Vor 135 Jahren wurde Bischof Heinrich Wienken geboren

Bischof Heinrich Wienken (* 14.2.1883 in Cloppenburg, † 21.1.1961 in Berlin, beigesetzt auf dem Friedhof von Cloppenburg) – Abitur in Vechta 1904 – Theologiestudium in Innsbruck/A 1904–1908 – Eintritt ins Priesterseminar in Münster 1908 – Priester­weihe 5.6.1909 in Münster – Ernennung zum Koadjutorbischof des Bi­stums Meißen mit Sitz in Bautzen 23.2.1937 – Bischofs­weihe am 11.4.1937 in Mün­ster durch die Bischöfe Clemens August Graf von Galen u. Konrad von Prey­sing – Tätig­keit in Bautzen bis November 1937 – Durch die Rückkehr des von den Nationalsozialisten verhaf­te­ten und verurteilten Bischofs Petrus Legge[1] fühlte er sich über­flüs­sig in Bautzen. Am 15.10.1937 wurde er von seinen Pflichten als Koad­jutor entbunden. Er leitete von Dezem­ber 1937 (vorgesehen war schon der 13.1.1937) bis zum 9.3.1951 in Berlin das Kom­missa­riat der Fuldaer Bischofs­konferenz, Wichmannstr. 14, und hielt dort die Kon­takte zum Reichs­­­sicherheits­hauptamt. An­schlie­ßend übernahm er bis zum 21.8.1957 das Amt als Bischof von Meißen.

[1] Bischof Dr. Petrus Legge (* 16.10.1882 in Brakel, † an den Folgen eines am 28.12.1950 er­littenen Autounfalls 9.3.1951) – Besuch der Rektoratsschule in Bra­kel – Besuch des Gym­nasiums Maria­num in Warburg – Studium der Theologie in Paderborn u. Würzburg – Prie­sterweihe 22.3.1907 in Paderborn – Er­nennung durch Papst Pius XI. zum Bischof von Meißen 9.9.1932 – Bischofsweihe für das Bistum Meißen 28.10.1932 – Verhaftung durch die Gestapo wegen Devisenvergehen 9.10.1935 – Prozeßbeginn 14.11.1935 – Verbot der Amts­ausübung in seinem Bistum laut Urteil vom 23.11.1935 – außerdem Geldstrafe von 100.000,00 RM, ab­züglich 40.000,00 RM Anrechnung infolge seiner Untersu­chungshaft – Ernennung von Bischof Konrad Graf von Preysing zum Administrator für das Bi­stum Meißen 15.10.1935 – Amtsenthebung von Konrad Graf von Preysing als Ad­ministrator auf Grund der Ernennung von Heinrich Wienken zum Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge 23.2.1937 – Nach seiner Verur­teilung kehrte Bischof Legge aus Furcht vor Schwierigkeiten staatlicherseits zunächst nicht ins Bistum Meißen zu­rück, sondern ging in seine Heimat­stadt Brakel. Offenbar auf Anfrage von Bischof Legge gab Eugenio Kardinal Pacelli aus Rom das Placet für dessen Rückkehr, aber Nuntius Cesare Orsenigo sprach sich erfolgreich dagegen aus. Bischof Legge blieb in Brakel. Am 15.3.1937 gab Nuntius Orsenigo nach Verhandlungen mit der NS-Re­gierung bekannt, der bischöfli­che Stuhl sei nicht mehr be­hindert. Am 20.3.1937 kehrte Bischof Legge ins Bistum Meißen zurück, fand Hein­rich Wienken in Bautzen vor und berief ihn am 1.4.1937 zu seinem Generalvikar.

Beerdigung von Bischof Heinrich Wienken

Joseph Kardinal Frings, Köln, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zelebrierte am 26. Januar 1961 in der St. Matthias-Kirche in Berlin-Schöneberg das Pontifikalrequiem; die Trauerpredigt hielt Bischof Wienkens Nachfolger in Meißen, Bischof Otto Spülbeck. Geistliche und Laien aus Ost und West erwiesen Bischof Wienken die letzte Ehre.
In Bischof Wienkens Heimatgemeinde St. Andreas in Cloppenburg zelebrierte Bischof Michael Keller, Münster, der auch die Beerdigung auf dem Friedhof von Cloppenburg leitete, am 27. Januar 1961 das Pontifikalrequiem; Diakon war Rektor Heinrich Kötter, Subdiakon Vikar Heinrich Enneking. Als Bischöfe waren Helmut Hermann Wittler, Osnabrück, und Dr. Otto Spülbeck, Meißen, der die Trauerpredigt hielt, dabei. Als Weihbischöfe nahmen Heinrich Baaken, Münster, Joseph Ferche, Köln, und Julius Angerhausen, Essen, teil. Das Ehrengeleit gaben u.a. Offizial Heinrich Grafenhorst, Dompropst Clemens Echelmeyer, Münster, und Generalvikar Laurenz Böggering, Münster.
Die Feierlichkeiten wurden vom Fernsehen aufgenommen. Die Tagesschau vom 27. Januar 1961, um 20.00 Uhr, brachte einen kurzen Bericht über das Ereignis.

