kugel angebracht, die hinunter­fiel, wenn es an der Haustür schellte.

Sammelbrief von Willi Leisner aus Berlin am 31. Januar 1945 an Karl Leis­ner im KZ Dachau[1]:
Karl Ruby gab mir einen Bericht seiner Leutchen. Sie wohnen noch im Haus Kinderglück [in Freiburg/Br., Neumattenstr. 18] und hatten nur Glasschaden [durch den Bombenangriff]. Karl gratu­liert Dir herzlichst zur Priesterweihe. Hilde Steiert, deren Mut­ter [Wilhel­mine] starb, berichtet, daß Peter Ruby im Osten vermißt ist. So lichtet sich die Schar der lieben Ruby-Buben. […] Gott befohlen und herzlichen Gruß von allen Dein Willi
[1] Der Briefbogen trägt den Stempel der Postzensurstelle KL Dachau.