Restaurierung der Krypta im Sankt Viktor Dom, Xanten

Udo Erbe
Seit dem Frühjahr 2016 gehören meine Frau und ich zur Katholischen Propsteigemeinde St. Viktor Xanten und sind Mitglied im Verein zur Erhaltung des Xantener Dom e.V. (Dombauverein). Die Gemeinde und der Xantener Dom sind unsere Heimat geworden und so ist es uns ein Herzensanliegen, ehrenamtlich uns einzubringen. Das auch vor dem Hintergrund unserer Mitgliedschaft im Internationalen Karl-Leisner-Kreis e.V. Kleve. Die letzte Ruhestätte hat der Selige Karl Leisner in der Krypta des St. Viktor Doms gefunden.

Quelle des Fotos: Uwe Strauch


Entstehung der Krypta

Eine kurze Begriffserklärung: Eine Krypta ist ein kellerartiger Raum unterhalb des Altares, in dem in der Nähe zu Heiligengräbern Gottesdienste gefeiert werden. Im Jahr 1933 wurde bei Ausgrabungen, die von dem Archäologen und Denkmalschützer Walter Bader unter dem Chor des Doms durchgeführt wurden, ein auf das 4. Jahrhundert datiertes Doppelgrab entdeckt und schließlich eine Krypta angelegt, welche 1936 durch den Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, geweiht wurde. Patron des Xantener Domes ist der Heilige Viktor von Xanten, dessen Gebeine sich im Viktorschrein befinden, der in seiner heutigen Form im 12. Jahrhundert entstanden ist. Der Viktor-Schrein ist nicht nur ein bedeutendes Kulturgut im Rheinland, sondern auch ein wichtiges Zeugnis der Xantener Stadtgeschichte. Denn seine eigene Geschichte als Reliquienschrein ist beinahe lückenlos dokumentiert. In ihm befinden sich neben den Reliquien auch stadtgeschichtliche Urkunden – inzwischen 18 an der Zahl. Die älteste Urkunde ist von 1129. Der Viktor-Schrein befindet sich im Hochaltaraufsatz des Doms.

Im Jahr 1966 wurde die Krypta erweitert und es wurde eine Gedenkstätte für neuzeitliche Märtyrer (Opfer des Nationalsozialismus) errichtet. Dort befinden sich Urnen mit Asche aus den Konzentrationslagern Auschwitz, Bergen-Belsen und Dachau. Ebenfalls in der Krypta befinden sich die Gräber von Heinz Bello, Karl Leisner und Gerhard Storm. Aschenurnen, Erinnerungsstücke und Schrifttafeln erinnern an Wilhelm Frede, Nikolaus Groß und Johannes Maria Verweyen.
Eine Reliquie des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen, der gegen den Nationalsozialismus gepredigt hatte, wurde am 28. Januar 2006 in die Xantener Krypta übergeführt.

Nach über 50 Jahren eine Restaurierung und auch Konservierung
Nachdem ich Anfang 2019 Mitglied in der Öffentlichkeitskommission des Dombauvereins wurde, habe ich mich für das Projekt „Restaurierung der Krypta“ eingesetzt. Im Hinblick auf die Feierlichkeiten zum 75. Jahresgedenken der Priesterweihe von Karl Leisner im Dezember dieses Jahres, sollte die Krypta in neuem Glanz erstrahlen. Der Leiter der Dombauhütte, Herr Johannes Schubert, und seine Mitarbeiter haben sich sofort begeistern lassen und im Rahmen des Denkmalschutzprogrammes 2019 ging es dann an die Arbeiten.

Das nachfolgende Foto gibt eine Teilansicht von der Mosaikdarstellung „Agnus Dei“ im Altarbereich der Krypta nach der Restaurierung wieder.

 


Foto: Dombauhütte Xanten


Kurze Begriffserklärung zur Restaurierung und Konservierung

Nach der Definition des internationalen Museumsverbands ICOM beschreibt der Begriff „Restaurierung“ alle Handlungen, die die Wahrnehmung, Wertschätzung und das Verständnis für das Objekt fördern. Diese Maßnahmen werden nur dann ausgeführt, wenn ein Objekt durch vergangene Veränderungen oder Zerstörung Teile seiner Bedeutung oder Funktion verloren hat. Es gelten dabei die Grundsätze des Respekts für das Original und seiner Geschichte sowie der Reversibilität (Wiederherstellbarkeit).