Fotoa (1)
Fotob (1)
Grab1 (1)

Ausschnitt aus der Ausarbeitung „Priestergräber auf unserem St. Andreas Friedhof“ von Diakon Herbert Frye

Heinrich Wienken (1)

 

Aus: Biographien und Bilder aus 575 Jahren Cloppenburger Stadtgeschichte. Maria Anna Zumholz, Michael Hirschfeld, Klaus Deux (Hg.)

HEINRICH WIENKEN Bischof von Meißenneu

Quelle der Fotos: Familie Wienken

Bischof Heinrich Wienken war eine große Hilfe bei den Bemühungen um Karl Leisners Wohlergehen.

Samstag, 16. März 1940
Bischof Clemens August Graf von Galen von Münster schrieb an Bischof Heinrich Wienken in Berlin mit der Bitte, Erkundigungen über die in Kon­zen­trationslagern befindlichen Geistlichen der Diözese Münster einzu­holen.

Freitag, 5. April 1940
Bischof Heinrich Wienken aus Berlin schrieb an Bischof Clemens August Graf von Galen in Münster bezüglich der im KZ inhaftierten Geistlichen der Diözese Münster.

Im Archiv der Pfarrei St. Jakob Dachau (Nr. 28/12–1) befindet sich ein Brief vom 9. November 1940, in dem Bischof Heinrich Wienken, Breslau, Wich­mannstraße 14, an Domkapitular Johannes Neuhäusler in München schrieb, auf die Eingabe der Fuldaer Bischofs­konfe­renz vom 26. März 1940 die Ver­günstigungen für Geistli­che im KZ betreffend sei eine Antwort erteilt wor­den. Danach seien nun sämtli­che Geistlichen im Lager Da­chau zusam­men­­zu­fassen. Sie würden dort mit leichte­ren Ar­beiten beschäftigt und dürften täg­lich die hei­lige Messe lesen. Die Meßutensilien seien, wie es be­sonders be­tont wird, vorrätig.

Alexander Krahe:
Die Spitze der katholischen Kirche in Deutschland reagierte schnell auf die seit Beginn des Krieges sprunghaft ansteigende Zahl der Inhaf­tierun­gen von Geistlichen. Im Jahr 1940 führten [die Bischöfe Adolf Kardinal] Bertram, Wienken und Orsenigo intensive Verhand­lungen zugunsten der in KZ inhaftierten Männer, wobei stets seelsorger­li­che Aspekte im Vordergrund standen. Das Ergebnis war die Zusammen­legung der Geistlichen im KZ Dachau. Um die Jahreswende 1940/41 wurden diese Zugeständnisse von Reichsregierung und RSHA [Reichssicherheitshauptamt] in die Tat umgesetzt.
Bei den Verhandlungen des Jahres 1940 ging es um die Durchsetzung elementarer Forderungen. Obwohl Wienken und Orsenigo erhebliche Res­sentiments gegenüber Geistlichen hegten, die mit dem NS-Regime in Konflikt geraten waren, war die Durchsetzung seelsorgerlicher Vergünsti­gungen eine klare Notwendigkeit. Anders reagierte die Kirchenleitung auf die sich im Jahr 1942 häufenden Meldungen über die katastrophalen Ver­hält­nisse im Lager Dachau: Das Ende der Arbeitsbefreiung, die rapide Zunahme der Todesfälle und die Euthanasie-Aktionen an Häft­lingen.
Bertram blieb angesichts der schwierigen Informationsbeschaffung un­schlüs­­sig und beauftragte Wienken, gesicherte Erkenntnisse zu gewin­nen. Wienken konzentrierte sich weiter auf die humanitäre Hilfe für inhaf­tierte Geistliche im Einzelfall.[1]
[1] Krahe, Alexander: Zwischen Loyalität und Wi­derstand. Die Deutsche Bi­schofskonferenz und im KZ Dachau inhaftierte Priester 1939–1945. Magisterarbeit 25.1.1994: 130 (zit. Krahe 1994)

Arnold Francken aus Münster am Freitag, 7. März 1941 an Jakob Küppers in Kleve:
Lieber Küppers!
Unser Bischof [Clemens August Graf von Galen] hatte Bischof Wienken gebeten, sich nach den im KZ inhaftierten Geistlichen der Diözese Münster zu erkundigen.
In der Antwort, die er am 5.4.[1940] erhielt, heißt es:
„Auf Grund meiner Besprechung im Geheimen Staatspolizeiamt kann ich Dir auf Dein Schreiben vom 16. März [1940] folgendes mitteilen.
„… bei Diakon Leisner stellt die Staatspolizei anheim, unter Hin­weis auf seinen Gesundheitszustand einen Entlassungsantrag zu stellen.“
Unser Bischof meint, der Antrag ginge am besten von den Eltern aus. Er wird wohl an das Geheime Staatspolizeiamt gehen müssen. Vielleicht ist es gut, Bischof Wienken davon zu benach­richtigen, dessen Anschrift lau­tet
Berlin W 62, Wichmannstraße 14.
Hoffentlich ist der Antrag von Erfolg begleitet!
Mit freundlichem Gruß
Regens Francken

Dienstag, 8. April 1941
Vater Wilhelm Leisner wandte sich an Bischof Heinrich Wienken mit der Bitte, sich für seinen Sohn Karl einzusetzen, indem er seinem Brief sein an die Gestapo in Berlin gerichtetes Entlassungsgesuch vom 9. April zur Weiter­leitung beifügte.

