Vor 230 Jahren wurde Joseph von Eichendorff geboren

Joseph Karl Benedikt von Eichendorff (* 10.3.1788 auf Schloß Lubowitz bei Ratibor/ Racibórz/PL, † 26.11.1857 in Neisse/Nysa/PL) – Schriftsteller u. Lyriker der Ro­ma­ntik – zeitlebens praktizierender Katholik

Quelle des Fotos: Wikimedia Commons / Foto H.-P.Haack / CC BY SA 3.0 (abgerufen 20.01.2018)

 

 

 

Link zum Bericht „Schlesien: Auf den Spuren von Eichendorff in Lubowice“ im POLEN MAGAZIN vom 22. August 2014

Link zur Sendung Zeitzeichen im WDR5 vom 10. März 2018 – 10.03.1788 – Geburtstag Joseph Freiherr v. Eichendorff

Joseph Freiherr von Eichendorff in Karl Leisners Tagebucheinträgen

Mittwoch, 9. Februar 1938
Jakob Kneips „Porta Nigra“[1] hat mich erfreut und ernst zugleich gemacht. Ich bin gespannt auf den zweiten Band [Feuer vom Himmel, 1936], wie Mar­tin Krimkorn von seiner Berufung wirklich zum Altar findet. Einige Merk­sätze Langguths schie­nen mir gut[2]:

  1. Ruhe ist die erste Geistespflicht.
  2. Der Weisheit Anfang ist: Schauen, Denken, Schweigen.
  3. Ein Jahrhundert lang hat man die Seele der Jugend mit Buchstaben und Worten verödet. Nun müssen wir zurück zur Natur und zur Schweigsam­keit.
  4. Besser das Leben eines Wurms verstehn, als tausend Worte lernen, die tot in der Seele liegen.
  5. Ein hartherziges Geschlecht von Philistern und Greisen hat unsre Schule geschaffen. Man muß wieder den Geist des Lebens in die Schule tragen.
  6. Der Keim alles Lebens steigt aus der Scholle, nicht aus der Maschine. – Laßt uns die Scholle hüten!
  7. Zwölf heilige Männer haben in der Kraft ihres Glaubens die Erde umge­staltet. Die meisten unter ihnen waren Analphabeten.
  8. Kann man sich Christus mit einem Buche denken?
  9. Sie wollen Gott aus der Schule verbannen. Er wird mit seinem glühenden Auge ewig hinter der Menschheit stehn. Er wird wie das Echo des Wal­des, das Rauschen der Winde und das Licht der Sterne über uns – ewig, unaus­rottbar sein.[3]

