Rees: Karl-Leisner-Heim

Rees Karl-Leisner-Heim 1Am 6. November 1955 wurde im Rahmen einer Karl-Leisner-Gedenkfeier das neue Jugendheim der Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt in Rees auf den Namen Karl Leisner eingeweiht. Die Festansprache hielt Karl Leisners väterlicher Freund und Mitgefangene im KZ Dachau Pater Otto Pies SJ[1].

[1] Pater Dr. Johannes Otto Pies SJ (* 26.4.1901 in Arenberg bei Koblenz, † 1.7.1960 in Mainz) – Eintritt in die Gesellschaft Jesu am 14.4.1920, Priesterweihe am 27.8.1930 – Am 31.5.1941 wurde er wegen eines Protestes gegen die Klosteraufhebung von der Gestapo verhaftet – Am 2.8.1941 brachte man ihn aus dem Gefängnis in Dresden ins KZ Dachau. Dort teilte er sich einen Spind mit Karl Leisner und kümmerte sich intensiv um Karl Leisner.

Vater Wilhelm Leisner berichtet in einem Rundbrief vom 8. November 1955 an „Meine Lieben in ganz Deutschland“ über die Teilnahme seiner Familie an der Einweihung und der Feierstunde in der Turnhalle:
Ich saß auf der Ecke neben dem Bürgermeister [Johannes Meisters (1954–1970)] und auf der anderen Ecke saß neben mir Otto Pies und dann folgten Elisabeth [Haas, geb. Leisner], Maria [Leisner] und der Schwiegersohn [Wilhelm Haas] und dann sprach Otto fast eine Stunde.

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Schule

Das Karl-Leisner-Heim liegt in Sichtweite der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt[1] an der Fallstraße 13. Vom 6. Februar 1436 bis zur Säkularisierung am 14. November 1811 war dort ein Franziskanerinnenkloster. In diesem Klostergebäude war später die Katholische Volksschule, in die Karl Leisner vom 13. April 1921 bis zum Umzug der Familie Leisner nach Kleve am 17. Dezember 1921 ging. Sein erster Lehrer war Friedrich Wißkirchen. In der zum Kloster gehörenden Scheune wurde die Turnhalle der Volksschule eingerichtet. Hier fand auch die Einweihungsfeier des Karl-Leisner-Heims statt.

[1] Gräfin Irmgard von Aspel ließ 1012–1040 über den Gräbern ihrer Eltern ein Gotteshaus errichten und gründete dort ein der Muttergottes geweihtes Kanonikerstift. Nach einem Brand um 1245 wurde die Kirche 1250 wieder aufgebaut, Einsturz 1817, Errichtung der klassizistischen Pfarrkirche 1820-1828, Zerstörung am 16.2.1945, Wiederaufbau 1956-1970. Karl Leisner wurde am 3.3.1915 und Paula Leisner am 28.12.1919 dort getauft. 2005 Fusion mit vier weiteren Kirchen zur Pfarrgemeinde St. Irmgardis.

Rees Karl-Leisner-Heim 2Am Montag, dem 12. Juni 1995, wurde rechterhand vom Eingang des Karl-Leisner-Heims ein Bronzerelief angebracht, das die Priesterweihe Karl Leisners darstellt. Es wurde im Auftrag der Reeser Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt von dem Künstler Dieter von Levetzow gefertigt.

 

 

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Im Karl-Leisner-Heim treffen sich verschiedene pfarrlichen Gruppen, wie der Kirchenchor und Kinderchöre, Gesprächskreise und der Pfarreirat, aber auch Spielgruppen, Sprach- und Nähkurse, die Sternsinger und Gruppen aus Vereinen wie die KfD, DJK, die Lebenshilfe und das Kreisbildungswerk. Das Erdgeschoss des Gebäudes wird zu zwei Dritteln vom Kindergarten St. Irmgardis genutzt. In dem weiteren Drittel sind Gruppenräume des Pfarrheims und im Obergeschoss sind weitere Gruppenräume sowie ein Saal und eine Küche.

Auch wenn die Stadt Kleve zur Heimat Karl Leisners wurde, hat er in seinen Tagebuchaufzeichnungen immer mal wieder seine Geburtsstadt Rees[1] erwähnt.

Rees liegt rechtsrheinisch und war bis zur Inbetriebnahme der Rheinbrücke Rees-Kalkar 1967 nur mit der Fähre von Reeserschanz aus zu erreichen. Daher war die Stadt selten das Ziel der Unternehmungen von Familie Leisner oder den Jungen, wenn sie „auf Fahrt“ waren.

[1] Namensgebung der ursprünglich fränkischen Siedlung (500-800) vermutlich aus Rys = Reis = Rees (Weidenholz mit Röhricht) – Die 1012-1040 von Irmgard von Aspel errichtete Kirche sowie ein Kanonikerstift bildeten die Keimzelle für die Entwicklung zur Stadt Rees. Erhebung zur Stadt am 14.7.1228, damit ist Rees die älteste Stadt am Niederrhein. Am 16.2.1945 wurde die Stadt durch einen schweren Luftangriff fast völlig zerstört.

Am 1. Dezember 1933 schreibt Karl Leisner in seinem für das Abitur einzureichenden Lebenslauf:
Ich wurde geboren am 28.2.1915 in Rees am Niederrhein als Sohn des Gerichtsbeamten Wilhelm Leisner und seiner Gattin Amalia, geborene Falkenstein.
Mit sechs Jahren kam ich auf die Grundschule zu Rees. Aber schon zu Weihnachten mußte ich Rees verlassen, weil mein Vater nach Kleve versetzt wurde.

Karl Leisner aus dem KZ Dachau am Samstag, 6. Mai 1944 an seine Familie in Kleve:
Ist Kaplan [Paul] Wißkirchen etwa verwandt mit meinem ersten Lehrer [Friedrich Wißkirchen] in Rees?[1]

[1] Paul Wißkirchen war vom 15.4.1944 bis 1.8.1945 Kaplan in Kleve St. Mariä Himmelfahrt und nicht mit Friedrich Wißkirchen, dem ersten Lehrer Karl Leisners, verwandt.

Karl Leisner aus dem KZ Dachau am Samstag, 13. Januar 1945 an seine Familie in Berlin und in Niedermörmter:
Also, unser altes Rees ist auch zerstört.[1] Na ja, gut daß sie Euch auf der andern Seite [des Rheins in Niedermörmter] in Ruh’ gelassen haben.

[1] Bevor Rees am Freitag, dem 16.2.1945, fast völlig zerstört wurde, hatte es Luftan­griffe am 11.9.1944 mit sechs Toten, am 23.10.1944 mit sechs Toten und am 14.2.1945 mit neun Toten gegeben.

Die Beiträge zu den verschiedenen Erinnerungsstätten Karl Leisners in Rees werden nach und nach veröffentlicht.

siehe bereits folgenden Link

Impressionen zum Karl-Leisner-Heim

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Text und Fotos Christa Bockholt und IKLK-Archiv