Vater Wilhelm Leisner an die Gestapo in Berlin:
Kleve (Niederrhein), Flandrischestraße 11, den 9. April 1941
Bitte des Justizoberinspektors Wilhelm Leisner um Entlassung seines Sohnes Karl aus dem KZ Dachau 3K – Gef. No. 22356 – Block 28/1. Er­laß des Reichssicherheits[haupt]amtes vom 15.2.1940.
An die Geheime Staatspolizei in Berlin
Am 22.9.1940 richtete meine Frau das in Abschrift beigefügte Entlas­sungsgesuch an die Geheime Staatspolizei. Mit meinem Gesuch wieder­hole ich die Bitte. Am 5.6.1939 fuhr mein Sohn zur Heilung von seinem schweren Lungenleiden nach St. Blasien, wo er bis zu seiner Verhaftung am 9.11. weilte. Seit 5.6.1939 bange ich um seine Gesundheit und habe ihn nicht wiedergesehen. Der behandelnde Chefarzt [Dr. med. Ernst Mel­zer] legte [am 24.6.1939] einen Pneumothorax an, den er mindestens zwei Jahre tra­gen muß.[1]
Bei seiner Verhaftung war mein Sohn nicht geheilt und die einein­halbjäh­rige Inhaftierung wird nicht gesundheitsfördernd gewirkt haben. Ich selbst habe mir im Weltkrieg in den Karpaten als Kompanieführer im 3. bayri­schen Jägerregiment eine Tuberkulose-Erkrankung zugezogen, die mich noch jetzt nicht kriegsverwendungsfähig erscheinen läßt.[2] Sie wer­den da­her meine Sorge um den Gesundheitszustand meines Sohnes verstehen.
Indem ich den Inhalt des Gesuchs meiner Frau vom 22.9.1940 wie­derhole, bitte ich herzlich, ihn aus dem KZ zu entlassen.
Heil Hitler!
[1] Karl Leisners RAD-Kamerad Walter Flämig hat nach seiner Tbc-Erkrankung zwei Jahre einen Pneumothorax getragen und war danach geheilt.
[2] Am 9.7.1916 wurde Wilhelm Leisner als Kompanieführer zum I. Jäger-Regiment Nr. 3 versetzt, kämpfte 1916 vor Verdun und zu­letzt in den Karpaten. Dort er­krank­te er am 23.11.1916 erneut an Grippe und Fieber. Vom 24.11. bis zum 4.12.1916 lag er im Feldlazarett 202 Jayana-völgy und vom 4. bis zum 19.12.1916 im Feld­lazarett 10 Felsovisso. Vom 20. bis zum 23.12.1916 war er auf Trans­port und vom 23.12.1916 bis zum 5.1.1917 im Reservelazarett Hin­denburg/Oberschlesien (Knapp­schaftslazarett).

Heinrich Wienken aus Berlin am Samstag, 12. April 1941, an Vater Wilhelm Leisner:
Herrn W. Leisner – Kleve / N.Rhein, Flandrischestraße 11
Zum Schreiben vom 8. ds. Mts.
Das mit vorstehendem Schreiben nach hier übersandte Gesuch an das Ge­heime Staatspolizeiamt habe ich nach Durchsicht wunschgemäß wei­tergeleitet. Ich werde nicht verfehlen, bei meinem nächsten Besuch im Ge­heimen Staatspolizeiamt das Gesuch mit allem Nachdruck einer wohl­wol­lenden Berücksichtigung zu empfeh­len.
Zu Ihrer Beruhigung kann ich Ihnen mitteilen, daß es Ihrem Sohn in Dachau gut geht. Sie brauchen sich deshalb seinetwegen keine allzu gro­ßen Sorgen zu machen.
Mit ergebener Begrüßung!
Wienken

Montag, 19. Mai 1941
Vater Wilhelm Leisner schrieb erneut an Bischof Heinrich Wienken, damit dieser sich für Karl Leisner verwende.

Heinrich Wienken aus Berlin am Donnerstag, 22. Mai 1941, an Vater Wilhelm Leisner:
Herrn W. Leisner – Kleve / N.Rhein, Flandrischestraße 11
Sehr geehrter Herr Leisner!
Mit ergebenem Dank bestätige ich Ihnen den Empfang Ihres gefl. [gefälli­gen] Schrei­bens vom 19. Mai mit Anlagen [Briefe von Karl Leisner].
Ich war bereits auf Grund einer Aussprache im Reichssicherheits­hauptamt am 28. April darüber unterrichtet, daß Ihr Gesuch abschlägig beschieden werde. Es heißt nun wieder eine angemessene Zeit warten, bis ein neues Gesuch vorgelegt wird.
Erfreulich ist, daß es Ihrem Sohn im Lager gut geht und daß aus sei­nen Briefen eine christliche Haltung und Zuversicht spricht. Ich hörte auch be­reits von anderer Seite, daß es Ihrem Sohn tatsächlich gut geht, so daß Sie wegen seines gesundheitlichen Wohlergehens sich wirklich keine Sor­ge zu machen brauchen.
Mit ergebener Begrüßung!
† Wienken