Zum Schluß dies tiefe Gedicht von Eichendorff:
Ergebung
Es wandelt, was wir schauen,
/ Tag sinkt in’s Abendrot,
Die Lust hat eig’nes Grauen,
/ Und alles hat den Tod.
Ins Leben schleicht das Leiden / Sich heimlich wie ein Dieb,
Wir alle müs­sen scheiden / Von allem, was uns lieb.
Was gäb’ es doch auf Erden, / Wer hielt’ den Jammer aus,
Wer möcht’ geboren werden,
/ Hielt’st Du nicht droben Haus!
Du bist’s, der, was wir bauen,
/ Mild über uns zerbricht,
Daß wir den Him­mel schauen –
/ Darum so klag’ ich nicht!
So hing’s ein Jahr über meinem Bett in Freiburg
/Br. und ich verstand’s nicht tief. – Ich glaub’, ich hab’s verstanden, jetzt, als ich’s in Johannes Maaßens Buch „Von der Herrlichkeit des christlichen Lebens“ las.[4] – Alleluja! Amen.
[1] Kneip, Jakob: Porta Nigra, Leipzig 1932 (zit. Miller, O. 1933)
Im Mittelpunkt seines erzählerischen Werkes steht die Roman­trilogie: „Porta Nigra“ (1932), „Feuer vom Himmel“ (1936) und „Der Apostel“ (1955). „Porta Nigra“ zeigt autobiogra­phi­sche Züge. In späteren Auflagen ist der Titel wie folgt erwei­tert: „Porta Nigra oder Die Berufung des Mar­tin Krimkorn“.
Aus der Zeitschrift Der Jungführer:
Sein großer Roman ist „Porta Nigra“, ebenfalls sehr umstritten, aber beson­ders uns jungen Menschen ein bedeutungsvolles Buch (Jungführer 1935: 126).
[2] Jakob Kneip:
Als zum zweitenmal das Frühjahr heraufkam, sagte Langguth:
„Meine Aufgabe ist zu Ende. Ich habe Martin alles gelehrt, was er wissen muß. Nun mag er nach Koblenz zur Prüfung gehn.“
Dann nahm er Abschied.
Früh am Morgen, als die erste Glocke schallte, ging er den Weg zur Mosel hinab. Martin gab ihm das Geleit bis zur Fähre. Als der Nachen anlegte, reichte Langguth ihm die Hand und sagte:
„Du warst das Land, das ich bebauen mußte. Ich habe mein Werk getan. Das Weitere liegt bei Gott und deinem Willen, Martin.“ (Kneip 1932: 156f.).
Der Pilger Langguth ist wie folgt beschrieben:
Es ist Langguth, der ewige Pilger, mein getreuer Freund. Ich selber habe ihn in dieses Land geschickt. Verkannt und verachtet, wandert er im Kleid ei­nes Knechtes unter den Menschen. Sein Jahrhundert hat er hinter sich gelas­sen. Er, eines Mächtigen Sohn, hat alle Ehre, Macht, Reichtum und Gelehr­samkeit von sich abgeworfen. Die Freuden dieser Welt verachtet er und lebt mit den Ärmsten. Er tröstet sie, nährt sie und macht sich zu ihrem Diener. Ja, er ver­schmäht es nicht, im Stalle zwischen dem Vieh zu schlafen, wo der Bauer ihm das Bett verweigert. Im Sommer aber ruht er des Nachts auf Ber­ges­hö­hen, unter den Sternen, um mir ganz nahe zu sein (Kneip 1932: 65f.).
[3] Kneip 1932: 151f., die Ziffern vor den neun Sätzen hat Karl Leisner eingesetzt.
[4] Maaßen 1937: 287

Bücherlese 1938

„Doch eins, das alle hastig übersehen, das Kreuz bleibt auf den Trümmern einsam stehen!“ (Eichendorff)[1]
[1] Miller, O. 1933: 31
Joseph von Eichendorff:
„Deutschlands künftiger Retter“
Kein Zauberwort kann mehr den Ausspruch mildern, / Das sündengraue Alte ist gerichtet, / Da Gott nun selbst die Weltgeschichte dichtet / Und auf den Höhen zürnend Engel schildern: / Die Babel bricht mit ihren Götzenbildern, / Ein junger Held, der mit dem Schwerte schlichtet, / Daß Stein auf Stein, ein Trümmerhauf, geschichtet, / Die Welt vergeht in schauerndem Verwildern. / Doch eins, das alle hastig übersehen, / Das Kreuz, bleibt auf den Trümmern einsam stehen; / Da sinkt ins Knie der Held, ein arbeitsmüder, / Und vor dem Bild, das alle will versöhnen, / Legt er dereinst die blutgen Waffen nieder / Und weist den neuen Bau den freien Söhnen.
(URL http://gedichte.xbib.de/Eichendorff_gedicht_Deutschlands+k%FCnftiger+Retter.htm – 10.1.2014)

„Was wahr in Dir, wird sich gestalten, das andre ist erbärmlich Ding.“
(Eichendorff, Dichter).[1]
[1] Miller, O. 1933: 45
Joseph von Eichendorff:
„An die Dichter”

