Łagiewniki in Polen: Karl Leisner in der Heilig-Kreuz-Kapelle

Simeon_LeisnerIn der Heilig-Kreuz-Kapelle in Łagiewniki ist ein Kreuzweg von dem Künstler Bert Gerresheim[1]. Bei der fünften Station hat er Simon von Cyrene in der Gestalt des Seligen Karl Leisner dargestellt.

[1] Bert Gerresheim (* 8.10.1935 in Düsseldorf) – Düsseldorf – Bildhauer – Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf 19561960 – Studium der Kunstgeschichte, Archäologie u. Germanistik an der Universität in Köln 19601963 – Staatsexamen für das Lehramt an Hö­heren Schulen 1963 – Deutsch- und Kunstlehrer am Lessing-Gymnasium in Düsseldorf bis 1990, zuletzt als Studiendirektor – Er widmet sich ganz seiner Arbeit als Bild­hauer. Unter zahlreichen weiteren Auszeichnungen erhielt er 1978 den Kunstpreis „Zeitge­nössi­sches Menschenbild“ des Unesco-Komitees. Auf vielen seiner Kunstwerke hat er u. a. auch Karl Leis­ner dargestellt.

KircheKapelleDie Heilig-Kreuz-Kapelle in Łagiewniki befindet sich neben vier anderen Kapellen unterhalb der Basilika der Barmherzigkeit Gottes[1]. Da sich Gläubige aus Deutschland an der Ausstattung beteiligten, wird sie auch „Die Deutsche Kapelle“ genannt. Joachim Kardinal Meisner weihte die Kapelle 2011 ein.

[1] Die Basilika der Barmherzigkeit Gottes wurde 2002 von Papst Johannes Paul II. bei seinem zweiten Besuch in Łagiewniki eingeweiht, nachdem die 1891 erbaute St. Josef-Kapelle der Schwestern der Muttergottes von der Barmherzigkeit die zahlreichen Pilger nicht mehr fassen konnte. Die Basilika kann 5000 Gläubige aufnehmen. Jährlich besuchen bis zu 2 Millionen Pilger dieses Zentrum, um die Barmherzigkeit Gottes im Gnadenbild des barmherzigen Jesus von Adolf Hyła (1897–1965) nach den Beschreibungen der Heiligen Faustina (1905–1938) zu verehren. Reliquien der Heiligen Faustina befinden sich in der zentralen Kapelle unter der Basilika.

Neben einem großen Kreuz mit einer Dornenkrone im Chorraum und einer linksseitigen Bronzefigur der Heiligen Edith Stein befinden sich an den Seitenwänden die Kreuzwegstationen. Bert Gerresheim hat die Bronzefigur und die 15 Bronzereliefs gestaltet, die das Leiden und die Auferstehung Jesu darstellen. Dabei wählte der Künstler als Begleitfiguren auch Personen aus der aktuellen Geschichte. Dazu gehören Mutter Teresa, Schwester Faustina, Papst Johannes Paul II., Edith Stein und der Heilige Maximilian Kolbe; im Blick auf das Konzentrationslager Auschwitz in Polen sind Richter und Schergen als Aufseher dargestellt. Die Personen sollen den Bezug zur Gegenwart darstellen, zu unserem Hier und Jetzt, und unsere Fragen zum Leben und Sterben Jesu, zu seiner Auferstehung, ins heutige Licht rücken.

LeisnerDie 5. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
Die Gestalt Jesu wirkt erschöpft, mit hängenden Armen, den Blick nach unten gerichtet, beinahe teilnahmslos. Karl Leisner, in Häftlingskleidung und kahlgeschoren, stützt mit seinem rechten Arm den Balken, den linken Arm hat er als Gegengewicht in die Hüfte gestemmt. Sein Gesicht ist ernst und gezeichnet und doch wirkt Karl Leisner trotz der langen KZ-Haft nicht gebrochen, er trägt sein Kreuz, folgt Jesus bewusst nach. Gegürtet ist er mit einem Zingulum[1], das an seiner linken Seite herunter hängt, und auf dem Boden liegt ein Birett[2], Attribute, die auf das einmalige Geschehen in einem KZ, seine heimliche Priesterweihe am 17. Dezember 1944 und seine Primiz am 26. Dezember 1944, seiner ersten und einzigen heiligen Messe, die er in seinem Leben feierte, hinweisen.

[1] Zingulum von cingulum (lat.) = Gürtel: Gürtel zum Schürzen der Albe
Elisabeth Ruby schenkte Karl Leisner zum Namenstag ein selbstgewebtes Zingulum. Das Zingulum sollte zum 4. November 1939, dem Fest des hl. Karl Borromaeus, in St. Blasien ankommen, wo sich Karl Leisner zur Ausheilung seiner Krankheit im Lungensanatorium Fürstabt-Gerbert-Haus befand. Auf Grund seiner Verhaftung am 9. November erhielt er das Päckchen erst im Gefängnis von Freiburg.
Mangels eines Tagebuchs schrieb er in sein Missale:
Freiburg/Br., Donnerstag, 23. November 1939
Clemens, Namenstag unseres Bischofs [Cle­mens August Graf von Galen]. Ore­mus!
Wieder ein Prachtwetter. Paket von Für­stabt[-Gerbert-Haus] da![1] Hier zum ersten Mal wie­der selbst rasiert! – Nach dem Mittag bringt mir ein al­ler­liebstes Rotkehl­chen ein Ständ­chen. Elisa­beth [Ruby] schickte mir ein Zingu­lum zum Na­menstag. Es kam mit aus St. Blasien. So­viel Freude!

sieh Link zu Aktuelles vom 4. November 2013

[2] Birett von birrus (lat.) Mantelkragen, kurzer Mantel mit Kapuze Þ barettum (mlat.)

Birett   viereckige Kopfbedeckung katholischer Geistlicher – Be­standteil der kle­ri­ka­len Amts­tracht in der entsprechenden Farbe des Amtes

Bert Gerresheim hat Karl Leisner bisher sieben Mal als Simon von Cyrene dargestellt: Als Zeichnung in der Kapelle der Katholischen Hochschulgemeinde im Carl-Sonnenschein-Haus in Düsseldorf[1] und aus Bronze im St. Paulus-Dom in Münster, in der St. Antoniuskirche in Kevelaer, in der St. Johannes-Baptistkirche in Mönchengladbach, in der Martinikirche in Wesel und in St. Josef in Hamborn.[2]

[1] Rundbrief des IKLK Nr. 29 von August 1994, Darstellung der 5. Station auf dem Titelblatt

Rdb29

[2] Die Beiträge zu diesen Kreuzwegen werden nach und nach unter Erinnerungsstätten abgelegt.

siehe auch Link zum Kreuzweg im Dom in Münster

SteinJoachim Kardinal Meisner hat zu den Bronzereliefs einen Kreuzweg geschrieben.[1] Das Umschlagbild zeigt die Bronzefigur der Heiligen Edith Stein von Bert Gerresheim.

[1]    KREUZWEG FÜR DIE DEUTSCHE KAPELLE IN KRAKAU ŁAGIEWNIKI; Joachim Kardinal Meisner, Mönchengladbach 2014 ISBN 978-3-87448-445-9

 

 

 

Text und Fotos Christa Bockholt