Wilhelm Leisner aus Kleve am Freitag, 23. Mai 1941, an das Wehrbezirkskommando Moers:
Leutnant d. R. a. D. [der Reserve außer Dienst] Wilhelm Leisner
An das Wehrbezirkskommando Moers
Auf die Aufforderung vom 18.4. – Sgb. IIa[1] – berichte ich, daß ich aus fol­genden Gründen dieser bisher nicht Folge lei­sten konnte. Mein Sohn Karl, der als Diakon an einem schweren Lun­genleiden erkrankt in St. Bla­sien zur Kur weilte, wurde dort am 9. No­vem­ber 1939 verhaftet, weil er über das Attentat in München zu einem Mitpa­tienten eine – sicherlich un­gehörige – Äußerung getan haben soll. Mein Sohn ist zwar nicht abge­ur­teilt, sitzt aber seit dieser Zeit im Kon­zentrati­onslager zur Zeit in Dachau. Durch die Tat meines Sohnes bin ich von vie­len, ja von ganz guten „Freunden“ verlassen worden, die mich ängstlich meiden, und die zumin­dest sehr ungern von mir als Zeugen be­nannt wer­den, solange mein Sohn im KZ sich befindet. Nach Ihrer Auf­forderung vom 18.4. habe ich deshalb erneut ein Gesuch an das Geheime Staatspolizei­amt in Berlin um Freilassung meines Sohnes gerichtet, zu­mal dieses dem Bischof Wienken gegenüber anheimgestellt hatte, ein Ge­such um Frei­lassung wegen des Gesundheitszustandes zu stellen. Vor einigen Tagen über­brachte ein Beamter der Gestapo die Ableh­nung des Ge­suches. Ich brauche wohl nicht zu schildern, was meine Frau in den ein­einhalb Jah­ren um ihr Kind leidet, und daß ich ihr jede Aufregung er­spa­ren muß. Und mein Stolz als Offi­zier des alten Heeres verbietet es mir, ir­gend jemanden zu bitten und zu betteln, für mich Bürge zu stehen.
Wilhelm Leisner
[1] im Nachlaß von Familie Wilhelm Leisner nicht vorhanden

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 16. Mai 1942, an seine Familie in Kleve:
Meine Lieben!
Brief vom 30.4. und Überweisung vom 29.4. dankend erhal­ten. Wie schön, daß Friedel [Karl Leisner] grad im Mai wieder gesund ist [am 4.5. aus dem Revier, der Krankenstation des KZ Dachau, entlassen wurde]. Du, lieber Va­ter, hast in Maienboom [Marienbaum] seiner gedacht. Daß Tante Gertrud [die Gestapo] ihm wegen des kleinen Schnit­zers [der Äußerung zum Attentat auf Adolf Hitler am 8.11.1939] vor drei Jahren noch nachträgt, ist kaum zu verstehen. Sie hat halt „Haare auf den Zähnen“. Vater, be­sprich’s mal mit Willi an Pfingsten! Er soll sie [die Gestapo in Ber­lin] dann mal persönlich zu besänftigen su­chen. Und wenn das nicht hilft, dann müßtest Du, liebe Mutter, sie besuchen. Ich denke schon, daß sie dann den alten Zwist beilegt, der uns alle bedrückt. Ich wüßte auch nicht, daß er sich neuerdings verfehlen hätte sollen. Er hat sich doch so fein geführt in all der Zeit, wo Ihr mir von ihm schreibt.[1] Zu Eue­rm Namenstag am 28.[5., dem Fest des hl. Wilhelm von Aqui­tanien,] Dir, lieber Vater und Dir, lieber Bruder, Gottes Schutz und Segen! Auch Onkel Willi [Falkenstein]! Onkel Hans gute Besse­rung! Gerrit [Paanakker] in Linz und Tante Corry [Paanakker] treuen Gruß! War On­kel Clemens [Bischof Clemens August Graf von Galen] bei Euch da­heim?[2] Wir freuen uns über ihn.[3] Unsere Grüße! Hermann Mies dankbaren Gruß zurück und allen treuen Kameraden! An Urban [Peiffer] zum Namenstag am 25.[5., dem Fest des hl. Urban] mei­ne be­sonde­ren Glück­wünsche. Beibrief zum 31. [Namenstag am 30.5., dem Fest des hl. Ferdinand III.,] an Kaplan Steg. [Ferdi­nand Ste­ge­mann]! Fami­lie [Johann] Kuypers in K. [Kessel] Grüße! Seid froh!
Euer Karl

