Karl Leisners Wallfahrt zur Gottesmutter nach Todtmoos

2014_08_15_Kirche Todmoos

2014_08_15_KircheAltar

Wallfahrtskirche und Hochaltar

Fotos Katholisches Pfarramt Todtmoos

Todtmoos ist eine bedeutende Marienwallfahrtstätte im südwest­deutschen Raum und darüber hinaus Ziel von Pilgern aus dem Elsaß und der Nordschweiz. Seit mehr als 700 Jahren pilgern Menschen aus nah und fern zum Gnadenbild und rufen mit ihren Anliegen „Unsere Liebe Frau von Todtmoos“ an. Alte Pilgerbücher geben Zeugnis von zahlreichen Wundern.

Todtmoos ist eine Gemeinde im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg. Der Ursprung des Ortes im Wehra­tal liegt in der 1625–1632 errich­teten Wallfahrts­kirche St. Mariä Him­mel­fahrt in Nach­folge einer ersten durch den Priester Dietrich von Rickenbach 1255 er­bauten Kapelle. Seit dem 15. Jh. ist er ein Wallfahrtsort.

Karl Leisner war 1939 zur Ausheilung seiner Tuberkulose im Lungensanatorium Fürstabt-Gerbert-Haus in St. Blasien[1]. Am 15. August, dem Fest Mariä Himmelfahrt, machte er mit seinem Mitpatienten Alexander Stein eine Wallfahrt nach Todtmoos. Danach trat eine Besserung ein.

[1] Fürstabt-Gerbert-Haus in St. Blasien

Eröffnung als Lungensanatorium 6.12.1930 – Namensgebung nach Fürstabt Martin II. Ger­bert (* 11.8.1720 in Horb, † 13.5.1793 in St. Bla­sien) – In Erinnerung an den ab 1764 dort täti­gen Abt führte die Stadt Fürstabt-Ger­bert-Tage ein und setzte ihm 1982 im Kur­garten ein Denk­mal.
Auszug aus dem Hausprospekt des Fürstabt-Gerbert-Hauses aus den 1930er Jahren:
Heilanstalt für Lungenkranke
Über der Talsohle des Kurortes gelegen, 826 m über dem Meeresspiegel, eine der mo­dernsten und schön­sten Anstalten Süddeutschlands. Ärztliche Leitung: Dr. med. E. Melzer, Facharzt für Lungenkranke.
Im Fürstabt-Gerbert-Haus war Karl Leisner zur Aus­heilung seiner Tbc-Erkrankung vom 5.6.1939 bis zu seiner Verhaftung am 9.11.1939, zuerst im Waldsanatorium, auch Wald­haus oder Gartenhaus genannt (10 Betten), dann in Zimmer 201, das vermutlich im 2. Stock an die linke Außenwand grenzte. Damals befand sich bereits ein Lazarett im Lun­gen­sanato­rium. Von 1945–1950 stand das Haus unter französischer Besatzung. Heute heißt es Feld­berg-Klinik.

Karl Leisner aus Dachau am 15. August 1943, Mariä Himmelfahrt, an seine Angehörigen:
Vor vier Jahren wallfahrtete ich heute mit Kaplan Stein von St. Blasien nach Todtmoos. Die Wallfahrt zur Muttergottes der Heimat [in Kevelaer] wird dieses Jahr wohl nicht sein. Oder doch?

Karl Leisner aus Dachau am 22. August 1941 an seine Familie in Kleve:
Am 15.8. vor zwei Jahren wallfahrtete ich mit Kaplan Stein von St. Blasien nach Todt­moos zur lieben Muttergottes. 10 Tage später waren wir beide [in bezug auf die Lungentuberkulose] nega­tiv. Auch ein Jubi­läum. Das Herz ist über­voll.

Karl Leisner aus St. Blasien am 14. September 1939 an Walter Vinnenberg in Emmerich am Rhein:
Von hier kann ich gute Nachricht bringen. Bin seit drei Wochen „negativ“. – Das ist der erste entscheidende Erfolg, den ich nun bis Ende Oktober zu er­halten und vertiefen hoffe.

Wallfahrtskirche und Pfarrhaus beherrschen als bedeutendste Bauwerke das Todtmooser Ortsbild. Über den Anstieg zur Kirche, vorbei an den historischen Devotionalienständen, gelangt man durch das sog. „Vorzeichen“ in den Innenraum des Gotteshauses. Der Blick fällt sofort auf das Gnadenbild über dem Hochaltar. Die Gestaltung des Deckengewölbes mit seinem filigranen Stuck, die Altäre und Kanzel sowie die Decken- und Wandgemälde entstanden hauptsächlich in der Barockisierungsphase von 1770–1778. Eine weitere bedeutende Veränderung erfuhr die Kirche bei der Erweiterung 1927 mit Anbau der Seitenschiffe und des Glockenturms. Alt und neu wurden harmonisch miteinander verbunden; die Originalmotive der Fassadenmalerei aus der Renaissancezeit unterstreichen den einheitlichen Charakter des Gesamtbauwerks. Die an Bau und Innenausstattung beteiligten Künstler und Bauleute waren weithin geschätzte Fachleute, die an vielen Sakral- und Profanbauten der näheren und weiteren Umgebung mitwirkten.
Eigens für das Gnadenbild konzipiert ist der Aufbau des Hochaltars. Auf prächtigem Thronus, den Vorhang des Baldachins zurückgeschlagen, erscheint die gekrönte Darstellung der in Schmerz versunkenen Pietà. Von dieser Holzplastik, vermutlich aus der Zeit um 1390, sind nur die Häupter Mariens und ihres dornenbekrönten Sohnes zu sehen. Die Skulptur selbst ist mit nach den Farben des Kirchenjahres wechselndem Mantel und Schleiertuch bekleidet, um Schäden durch einen nicht mehr bekannten Brand zu überdecken. Die kostbaren und aufwendig gearbeiteten Ornate sind Ausdruck besonderer Anliegen und Danksagungen ihrer Spender.

 

1255 Hölzerne Kapelle der Gründungslegende
1268 Erster Kirchenbau unter Graf Rudolf von Habsburg (1273 in Aachen zum deutschen König gekrönt). Einrichtung einer Pfarrstelle.
1300 Zweiter Kirchenbau (einfacher Rechteckbau (4,5 x 9 m) mit einem Hauptaltar.
1391 Anbau eines Chorraums mit Sakristei. Wegen Baufälligkeit
1625 / 32 Neubau einer größeren Kirche auf kreuzförmigem Grundriss mit Dachreiterturm und kup­pelbedachtem „Vorzeichen“. Reich dekoriertes Äußeres mit Fassadenmalereien. Farbenfrohe und prunkvolle Ausstattung mit figurenreichen Altären. Heute davon nur noch erhalten das Eingangsportal und die Altargitter zu den Seitenkapellen.
1733 Bau des heutigen Pfarrhauses (Superioratsgebäude). Bis 1764 künstlerische Ausgestaltung des Inneren.
1770 / 78 Komplette Neugestaltung des Kircheninnenraumes: Einzug eines Gipsgewölbes. Stuckierung der Decken- und Wandflächen. Neue Altäre, Türen, Kanzel, Beichtstühle, Gestühl, Taufbecken, Decken- und Wandgemälde.
1927 Umbau und Erweiterung der Kirche. Anbau der zwei Seitenschiffe und des Kirchturms. Erhöhung des Dachs um 6m und Verlängerung des Kirchenraums nach hinten. Fassadenmalereien der Renaissancezeit nach den Originalmotiven von 1627.

URL http://www.se-todtmoos-bernau.de/todtmoos/wallfahrtskirche/