„Menschen sind Maschinen der Engel“ Jean Paul 1785

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Johann Paul Friedrich Richter (* 21.3.1763 in Wunsiedel, † 14.11.1825 in Bayreuth) – bekannt als „Jean Paul“ – Dichter

Karl Leisner las Jean Pauls Werk „Titan“[1].

[1] Jean Paul: Titan, Berlin 1800–1803

Jean Paul nannte den Titan seinen „Kardinal- und Kapitalroman“. Der Roman umfasst circa 900 Seiten und erzählt die Bildungsgeschichte des Helden Albano de Cesara vom leidenschaftlichen Jüngling zum gereiften Mann. In Sprache und Stil weicht der Roman auffällig von anderen Texten Jean Pauls ab. Die Erzählung ist straffer organisiert und enthält weniger Abschweifungen und Randnotizen. Die Forschung sah darin häufig eine (stilistische) Annäherung an den Klassizismus Weimars, mit dem sich Jean Paul in dieser Zeit intensiv und kritisch auseinandersetzte. Die bilderreiche und (im damaligen Sinne) „witzige“ Sprache Jean Pauls bleibt jedoch auch im Titan erhalten; der Roman ist also trotzdem eine herausfordernde Lektüre für heutige Leser (URL http://de.wikipedia.org/wiki/Titan_(Jean_Paul) – 4.6. 2011).

Karl Leisner schrieb am 16. Dezember 1935 in seine Bücherlese:
Jean Paul, der die richtige Beobachtung gemacht hat, wie die griechi­schen Künstler, welche die Gestalt des mensch­lichen Leibes so fein in Erz und Marmor auszuprägen verstanden, kein Auge hatten für die Schönheit der Natur, spricht letztere in seinem „Titan“ also an:
„Hohe Natur, wenn wir dich sehen und lieben, so lieben wir die Men­schen wärmer, und wenn wir sie betrauern oder vergessen möchten, so bleibst du bei uns und ruhest an unserem nassen Auge wie ein grünendes, abendrotes Gebirge. Ach, vor der Seele, vor welcher der prächtig glitzernde Mor­gentau der Ideale sich zum grauen, kalten Landregen entfärbt hat, und vor dem Her­zen, wel­chem auf den unterirdischen Gängen dieses Lebens die Menschen nur noch wie gekrümmte, dürre Mumien auf Stäben in Katakomben begeg­nen, und vor dem Auge, das verarmt und verlassen ist, und welches kein Mensch mehr erfreuen will, und vor dem Menschen, die seine einsame, glau­bens­leere Brust an einen ewigen, unverrückbaren Schmerz anschmiedet, – vor allen diesen bleibst du, erquickende Natur mit deinen Blumen und Gebir­gen und Katarakten treu und tröstend stehen. Der Mensch wischt stumm und kalt den Tropfen der Pein sich aus den Augen, daß sie hell und weit auf dei­nen Vulkanen und auf deinen Frühlingen und auf deinen Sommern ruhen kön­nen.“
[1]

[1] Franz Xaver Kiefl: Katholische Weltanschauung und modernes Denken, Gesammelte Essays über die Hauptstationen der neueren Philosophie, Regensburg 2+31922: 165

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Die F.A.Z. vom 15. November 2013 brachte einen Artikel von Alfred Brendel unter dem Titel „Jean Pauls Sprachkürze“.

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