[1] Johannes Sonnenschein an Hans-Karl Seeger:
Unseren Angehörigen wurde, wenn sie bezüglich Entlassung vorstellig wur­den, oft von der Gestapo gesagt, es fehle an „guter Führung“, obwohl wir nie dieserhalb vernommen worden waren. Also: eine willkürliche Verleum­dung.
Adolf Kardinal Bertram erstellte am 20.12.1943 eine „Statistische Mitteilung, betreffend die in Konzentrationslagern befindlichen Diözesanpriester“:
Auf diese Eingaben [Bitte um Aufklärung über Gründe oder Anlaß der Inhaf­tierung, Haftentlassung oder wenigstens Erleichterung der Haft] ist seitens der staatspolizeilichen Stellen bisher gewöhnlich erklärt worden, daß eine Entlas­sung der betreffenden Geistlichen aus dem Konzentrationslager jetzt noch nicht erfolgen könne: gerade in der gegenwärtigen Kriegszeit müsse von allen deutschen Volksgenossen ein bedingungsloser Einsatz für den national­soziali­stischen Staat erwartet werden; die Gründe, die seinerzeit die Über­führung der Geistlichen in das Konzentrationslager erforderlich gemacht hätten, sowie auch ihre Führung im Lager böten noch nicht die Gewähr dafür, daß sie nach erfolgter Freilassung zu neuen Beanstandungen keinen Anlaß geben würden.
Bischof Heinrich Wienken aus Berlin am 29.3.1945 an Erzbischof Conrad Gröber in Freiburg/Br.:
Exzellenz schreiben, daß Geistliche vielfach wegen „Bagatellsa­chen“ nach Dachau gekommen sind. Es trifft das zu, wenn man bei den vorliegenden Beanstandungen den moralischen Maßstab anlegt. Die Staatspolizei aber beur­teilt Verfehlungen nach politischen Gesichtspunk­ten.
[2] Bischof Clemens August Graf von Galen spendete vom 20. bis zum 29.4.1942 im Dekanat Kleve die Firmung.
[3] Die Priester aus dem Bistum Münster hatten vermutlich die Predigten und Hirten­briefe des Bischofs registriert.

Willi Leisner aus Berlin am 15. April 2003 nach seinen Kalender­auf­zeich­nungen an Hans-Karl Seeger:
Mit ihm [Hermann Eising] hatte ich wegen der Zustimmung von Bischof Graf von Galen zu Karls Priester­weihe laufend Kontakt. Er gab mir auch den Rat, Bischof Wienken, Kommissariat der Fuldaer Bischofs­kon­fe­renz, bezüglich eines Gesuchs zur Freilassung von Karl aufzusu­chen. Sein Büro war im Pfarramt von St. Matthias.
Zum Gespräch weilte ich am 30. Dezember 1944 bei ihm.[1] Daraufhin ver­faßte ich das Ge­such an das Reichssicherheitshauptamt vom 5. Januar 1945, das ich Bischof Wienken am 5. Januar 1945 überbrachte.[2]
[1] Willi Leisner am 30.12.1944 im Taschenkalender:
11.30 Uhr zu Exzellenz Wienken wegen Karl
[2] Willi Leisner am 5.1.1945 im Taschenkalender:
10.00 Uhr Ex. Wienken – Gesuch für Karl abgegeben

Willi Leisner übergab Bischof Heinrich Wienken folgendes Gesuch:
Wilhelm Leisner, Ingenieur
Berlin-Lichterfelde, Willdenowstr. 2a, den 5. Januar 1945
An das Reichssicherungshauptamt
Berlin W 15, Meinekestr. 10[1]
Betr: Schutzhäftling Karl Leisner
Unterzeichneter bittet das Reichssicherungshauptamt, meinen Bruder Karl geb. 28.2.1915, Gef. Nr. 22356 Dachau 3 K, aus dem Konzentrati­ons­lager Dachau zu entlassen.
Seine Eltern und Geschwister sind mit zunehmender Dauer seiner Dachau­er Schutzhaft in großer Sorge um seinen Gesundheitszustand in­fol­ge seiner Lungentuberkulose.
Vor seiner Inhaftierung befand er sich dieserhalb zur Kur in St. Bla­sien. Sein Befinden hat sich unterdessen weiter verschlechtert, wie bei der Wehr­­­­dienstuntersuchung durch den Chefarzt [im KZ Dachau] im Mai 1944 festgestellt wurde. Wir befürchten sehr, daß seine Krankheit – mit­veranlaßt durch das rauhe Klima – wieder in ein akutes Stadium ge­tre­ten ist.
Ungünstig auf den Gesundheitszustand meines Bruders wirkt sich auch die seelische Belastung aus, die durch die Kriegsereignisse im El­ternhaus eingetreten sind. Am 7. Oktober 1944 wurde bei dem Terroran­griff auf Kleve unser Elternhaus zerstört und die Eltern mußten die Hei­mat ver­las­sen.
Ich bitte um Verständnis dafür, daß dies sowohl meinen Bruder schwer bedrückt als auch die Eltern unter dem Schicksal meines Bruders doppelt leiden und keinen sehnlicheren Wunsch haben als der Sorge um seine Gesundheit behoben zu sein.
Die Not meiner Eltern und Geschwister und die Gefährdung der Ge­sund­heit meines Bruders bitte ich zu würdigen und den dringend not­wen­digen Aufenthalt in einer Lungenheilstätte zu ermöglichen.
Heil Hitler!
[1] „Katholische Fälle“ wurden nicht in der Prinz-Albrecht-Str. 8, sondern in einer Dienststelle in Charlottenburg, Meinekestr. 10, bearbeitet.

