Umzug des Karl Leisner-Archivs von Billerbeck nach Münster

Artikel von Hans-Karl Seeger und Udo Erbe

 

 

 

Blick ins Karl Leisner-Archiv in Billerbeck

Ursprünglich hatte Alt-Präsident und Archivar des Karl Leisner-Archivs Hans-Karl Seeger die Idee, alle Nachlässe von Karl Leisner zusammenzufügen und diese in einem Raum in Xanten unterzubringen. Die kostbarsten Origi­nale aus dem Leben von Karl Leisner, wie zum Beispiel das Primizgewand, die Tagebücher und Briefe, die Kasperfiguren und vieles mehr haben bereits am Sonntag Gaudete 2013 einen würdigen Platz im StiftsMuseum Xanten gefunden. Dieser Akt war sozusagen die „Grundsteinlegung“ für das Karl Leisner-Archiv in Xanten.

Entwicklung und Bestand des Karl Leisner-Archivs

Das Karl Leisner-Archiv wurde seit der Gründung des Internationalen Karl-Leisner-Kreises e.V. (IKLK) 1975 im Laufe der Jahre systematisch aufge­baut. Es han­delte sich dabei zunächst um Nachlässe von Karl Leisner aus den Familien Leisner in Kleve und Berlin.

Bereits 1995 schenkten Karl Leisners Geschwister wertvolle Gegenstände aus dem Nachlaß ihres Bruders dem damaligen Bischof von Münster Dr. Reinhard Lettmann. Bischof Dr. Felix Genn (Protektor des IKLK) hat zugestimmt, das StiftsMuseum in Xanten als Aufbewahrungsort zu wählen; denn Xanten mit dem Grab des seligen Karl Leisner sei der geeignete Ort, an einer Stelle alles zusammenzuführen, was mit dem Seligen zu tun habe.

Hans-Karl Seeger kümmert sich seit 1993 um das Archiv. Neben den Nachlässen der oben genannten Familien Leisner hat er auch die­jenigen von Karl Leisners Kursgenossen Heinrich Kleinen, dem Freund Josef Perau, dem Mithäftling Johannes Sonnenschein und die um­fangreichen Sammlungen der ehemaligen Präsidiumsmitglieder des IKLK Wilhelm Haas (Sekretär), Wilhelm Walterfang (Präsident), Klaus Riße (Vi­ze­präsident) und Werner Stalder (Pressesprecher) sowie Unterlagen aus zah­l­reichen anderen Quellen zusammengeführt. Es ging darum, die gesamte Fülle an Material an einem einzigen Ort aufzubewahren, damit Menschen, die zum Thema Karl Leisner arbeiten und forschen wollen, dort alles Not­wendige vorfinden.

In der alten Propstei, Kapitel 8, in Xanten sollte alles, was aus dem Karl Leisner-Archiv nicht seit 2013 im Stifts­Museum Xanten aufbewahrt wird, zusammengefügt werden. Dort sollten bis auf we­nige Ausnahmen alle Bücher verfügbar sein, die Karl Leisner in seinen Tage­büchern und Briefen erwähnt. Zum Teil stammen sie aus seinem eigenen Besitz, den größten Teil aber hat Hans-Karl Seeger in Anti­quariaten erworben. Außerdem sind im Karl Leisner-Archiv auch die Bücher zusammen­gestellt, in denen Karl Leisner erwähnt wird.

Unter anderem sind auch Dokumente und Urkunden vorhanden, die Karl Leisners Lebenslauf vor allem anhand seiner Jugendarbeit und sei­nes Studiums aufzeigen.

Die Zeit im Reichsarbeitsdienst (RAD) ist umfangreich erforscht. Ma­te­ri­a­lien zu seinen Aufenthalten in St. Bla­sien und in den Konzentrati­ons­lagern Sachsenhausen und Dachau liegen in großer Zahl vor, insbesondere die geheime Priesterweihe im KZ Dachau betreffende Unterlagen.

Alle erreichbaren Veröffentlichungen zu Karl Leisner ab 1945 in Bü­chern, Zeit­schrif­ten, Wissenschaftlichen Arbeiten, Predigten, Vorträgen und Zeitungen sowie diverses Bild- und Tonmaterial sind Bestandteil des Archivs.

In den Rundbriefen des IKLK von 1975 bis 2010 wurde bereits ein be­trächtlicher Teil der vorhandenen Dokumente verarbeitet, man­che haben so­gar den Umfang von Büchern, wie zum Beispiel die Rundbriefe über den RAD (Nr. 39), Bischof Gabriel Piguet (Nr. 46), den Da­chau-Altar (Nr. 50) und Karl Leisners Bibliothek (Nr. 56).

Das gesamte Archivmaterial wurde für die Lebens-Chronik zu Karl Leisner verwendet.

Leisner, Karl: Tagebücher und Briefe. Eine Lebens-Chronik, hg. v. Hans-Karl Seeger / Gabriele Latzel im Auftrag des Inter­na­tionalen Karl-Leisner-Kreises (IKLK), un­ter bes. Mitarbeit von Christa BOCK­HOLT, Hans Harro BÜHLER u. Hermann GEBERT. Band I: 1928–1934; Band II: 1935–1939; Band III: 1940–1946; Band IV: Weitere Dokumente. Register; Band V: Glos­sar. – Kevelaer: Butzon & Bercker 2014. 4394 S., geb. € 139,00 ISBN: 978–3–7666–1881–8

LINK zu weitergehenden Informationen zur Lebens-Chronik zu Karl Leisner

LINK zur Vorstellung der Lebens-Chronik im Jahr 2015 mit einem Video von der Übergabe an Papst Franziskus im Vatikan

Der ursprüngliche Plan, das Karl Leisner-Archiv in der alten Propstei, Kapitel 8, in Xanten unterzubringen, ließ sich nicht verwirklichen; denn dort und auch anderweitig in Xanten fand sich kein Platz für das Archiv. Statt dessen befindet sich der Nachlaß nun in Münster. Dort kann er in zwei Abteilungen eingesehen werden: Die Urkunden befinden sich im Bistumsarchiv und die Bücher in der Diözesanbibliothek.

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Berichte zum Thema „Karl Leisner-Archiv“, die bereits auf der Website veröffentlicht wurden:

LINK bezüglich des neuen Leiters des StiftsMuseums Xanten, Professor Dr. theol. Thomas Flammer, der somit auch für das Karl Leisner-Archiv zuständig ist

LINK bezüglich ergänzender Angaben zur Bedeutung des Karl Leisner-Archivs

LINK zu den Tagebüchern, die im StiftsMuseum Xanten aufbewahrt werden

LINK zur Übergabe des Grundstocks des Karl Leisner-Archivs an das StiftsMuseum Xanten

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Aus der Zeit der Planung: Artikel vom 15. Dezember 2017 – Bedeutung des Karl Leisner-Archivs