Wo treues Wollen, redlich Streben / Und rechten Sinn der Rechte spürt,
Das muß die Seele ihm erheben, / Das hat mich jedesmal gerührt.
Das Reich des Glaubens ist geendet, / Zerstört die alte Herrlichkeit,
Die Schönheit wei­nend abgewendet, / So gnadenlos ist unsre Zeit.
O Einfalt gut in frommen Herzen, / Du züchtig schöne Gottesbraut!
Dich schlugen sie mit frechen Scherzen, / Weil dir vor ihrer Klugheit graut.
Wo findst du nun ein Haus, vertrieben, / Wo man dir deine Wunder läßt,
Das treue Tun, das schöne Lieben, / Des Lebens fromm vergnüglich Fest?
Wo findest du deinen alten Garten, / Dein Spielzeug, wunderbares Kind,
Der Sterne heilge Redensarten, / Das Morgenrot, den frischen Wind?
Wie hat die Sonne schön geschienen! / Nun ist so alt und schwach die Zeit,
Wie stehst so jung du unter ihnen, / Wie wird mein Herz mir stark und weit!
Der Dichter kann nicht mit verarmen; / Wenn alles um ihn her zerfällt,
Hebt ihn ein gött­liches Erbarmen, / Der Dichter ist das Herz der Welt.
Den blöden Willen aller Wesen, / Im Irdischen des Herren Spur,
Soll er durch Liebes­kraft erlösen, / Der schöne Liebling der Natur.
Drum hat ihm Gott das Wort gegeben, / Das kühn das Dunkelste benennt,
Den frommen Ernst im reichen Leben, / Die Freudigkeit, die keiner kennt,
Da soll er singen frei auf Erden, / In Lust und Not auf Gott vertraun,
Daß alle Herzen freier werden, / Eratmend in die Klänge schaun.
Der Ehre sei er recht zum Horte, / Der Schande leucht’ er ins Gesicht!
Viel Wunderkraft ist in dem Worte, / Das hell aus reinem Herzen bricht.
Vor Eitelkeit soll er vor allen / Streng hüten sein unschuldges Herz,
Im Falschen nimmer sich gefallen, / Um eitel Witz und blanken Scherz.
Oh, laßt unedle Mühe fahren, / O klingelt, gleißt und spielet nicht
Mit Licht und Gnad, so ihr erfahren, / Zur Sünde macht ihr das Gedicht!
Den lieben Gott laß in dir walten, / Aus frischer Brust nur treulich sing!
Was wahr in dir, wird sich gestalten, / Das andre ist erbärmlich Ding. –
Den Morgen seh ich ferne scheinen, / Die Ströme ziehn im grünen Grund,
Mir ist so wohl! – die’s ehrlich meinen, / Die grüß ich all aus Herzensgrund!
(URL http://gedichte.xbib.de/Eichendorff_gedicht_An+die+Dichter.htm – 18.2.2018)

Lieder

Ich reise übers grüne Land

  1. Ich reise übers grüne Land, der Winter ist vergangen, |: hab um den Hals ein gülden Band, daran die Laute hangen. : |
  2. Der Morgen tut ein’ roten Schein, den recht mein Herze spüret, |: da greif ich in die Saiten ein, der liebe Gott mich führet. : |
  3. So silbern geht der Ströme Lauf, fernüber schallt Geläute, |: die Seele ruft in sich: „Glück auf!“ Rings grüßen frohe Leute. : |
  4. Mein Herz ist recht von Diamant, ein Blum von Edelsteinen: |: die funkelt lustig übers Land in tausend schönen Scheinen. : |
  5. Wie bist du schön! Hinaus, im Wald gehn Wasser auf und unter; |: im grünen Wald sing, daß es schallt: mein Herz bleibt frei und munter! : |
  6. Die Sonne uns im Dunkeln läßt, im Meere sich zu spülen, |: da ruh ich aus vom Tages­fest fromm in der roten Kühle. : |
  7. Hoch führet durch die stille Nacht der Mond die goldnen Schafe, |: den Kreis der Erden Gott bewacht, wo ich tief unten schlafe. : |
  8. Wie liegt all falsche Pracht so weit! Schlaf wohl auf stiller Erde, |: Gott schütz dein Herz in Ewigkeit, daß es nie traurig werde! : |