Martin Höllen:
Ein „Osterei“ von „Gestapo-Müller“ [Heinrich Müller]

Wienkens Bittgänge zur Gestapo, die so oft vergeblich und nicht selten demütigend waren, sollten just am Ende der Gestapo-Herrschaft noch einen größeren Erfolg verbuchen können. Ende März 1945, als die sowjetischen Truppen an der Oder stan­den und ihren Sturm auf Berlin vorbereiteten, führte Wienken noch längere Verhandlungen im RSHA, um vor allem im KZ Dachau internierte Geistliche freizubekom­men. Es war kurz vor Ostern, das 1945 auf den 1. April fiel, und in einem der Gesprä­che Wienkens mit „Gestapo-Müller“, dem Amtschef IV im RSHA, erbat sich Wienken von dem Gestapo-Gewaltigen ein „Osterei“ – Diktion und Mentalität konnten in dieser Situation niemand anderen als Wienken kennzeichnen. In der Wo­che nach Ostern war es soweit: 163 katholische Priester (unter ihnen auch der schlesi­sche Zen­trums-Prälat [Karl] Ulitzka [Ulicka]) verließen das KZ Dachau[635] zwar nur ein gutes Zehntel der damals Internierten, für die Betroffenen aber vielfach eine Rettung, lagen doch noch gefährliche Wochen zwischen Entlassung und Befreiung des KZ Dachau durch die Amerikaner am 29. April.
Die in der Karwoche begonnene und am 11. April beendete Freilassungsaktion hatte mehrere Gründe. Einer war zweifelsohne, daß sich „Gestapo-Müller“ bei heranna­hendem Ende durch solch ein „Osterei“ für Wienken bei der Kirche in guter Erinne­rung für spätere Zeiten halten wollte, ein Motiv, das für die letzte Phase des NS-Regimes nicht untypisch war: Die Gegengeschäfte um die noch nicht ermordeten Juden, die beim nahenden Ende ausgestreckten Friedensfühler markieren den großen Rah­men, in den die von Wienken ausgehandelten Freilassungen aus Dachau einzuordnen sind.
Es war wohl eine der letzten Verhandlungen, die Wienken bei der Gestapo führte. Die Rote Armee rückte täglich und stündlich näher. Das Leben reduzierte sich auf das Überleben.[1]
[635] Mit unterschiedlichen Zahlenangaben ist die Freilassungsaktion erwähnt bei: W. ADOLPH, Sie sind nicht vergessen, S. 166f. und bei R. SCHNABEL, S. 178. – Wien­ken selbst hat in einem Schreiben an Ga­len vom 23. Mai 1945 (Druck: H. SCHLÖMER, S. 5) die präzise Zahl von 163 genannt. – Die Rekonstruk­tion der Frei­lassungsaktion war nicht möglich ohne die hilfreichen Auskünfte, die mir J. JOST und G. SCHELLING mit ihren ausführlichen Schreiben vom 13. August 1979 und vom 19. Mai 1978 gaben. Beide haben, als in Dachau internierte Priester, selbst die Vorge­schichte der Freilassungen miterlebt: Sie begann am 14. Februar 1945, als sie schnellstmöglich eine Liste der noch im Lager lebenden Geistlichen zusammen­stel­len mußten. Nachdem in Berlin „Gestapo-Müller“ Wienken die Zusage der Frei­las­sungen gegeben hatte, erstellte Wienken (wie sich K. DE GILINSKY[2] – Gespräch am 23. Sep­tember 1977 – noch lebhaft erinnert) unverzüglich ebenfalls eine Liste, wobei man im Commissariat die bereits früher gefer­tigte Aufstellung nutzen konnte. Durch Verfü­gung des RSHA vom 23. März 1945 kamen die Freilas­sungen dann in Gang.

[1] Höllen, Martin: Heinrich Wienken, der „unpolitische“ Kirchenpolitiker. Eine Biographie aus drei Epochen des deutschen Katholizismus, Mainz 1981: 114f. (zit. Höllen 1981)
[2] Katharina de Gilinsky (* 1901, † um 1989) – Sekretärin von Bischof Heinrich Wienken in Berlin – Sie wuchs als Russisch-Orthodoxe auf und konvertierte nach dem Ersten Welt­krieg zum Katholizismus. Auf Grund ihrer Russisch- und Polnischkenntnisse war sie vor allem nach 1945 für Bischof Wienkens Tätigkeit eine unersetzliche Hilfe (s. Höllen 1981: 14, Fußnote 63).

Die 33seitige Liste mit 374 Namen von KZ-Häftlingen, darunter 12 Ordens­schwestern, läßt erkennen, daß Bischof Heinrich Wienken alle Personen nach vorhandenen Vorlagen aufgelistet hat, selbst solche, die gar nicht ins KZ Dachau gekommen oder bereits gestorben waren.

