Karl Leisners Lehrer

Karl Leisner erlebte am Gymnasium in Kleve einen Direktor, nach dem später in Kempen eine Straße benannt wurde, und einen Klassenlehrer, der in SA-Uniform zum Unterricht kam.

 

 

 

Bast

Dr. Josef Bast, genannt Zeus, (*15.4.1885 in Ruwer/Kreis Trier, † 18.10.1972 in Rhön­dorf) – Kleve, Hohen­zollern­str. 4 – Studiendirektor – Lei­ter des Gymnasiums in Kleve 1925–1930 – Umzug nach Kempen 12.5.1930 – Schul­leiter am dortigen Gymnasium Thomaeum 1930–1951 – Laut Hermann Ringsdorff war seine stete Rede: „Ordnung und Fleiß, das sind die Flügel, die führen über Berg und Hügel“. Ehemalige Schüler des Thomaeum berichten, er habe im Geschichtsunterricht ihm als nazistische Fälschungen erscheinende Passagen aus den Lehrbüchern überschlagen und diese den Schülern auch als solche zu erkennen gegeben.

Der Nachfolger von Dr. Josef Bast in Kleve, Prof. Dr. Karl Hofacker, wurde von den Nationalsozialisten von der Schule entfernt.

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3. v. l. Dr. Karl Hofacker

Prof. Dr. Karl Hofacker, genannt Zeus, (* 6.10.1877 in Straelen, † 20.7.1959 ebd.) – Heirat 24.8.1910 – Oberstudiendirektor u. Leiter des Gymnasiums in Kleve 1930–1934 – Lehrer für alte Sprachen u. Geschichte – In den vorzeitigen Ruhestand versetzt Ende März 1934 – Obwohl er zu Karl Leis­ners Abitur als Direktor be­reits abgesetzt war, bat ihn die gesamte Klasse zu einem Abiturfoto.

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Dr. Wilhelm Verleger, genannt de Geit (Ziege) wegen seines schmalen Gesichtes, mit dem er eine Ziege zwischen die Hörner küssen konnte; zudem trug er einen Kinnbart, (* ?, evangelisch getauft, † ?) – Tod seiner Frau 1933 – Lehrer am Gymnasium in Kleve mit den Fä­chern Deutsch u. Erdkunde – Unterricht in Karl Leisners Klasse ab 1929 – Klassen­lehrer ebd. 1930 – 1927 wohnhaft in Kleve, Brabanterstr. 11 – 1936 Nassauer Allee 23 – Die Schüler nannten seine Wohnung „Geitenhof“.

 

 

Stadt Kempen:
Dr.-Bast-Straße
Couragierter Leiter des Gymnasiums Thomaeum während der NS-Zeit
Der Name der Dr.-Bast-Straße geht zurück auf eine Initiative Kempener Schüler, die sich im Rahmen des Geschichtsunterrichtes 1996 u. a. mit dem deutschen Widerstand gegen das NS-Regime befaßt hatten. In diesem Zusammenhang waren sie auf den früheren Leiter ihrer Schule, Dr. Josef Bast, gestoßen, mit dessen Person sich schließlich eine „Arbeitsgruppe Dr. Josef Bast“ eingehender beschäftigte. Ein Resultat aus dieser Arbeit war der Antrag an den Rat der Stadt Kempen, wenn möglich eine Straße in Kempen nach diesem couragierten Mann zu benennen.
Dr. Josef Bast war von 1930 bis 1951 Leiter des Kempener Gymnasiums Thomaeum. Ehemalige Schüler, die in den Kriegsjahren ihr Abitur am Thomaeum gemacht hatten, berichteten den Schülern der Arbeitsgruppe bei einem Treffen, dass sich Dr. Bast „auf mutige und geschickte Art dem Terror der Nazis entgegengestellt“ hatte. Die Anwendung ihm unsinnig oder unmenschlich erscheinender Vorschriften unterlief der Schulleiter, gegenüber Andersdenkenden verhielt er sich tolerant. Im Geschichtsunterricht überschlug er Passagen aus den Lehrbüchern, welche er als nazistische Fälschungen betrachtete und ließ dies vor den Schülern auch so erkennen. Ehemalige Lehrer bestätigten, dass Dr. Bast Kollegen mit nazistischer Gesinnung seine Geringschätzung spüren ließ und sie nicht förderte. Auch ist belegt, dass er einen Schüler mit jüdischem Elternteil durch gezieltes Verstecken seiner Identität der Verfolgung entzog.
„Wir wissen, dass man Dr. Bast nicht als aufopferungsvollen und heldenhaften Widerständler darstellen kann und sollte“, heißt es im Antragsschreiben der Thomaeumsschüler weiter. „Dies wäre eine Erniedrigung derer, die ihr Engagement mit der Aufgabe ihrer Karriere, ihrer Freiheit und auch ihrem Leben bezahlen mussten.“ Gleichwohl verdiene es Dr. Bast, als Mensch, der an seinem Platz in der Gesellschaft gewirkt habe, hervorgehoben zu werden.
In dieses Bild fügt sich die Tatsache, dass die Alliierten Dr. Bast als einzigen Schulleiter im damaligen Rheinland nicht vorübergehend oder endgültig aus dem Dienst entfernten. Von der englischen Besatzungsmacht wurde Dr. Bast, der zusammen mit zwei weiteren Lehrern des Thomaeums zu den Gründungsmitgliedern der CDU in Kempen gehörte, als Kandidat für erste demokratische Wahlen eines Kreisparlaments ernannt und stand somit in erster Reihe, als es darum ging, nach dem Krieg und der nationalsozialistischen Zeit wieder ein freiheitliches System zu etablieren (URL http://www.kempen.de/C125757C00438AF1/html/46190F071B9DE9E5C12576400034656C?Opendocument – 18.6.2014).