Die moderne Restaurierung verfolgt das Ziel, durch möglichst auf ein Minimum beschränkte Eingriffe am Objekt die Erhaltungsbedingungen zu verbessern. Dabei ist heute die Reversibilität des Eingriffs eine der Hauptanforderungen. So machen bei einer heutigen Restaurierung im Allgemeinen das Rückgängigmachen von früheren Eingriffen in das Werk den Großteil des Arbeitsaufwandes aus, und auch ein Gutteil der Verluste ist nicht auf „natürliche“ Alterung, sondern seinerzeit wohlgemeinte Eingriffe zurückzuführen.

Die Konservierung umfasst im Gegensatz zur Restaurierung alle Maßnahmen, die den Zustand eines Objekts stabilisieren und das Eintreten künftiger Schäden verlangsamen sollen. Dabei spielen vor allem geeignete Umgebungsbedingungen eine Rolle. Des Weiteren kann z. B. eine Reinigung eine konservatorische Maßnahme darstellen.

Darüber hinaus gibt es Maßnahmen, die beide Bereiche umfassen können, z. B. das Entsalzen einer Keramik oder das Aufbringen eines Schutzüberzuges. Idealerweise bliebe ein zu restaurierendes Objekt vollkommen unberührt, wenn nicht das Aufhalten der alterungsbedingten Verfallserscheinungen, und damit die Erhaltung des Werks an sich, das Hauptziel jeder Konservierung wäre. Zentrales Anliegen ist daher, das Werk in seiner Alterung – in welcher Weise auch immer – unter Kontrolle zu halten und sei es nur, um nachfolgenden Generationen zu ermöglichen, technisch heute nicht Leistbares am Objekt umzusetzen und ihnen dabei so wenig Probleme wie möglich zu bereiten, aber so viel wie möglich zu erhalten. Das ist auch die Maxime, die von den Mitarbeitern der Dombauhütte verfolgt wird.

Fotos: Uwe Strauch

Wie geht es weiter?
Die von der Dombauhütte durchgeführten Arbeiten konnten im September 2019 weitestgehend abgeschlossen werden. Herr Schubert unterstützt auch den Gedanken, dass es vielleicht schon im kommenden Jahr oder spätestens in 2021 eine Broschüre mit dem vorläufigen Arbeitstitel „Restaurierung der Krypta“ geben wird. Herausgeber wird der Dombauverein sein. In der Öffentlichkeitskommission des Dombauvereins wird das Projekt sehr positiv gesehen, da die Geschichte der Krypta für das Verständnis des Domes sehr wichtig ist. Für die Ausarbeitung des geschichtlichen / historischen Teils der Broschüre, die dann auch an der Domkasse erworben werden kann, wird noch ein Experte angesprochen. Außerdem könnte noch über die Feierlichkeiten um das Pontifikalamt am 15 Dezember 2019 in memoriam an die Priesterweihe im KZ Dachau vor 75 Jahren berichtet werden. Darüber hinaus ist angedacht, dass eventuell ein Modell der Krypta errichtet wird, da viele Dinge im Bereich der Krypta – auch aufgrund der baulichen Gegebenheiten – dem Besucher verborgen bleiben.

Propsteigemeinde Sankt Viktor Xanten
Die Erneuerung der Schrifttafeln für die Märtyrer der Neuzeit und eine Ehrentafel zur Erinnerung der Geschehnisse um den Heiligen Viktor obliegen der Propsteigemeinde. Ebenso sieht es mit der Beleuchtung aus. Auch hier sind die Propsteigemeinde und die entsprechenden Gremien zuständig. Ein neues Gesamtkonzept für die Beleuchtung des Sankt Viktor Doms wurde bereits in Auftrag gegeben. Wenn es in naher Zukunft umgesetzt werden sollte, wird sicherlich auch die Krypta davon profitieren.

Eine gelungene Zusammenarbeit von Profis und Ehrenamtler(n)
Dem Leiter der Dombauhütte, Herrn Johannes Schubert, gilt mein besonderer Dank für seine freundliche Unterstützung und Durchführung des Projektes mit seinen Mitarbeitern. Danken möchte ich an dieser Stelle auch Herrn Uwe Strauch (Gründer museum.de) vom deutschen Museumsportal in Xanten und Herausgeber des Museumsmagazins, der mir Fotos aus der Krypta zur Verfügung gestellt hat.

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Nachfolgend können Sie über die aufgeführten LINKs noch ältere Berichte zu Karl Leisner und dem Sankt Viktor Dom nachlesen.

LINKs
Karl Leisner im Xantener Dom ein Bericht vom 10. Januar 2018

Karl Leisner und der Xantener Dom ein Bericht vom 28. Dezember 2016

Xanten: Karl Leisners Grab in der Krypta des Xantener Domes