Beispielseiten aus dem Diözesanarchiv Berlin V 158-3-9: 14, 19, 24

Liste15
Liste16

 

Hermann Scheipers am 2. Februar 2012 aus Ochtrup an Hans-Karl Seeger:
Weil ich schon nicht mehr lesen und schreiben kann, diktiere ich diesen Brief meiner Schreibhilfe.
Lieber Mitbruder, das war für mich etwas ganz Neues, daß ich 1945 zu­sammen mit Karl Leisner entlassen werden sollte. Ich erkläre es mir fol­gendermaßen, warum dies nicht geschah:
Karl Leisner war noch im Krankenrevier und konnte als Kranker nicht entlassen werden. (Das finden Sie illustriert bei „Jean Bernard, Pfarrer­block 25487“ Seite 199.) Kein Häftling durfte als Kranker entlassen wer­den.
Daß ich auch nicht entlassen wurde, hängt wahrscheinlich damit zusam­men, weil ich aus den Flecktyphusbaracken entlassen war. Oder man wollte für Karl Leisner einen möglichen Betreuer zurücklassen.
Bischof Wienken habe ich zweimal in Berlin besucht, um etwas über diese Dinge zu erfahren. Er hat geschwiegen wie ein Grab, denn als Di­plomat der Kirche bei den Nazis wurde er auch von den Polen wegen des Beichtverbotes angegriffen. Nur die Tapferkeit meiner Schwe­ster [Anna] hat er rühmend anerkannt. Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre Recher­chen.

Liste17

 

Auf ein Schreiben von Erzbischof Conrad Gröber vom 8. März 1945 ant­wortete Bischof Heinrich Wienken wie folgt:
Soeben geht das Schreiben Ew. Exzellenz vom 8. März hier ein. Ich beeile mich, es sofort zu beantworten.
Die Priester in Dachau habe ich nicht vergessen. Gerade in der letzten Zeit habe ich beim Reichssicherheitshauptamt wiederholt darauf gedrängt, daß die seit längerer Zeit praktisch bestehende Entlassungssperre aufgehoben werde. Nach meiner letzten Besprechung am Freitag voriger Woche im Reichssicherheitshauptamt war ich dann am Tage darauf, zusammen mit dem Dienststellenleiter der kirchlichen Abteilung, beim Chef der Abtei­lung IV, Herrn Gruppenführer [Heinrich] Müller. Dieser hat entgegen­kommenderweise eine Auflockerung in Aussicht gestellt. In meiner Gegen­­­wart hat er den Dienststellenleiter beauftragt, alsbald die ganz leich­ten Fälle zu überprüfen und zur Entlassung zu bringen. Weiterhin wurde ich gebeten, eine Liste der Geistlichen, die nach meiner Kenntnis, zur Entlas­sung kommen könnten, vorzulegen. Ich habe die Liste bereits gestern ab­gegeben. In wieweit nun tatsächlich Entlassungen erfolgen werden, bleibt abzuwarten. Erfreulich ist jedenfalls, daß grundsätzlich eine Auflocke­rung in Aussicht gestellt worden ist. Ich selbst werde in dieser Sache, da­von können Ew. Exzellenz überzeugt sein, nicht locker lassen.
Ew. Exzellenz schreiben, daß Geistliche vielfach wegen „Bagatell­sa­chen“ nach Dachau gekommen sind. Es trifft das zu, wenn man bei den vor­lie­genden Beanstandungen den moralischen Maßstab anlegt. Die Staats­poli­zei aber beurteilt Verfehlungen nach politischen Gesichtspunk­ten.
Es ist schmerzlich, daß Pfarrer Schneider inzwischen in Dachau verstor­ben ist.[1] Im allgemeinen war sonst in den letzten zwei Jahren die Sterb­lich­keitsziffer der Geistlichen in Dachau sehr gering. Einige Sorge habe ich freilich in dieser Hinsicht für die Zukunft, nachdem wegen der durch die Post verhängten Paketsperre, keine Lebensmittel mehr nach Dachau geschickt werden können. Beim RSHA habe ich dies auch bereits zur Sprache gebracht.[2]
[1] Richard Schneider starb am 6.9.1987 in Buchen.
Christoph Schmider vom Erzb. Archiv Freiburg/Br. am 8.12.2011 an Hans-Karl Seeger:
Einen weiteren Freiburger Diözesanpriester namens Schneider, der in Dachau gewesen wäre, gibt es in der Tat nicht. […] Denkbar wäre natürlich auch, dass Bischof Wienken sich mit dem Namen vertan hat. Allerdings wüsste ich auch dann keinen Freiburger Diözesanpriester, der gemeint sein könnte: In Dachau umgekommen sind meines Wissens Adolf Bernhard († 11.7.1942), Heinrich Feurstein († 2.8.1942), Anton Fränznick († 27.1.1944), Max Graf († 25.4. 1945) und Anton Spies († 9.4.1945).
[2] Erzbischöfliches Archiv Freiburg/Br. Nr. 2442

