Kevelaer: Karl Leisner im Kreuzweg der St. Antonius-Kirche

Kevelaer St. AntoniuskleinKevelaer St. Antonius Kreuzweg 1Die St. Antonius-Kirche[1] in Kevelaer[2] fiel 1982 einem Brand zum Opfer und wurde schwer beschädigt. Im Rahmen des Wiederaufbaues der Kirche wurde der Künstler Bert Gerresheim[3] beauftragt, alle Bronzearbeiten auszuführen. Dazu zählt auch ein Kreuzweg, den der Künstler unter dem Gedanken des „Aggiornamento“, des „Heutigwerden“ geschaffen hat. Bei der fünften Station ersetzte er Simon von Cyrene durch den Seligen Karl Leisner.

[1] Kleine, um 1450 erbaute gotische Dorfkirche – 1472 Entstehung der Pfarrei Kevelaer durch die Abpfarrung der Gemeinde Weeze – Neubau nach Errichtung der Marienbasilika 1904 – Wiederaufbau einer neugotischen Kirche nach weitgehender Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, 1952 Wiedereinweihung – 1982 brannte die Kirche bis auf die Grundmauern ab. 1987 Einweihung eines modernen Kirchengebäudes – Seit 2014 besteht die St. Antonius-Pfarrei aus fünf Gemeinden. Die Antonius-Kirche liegt am Jakobsweg.
[2] Gründung des Ortes im 6. Jhdt.; erstmalige urkundliche Erwähnung am 10.5.1300; seit 1642 Marienwallfahrtsort, an dem Maria als Consolatrix afflictorum – Trösterin der Betrübten verehrt wird.
[3] Bert Gerresheim (* 8.10.1935 in Düsseldorf) – Düsseldorf – Bildhauer – Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf 19561960 – Studium der Kunstgeschichte, Archäologie u. Germanistik an der Universität in Köln 19601963 – Staatsexamen für das Lehramt an Höheren Schulen 1963 – Deutsch- und Kunstlehrer am Lessing-Gymnasium in Düsseldorf bis 1990

Auch bei den weiteren Stationen hat der Künstler als Begleitfiguren u. a. Personen aus dem 20. Jahrhundert gewählt, wie Mutter Teresa, Edith Stein, Maximilian Kolbe, Clemens August Kardinal von Galen und Papst Johannes Paul II, der im Jahr der Wiedereinweihung der St. Antonius-Kirche Kevelaer besucht hatte.

Die 5. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

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Die Gestalt Jesu wirkt erschöpft, mit hängenden Armen, den Blick nach unten gerichtet, beinahe teilnahmslos. Karl Leisner, in Häftlingskleidung, stützt mit seinem rechten Arm den Balken, in den seine Häftlingsnummer 22356 aus dem KZ Dachau eingraviert wurde. Über dem Balken ist Stacheldraht als Symbol für die Gefangenschaft zu sehen. Den linken Arm hat Karl Leisner als Gegengewicht in die Hüfte gestemmt. Sein Gesicht ist ernst und gezeichnet, und doch wirkt er trotz der langen KZ-Haft nicht gebrochen, er trägt sein Kreuz, folgt Jesus bewusst nach. Gegürtet ist Karl Leisner mit einem Zingulum[1], das an seiner linken Seite herunterhängt, und auf dem Boden liegt ein Birett[2], Attribute, die auf das einmalige Geschehen in einem KZ, seine heimliche Priesterweihe am 17. Dezember 1944 und seine Primiz am 26. Dezember 1944, seiner ersten und einzigen heiligen Messe, die er in seinem Leben feierte, hinweisen.

[1] Zingulum von cingulum (lat.) = Gürtel: Gürtel zum Schürzen der Albe
2013_11_13_ZingulumElisabeth Ruby schenkte Karl Leisner zum Namenstag ein selbstgewebtes Zingulum. Das Zingulum sollte zum 4. November 1939, dem Fest des hl. Karl Borromaeus, in St. Blasien ankommen, wo sich Karl Leisner zur Ausheilung seiner Krankheit im Lungensanatorium Fürstabt-Gerbert-Haus befand. Auf Grund seiner Verhaftung am 9. November erhielt er das Päckchen erst im Gefängnis von Freiburg.
siehe Link

[2] Birett von birrus (lat.) Mantelkragen, kurzer Mantel mit Kapuze Þ barettum (mlat.)
Birettviereckige Kopfbedeckung katholischer Geistlicher – Be­standteil der kle­ri­ka­len Amts­tracht in der entsprechenden Farbe des Amtes

 

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Der Kreuzweg besteht aus 14 Stationen. Bert Gerresheim fertigte für jede Station eine Bronzetafel, die auf der rechten Seite des Kirchenschiffes angebracht wurden. Bisher hat der Künstler Karl Leisner sieben Mal als Simon von Cyrene dargestellt: Als Zeichnung in der Kirche der Katholischen Hochschulgemeinde in Düsseldorf und aus Bronze im St.-Paulus-Dom in Münster. Bronzetafeln sind in den Kirchen St. Joseph in Duisburg-Hamborn, St. Marien (bis Dezember 2015 in St. Johannes) in Mönchengladbach-Rheydt, St. Martini in Wesel und seit 2013 in der Deutschen Kapelle in Krakau-Lagiewniki.[1]

[1] Die Beiträge zu diesen Kreuzwegen sind bzw. werden nach und nach auf der Homepage des IKLK unter Erinnerungsstätten abgelegt.

Kevelaer St. Antoniuskirche 2aKevelaer St. Antoniuskirche 2

Bert Gerresheim ehrte Karl Leisner in einem weiteren Werk in der St. Antonius-Kirche. In das neue Bronzekruzifix gravierte er neben anderen Namen von Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts den Namen Karl Leisners ein.

Siehe Link zum Portal der Versöhnung

Mit der Stadt Kevelaer wird Karl Leisner besonders die Marienwallfahrt verbunden haben, aber auch Jungscharführer, Kurskollegen und Priester, die aus Kevelaer kamen. Siehe hierzu den bereits veröffentlichten Beitrag zum Portal der Versöhnung an der Marienbasilika.

Die weiteren Beiträge zu den verschiedenen Erinnerungsstätten Karl Leisners in Kevelaer sind auf der Homepage des IKLK unter den nachstehenden Links veröffentlicht.

Link 1

Link 2

Link 3

Link 4

Text und Fotos Christa Bockholt und IKLK-Archiv