(Worte: Joseph von Eichendorff; Weise: Hermann Engel [* 1892], 1913)
Neumann 1932: 87f.
von Karl Leisner erwähnt: Liederbogen Nr. 2

Schwester Arsenia Stöger:
Ich lernte Karl Leisner (KL) kennen, nach­dem er spät abends in den er­sten Maitagen des Jahres 1945 von Dachau zu uns in das Waldsanato­rium Planegg ge­kommen war.
[…]
KL war anfangs noch ganz ver­stört. Er konnte es gar nicht fas­sen, daß er von der „Hölle“ Da­chau befreit sein sollte. In der Frühe, als die Sonne aufging, stand er am offe­nen Fenster und sagte: „Mein lie­ber Gott, wo bin ich denn jetzt? Schon im Himmel? Sechs Jahre lang habe ich kein Blüm­lein mehr gese­hen und kein Vöglein mehr singen gehört.“ Oft sagte er voll Freude und Dankbarkeit: „O Gott, wie groß, wie gut bist Du, wie schön ist Deine Welt.[1] Jetzt will und muß ich wieder ge­sund wer­den; wegen der Nazis will ich nicht sterben. Jetzt beginne ich zu leben für unse­ren Herr­gott, der mir geholfen hat aus so viel Nöten und Kämp­fen.“[2]
[1] Karl Leisner hatte vermutlich das Lied von Georg Thurmair „Mein Gott, wie schön ist deine Welt“ im Sinn.
[2] Seligsprechungs­prozeß: 1283

Während seiner Harzreise schrieb Joseph Freiherr von Eichendorff am 14.9.1805 in sein Tagebuch:
„O Gott! wie schön ist deine Welt! riefen wir alle einmütig aus im seligen Genusse und konnten nur mit Mühe unsere Blicke von der unermeßlichen Weite ablenken […]“ (URL http://www.lhbsa.de/fileadmin/templates/lhb/media/pdf/Route_Eichendorff.pdf – 18.4. 2012).

Mein Gott, wie schön ist deine Welt

  1. Mein Gott, wie schön ist deine Welt: der Wald ist grün, die Wiesen blühn, die großen Ströme ziehn dahin, vom Sonnenglanz erhellt; die Wolken und die Winde fliehn, das Leben rauscht und braust dahin. Mein Gott, wie schön ist deine Welt, wie schön ist deine Welt!
  2. Mein Gott, wie schön ist deine Welt: die Vögel jauchzen hoch hinauf, und niemand hemmt der Tiere Lauf da draußen auf dem Feld. Die Sonne bringt den Tag herauf, die Nacht erhellt der Sterne Lauf. Mein Gott, wie schön ist deine Welt, wie schön ist deine Welt!
  3. Mein Gott, wie schön ist deine Welt: der liebe Mensch mit Blut und Geist, der seinen Schöpfer lobt und preist, weil es ihm wohlgefällt. Wie leuchtet alles weit und breit und kündet deine Herrlichkeit! Mein Gott, wie schön ist deine Welt, wie schön ist deine Welt!
  4. Mein Gott, wie schön ist deine Welt: drum laß uns allzeit fröhlich sein, und brechen die Gewitter ein, dann sei uns zugesellt: dann lösch dein gutes Licht nicht aus und bleibe wie ein Gast im Haus, mein Gott, wie schön ist deine Welt, wie schön ist deine Welt!

(Worte: Georg Thurmair 1936; Weise: Heinrich Neuß 1936)
Kirchenlied 1938: 143f.