Christian Frieling:
Pfarrer Sonnenschein erinnert sich an eine spätere Unter­hal­tung mit Bischof Wienken, dem Vertreter der Bischofs­kon­fe­renz bei der Reichsre­gierung.[1] Dieser, der bis dahin für die Priester im Kon­zen­trati­onslager nicht viel erreicht hatte, berichtete, er sei einige Monate vor Beginn der Entlassun­gen im RSHA gewesen, um dort wegen der KZ-Prie­ster vorstellig zu werden. Dort sei er auf den SS-Offizier Müller, genannt „Gestapo-Müller“, getroffen. Nachdem er diesem sein Anliegen vorgetra­gen habe, habe der SS-Mann ihm gesagt, er solle zunächst bele­gen, wer überhaupt Geistlicher im Konzentrati­onslager sei. Er wünsche in zwei Stunden eine Namensliste. Wienken sei daraufhin in sein Büro gegan­gen und habe seiner Sekretärin [Katharina de Gilinsky] alle Namen diktiert, die ihm eingefallen seien. Danach habe er die Liste mit ca. 140 [374] Namen übergeben. Die Liste habe viele Priester des Bistums Münster enthalten, da er selbst aus dieser Diözese stammte und viele per­sönlich gekannt habe. Es wurden ca. 140 [173] Geistliche ent­las­sen, der Anteil der Münsteraner war hoch[2].[3]
[1] Johannes Sonnenschein war nach seiner KZ-Zeit von 1946–1951 in Emsdetten, Herz-Jesu, Kaplan. Dort war Joseph Schweins, der mit Heinrich Wienken am 5.6.1909 zum Priester geweiht worden war, ab 15.7.1939 Pfarrer in St. Pankra­tius. Als Bischof Wienken seinen Kursusgenossen besuchte, er­zählte er von der Begegnung mit „Gestapo-Müller“.
[2] Aus dem Bistum Münster wurden entlassen:
P. Franz Dabeck SVD, Heinrich Fresenborg, Reinhold Friedrichs, P. Alkuin Gaßmann OFM, Josef Helmus, Heinrich Hennen, P. Augustin Hessing OSB, Johannes Klumpe, Heinrich Kötter, P. Anton Krähenheide MSC, Matthias Mertens, Josef Meyer, Wilhelm Meyer, Laurenz Schmedding, Johannes Son­nenschein, Hermann Stammschröer und Wilhelm Weber

[3] Frieling, Christian: Priester aus dem Bistum Münster im KZ. 38 Biographien, Münster, 21993: 43
Auch Hans Schlömer hat die von Bischof Heinrich Wienken erstellte Liste am 31.1.1979 in seinem Brief an August Vorn­husen erwähnt:
[…] die Freilassung von P. [Joseph] Kentenich [SAC am 6.4.1945] geht zu­rück auf eine Liste von Weihbischof Wienken aus Clop­pen­­burg, damals Kommissar der Bischofskonferenz bei den Berliner Zentral­behörden, dem Mitte März 1945 angeboten wurde, er solle eine Liste von ca. 150 Priestern einreichen, die man aus Dachau entlassen wolle.
Auf der im Diözesanarchiv Berlin aufbewahrten Liste ist P. Joseph Kentenich SAC nicht aufgeführt.

Alexander Krahe:
Einen späten Erfolg erzielte er [Bischof Heinrich Wienken] im Frühjahr
1945, als nach Verhandlungen mit dem Amtsgruppen-Leiter im RSHA, Müller, 163 [173] Priester aus der Haft entlassen wurden.[1]
[1] Krahe 1994: 130f.

Hermann Eising aus Berlin W 30 am Montag, 27. August 1945, an Willi Leisner in Berlin:
Lieber Herr Leisner!
Wie Sie vielleicht wissen, sind die hochw. Herren vergangene Woche in Fulda [bei der Bischofskonferenz] zusam­mengewesen. Exz. W. [Wienken] brachte daher leider keine gute Nachricht über das Befinden Ihres Bruders mit. Em. [Michael Kardinal von] Faulhaber hätte gewußt, daß er dort irgendwo im Süden ist und daß sein Befinden be­sorg­niserre­gend sei. Ihr Vater hätte ihn besucht. Leider wußte Exz. W. nicht, wo sich Ihr ­Bruder befindet. Hoffentlich macht er sich wieder. Er hat ja in Dachau schon soviel ausgehalten, daß er jetzt bei guter Pflege erst recht wieder hoch­kommen müßte. Wenn es auch keine gute ist, so wollte ich Ihnen die Nachricht doch nicht vorenthalten. Ich hätte sie per­sönlich gebracht, hoffe aber, morgen zum Westen fahren zu können, hoffe auch durchzukommen. Seien Sie mit den besten Wünschen herz­lich gegrüßt von Ihrem Eising.

Willi Leisner aus Berlin am 23. September 1945 an seinen Schwager Burkard Sauer in Rothen­buch:
Für Karls Tod habe ich noch keine Bestätigung. Ich habe wohl durch Ex­zellenz Bischof Wienken (Rücksprache mit Kardinal Faul­haber in Fulda [bei der Bischofskonferenz]) die Nachricht, daß Karls Gesund­heitszustand besorg­nis­er­regend sei, er irgendwo im Süden (die Anschrift wußte er leider nicht) sei und daß Vater ihn besucht habe.
Wie es nun um Karl steht ist ungewiß. Wir müssen in Gott jedes Los, wie der Herr es bestimmt hat, tragen.

Großer Dank für das Bereitstellen der Informationen und des Materials, das im Karl Leisner-Archiv nicht vorhanden ist, gebührt Familie Wienken, Pfarrer Bernd Strickmann, Klaus Deux und Diakon Herbert Frye.