RP Online vom 11. Juni 2013 berichtete unter dem Titel „An Opfer erinnern – zum Frieden mahnen“ u. a.:
Karl-Josef Bast war 18, als er starb. Er war der Sohn des Oberstudiendirektors Dr. Josef Bast, Leiter des Kempener Gymnasiums Thomaeum von 1930 bis 1951. Wegen seiner Widersetzlichkeit gegen das NS-Regime hat man 1996 nach ihm die Dr.-Bast-Straße am Peschweg benannt. Am 12. Dezember 1926 geboren, hatte Dr. Basts Sohn Karl-Josef sich nach seiner Dienstzeit als Luftwaffenhelfer und beim Reichsarbeitsdienst im August 1944 zur Marine gemeldet. Im Februar 1945, als die alliierten Armeen schon weit im Reichsgebiet standen, wurde er wie viele andere Luftwaffen- und Marinemänner zur Waffen-SS überstellt. Im März oder April 1945 ist Karl-Josef Bast bei den Kämpfen in Ungarn ums Leben gekommen. Das war bisher unbekannt in Kempen (URL http://www.rp-online.de/nrw/staedte/kempen/an-opfer-erinnern-zum-frieden-mahnen-aid-1.3457636 – 18.6.2014).

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Dr. Hans Kaiser berichtet in seinem Buch „Kempen unterm Hakenkreuz. Eine niederrheinische Kreisstadt im Nationalsozialismus.“ Band 1 in: Schriftenreihe des Kreises Viersen, Band 49, auch über Dr. Josef Bast.

 

 

 

Die Kreis Viersener Pressestelle berichtete am 16. Dezember 2013:
Im Kaiser-Werk werden Persönlichkeiten wie der Lehrer und Heimatdichter Wilhelm Grobben, der Pädagoge und Thomaeum-Leiter Dr. Josef Bastund der Publizist Karl Wilhelm Engelsnicht durch die Täter-Opfer-Brille betrachtet und eingestuft, sondern als Handelnde in einer problematischen Zeit unter schwierigsten Vorzeichen. Der Autor bricht nicht den Stab über diese Menschen, sondern forscht nach Beweggründen, die ihr Handeln erklärbar machen. Kaiser ordnet das Tun der im Buch dargestellten Schicksale in die Diktatur politischer Zwänge unter dem Hakenkreuz ein, die auch Kempen zwölf Jahre im eisernen Klammergriff hielt. Dazu kommt die Verführung durch scheinbare soziale Errungenschaften wie „Kraft durch Freude“ und das Winterhilfswerk. Der Verfasser beschreibt aus zeitlicher Distanz, aber nicht distanziert. Sein Buch ist ein flammendes Plädoyer für Verstehen wollen, mit ruhiger Hand geschrieben und ohne Attitüde von vordergründiger Betroffenheit oder Rechtfertigung.

LehrerLehrerkollegium des Gymnasiums in Kleve 1930

obere Reihe:
Müller, Vinnenberg, Härug, Bastian, Spov, Kirchner, Käppler, Niegel, Litt, Kamphoff, Lung, Rehm, Schwarz, Kipp, Bökkes, Vermey

untere Reihe: Schönzeler, Schuhmacher, Gröte, Bast, Peters, Verleger, Gräber

Über den weiteren Werdegang von Prof. Dr. Karl Hofacker und Dr. Wilhelm Verleger nach der Zeit des Nationalsozialismus ist dem IKLK nichts bekannt.

Quelle der Fotos: Karl Leisner-Archiv