„Wer Rom liebt, muß nach Trier fahren!“

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So lautet der Titel des Artikels in der F.A.Z. vom 15. März 2014 von Dieter Bartetzko, in dem auf die Ausstellung „Ein Traum von Rom. Stadtleben im römischen Deutschland. Rheinisches Landesmuseum Trier“, geöffnet bis 28. September, hingewiesen wird.

Porta Nigra (lat.) = schwarzes Tor – monumentales ehemaliges Nordtor der römischen Stadtbefe­stigung
Quelle des Fotos: Wikimedia Commons / gemeinfrei (abgerufen 03.03.2014)

Für die katholische Jugendbewegung war Trier ein wichtiger Ort. Karl Leisner nahm wahr, was dort geschah.

6. Reichstagung des KJMVD in Trier vom 18. bis 22. Juni 1931
Die Sturmschar trat in Trier erstmals öffent­lich auf. Franz Ste­ber hielt  sein Referat „Katholische Jungmann­schaft im Deutschen Volk und Deutschen Reich“. Am Sonntag, dem 21. Juni 1931, wurde das Grundgesetz des KJMVD zum Beschluß erho­ben. Die Sturmschar-Parole „Wir schaffen für un­ser Reich“ war der Kerngedanke der Tagung. Der Leitgedanke war: Unser Reichs­gedanke – im Gottesreich, im Ju­gend­reich, im Deutschen Reich.

Aus der Zeitschrift „Sturmschar“:
Was ist das „Unser Reich“? Wir meinen damit ein dreifaches Reich: Ein Reich, das unser junges Leben ganz umfaßt und ausfüllen soll: Das Got­tesreich – Das Reich der Jugend – Das Deutsche Reich.[1]
[1] Sturmschar – Zeitschrift 1931: 29

Karl Leisner machte Notizen in sein Tagebuch und klebte eine Eintrittskarte ein:

Sonntag, 1. Mai 1932
Sturmtag des Jungmännervereins. – Film: „Feuer von Trier“ – (Die große Reichs­tagung [des KJMVD] 1931)[1] – Feine Bil­der! Begeisterung! Glän­zende Aufmärsche! – Anschließend Marsch zur Un­ter[stadt]kirche. Dort Maiandacht!
[1]
Ein Filmbericht über die 6. Reichstagung des KJMVD vom 18. bis 22. Juni 1931 in Trier. Höhe­punkt war die „Apostelweihe“ in den Abendstunden des 20. Juni 1931 am Grab des hl. Mat­thias, wo sich die Jugend dem Apostel weihte.

Aus der Zeitschrift „Der Jungführer“:
Der Film [„Feuer von Trier“] ist Eigentum der Leo-Film A.G., die das Ver­leihrecht hat und darum auch das Recht der Gebührenfestsetzung. Die Gebühr wird in sehr entgegenkom­mender Weise gestaffelt, je nach Größe der Veran­staltung. Es soll allen gro­ßen und klei­nen Bezirksverbänden möglich sein, den Film aufzuführen. […]
Die „Bifiz“ [Bild- und Filmzentrale] Köln, Apostelnstraße 17, gibt auf Wunsch zu dem Film einen Pro­grammvorschlag mit Liederfolge bei (Jungfüh­rer 1932: 39).

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Der Festspruch stammt von Georg Thurmair:

Feuer von Trier!
Fackeln haben wir getragen / durch die Nacht der dunklen Gassen.
Fackeln sollten allen sagen, / was wir lieben, was wir hassen;
sollten in das Dunkel brennen, / daß sie Gottes Licht erkennen.

Feuer haben wir entzündet, / Flammenringe, leuchtend hohe,
unsere Bruder­schaft begründet / in dem Ring der Feuerlohe;
eingebrannt in uns aufs neue / Christi ew’ge Feuertreue.

Gluten haben wir empfangen, / Brand in tiefstem Seelengrunde,
und ein hei­liges Verlangen / trug zu Herz die hohe Stunde,
Sehnen nach den reinen Gluten, / die in höchster Lieb verbluten.

Unsrer Fackeln helle Lichter / brannten uns ein Leuchten ein,
daß die schat­tigen Gesichter / glühten in dem roten Schein,
daß das Herz uns höher schlug / gleich dem hohen Feuerflug.

Und das Wort der höchsten Wahrheit / strahlte auf wie Gold im Licht –
Wirklichkeit in schönster Klarheit! / Christi Feuer schlafen nicht!
Glut will seine Flammen schlagen, / Hände wollen Feuer tragen.

Leuchte, Fackel, brenne, Feuer! / Glühe auf, du Gottesbrand!
Unsre Sen­dung, reiner, treuer / wetterleuchte in das Land –
Gnade bricht in Niede­run­gen, / Gottgeist spricht in Feuerzungen (Sturm 1932 – Festsprüche).

Sprechchor: „Vater unser“ von Georg Thurmair

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Clemens, Jakob (Hg.): Der Ruf von Trier, Düsseldorf 1931: 127–131

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Porta Nigra 1932

Quelle des Fotos: Karl Leisner-Archiv

 

 

 

Bei dem Laienspiel „Der Reich-Sucher“ von Ludwig Hoch [Hugin] brannte Feuer als Symbol für das Feuer in den Herzen für Christi Reich und ein neues Deutsch­land.[1] Es bildeten sich Begriffe wie „Feuer von Trier“, „Ruf von Trier“ und „Licht von Trier“.
[1]
Hoch [Hugin], Ludwig: Der Reich-Sucher. Ein Spiel in einem Aufzug (als Manu­skript gedruckt), München 1931
Anläßlich dieser Veranstaltung zeigte Karl Leisner zum ersten Mal In­teresse am Jungmännerverband, obwohl er selbst zum Katholischen Wander­vogel gehörte. Den Jungmännerverband gab es in Kleve erst ab 1932. Die Jüng­lingskongregationen, aus denen dieser hervorgegangen war, ent­sprachen Karl Leisners Vorstellungen vom Jungenleben eher weniger.

Karl Leisner erwähnt die Pilgerfahrt seines Vaters und seines Bruders nach Trier in einem Brief vom 9. September 1933 an Walter Vinnenberg.

Siehe Aktuelles vom 15. Dezember 2013  – Wallfahrt nach Trier zum Heiligen Rock vor 80 Jahren.

Die Bedeutung von Trier im Zusammenhang mit der Jugendbewegung klingt auch in einem Referat an, das Karl Leisner 1935 gehalten hat. Dazu hat er sich folgende Stichpunkte notiert:
Von 1920 bis 1930: Das abklingende Jahrzehnt der Jugendbewegung. – Partei­politische Zerklüftung [in der Weimarer Republik]. – Die großen geschicht­li­chen Mächte spüren um die Macht, die in der Jugend lebendig wurde. 1928 Neisse: Jungführer an die Front.[1] Trier 1931[2]
[1] Vom 27. Juni bis 1. Juli 1928 war die erste Verbandstagung des KJMVD unter Prälat Ludwig Wolker in Neisse/Schlesien. Damit setzte eine grundle­gende Än­derung der gesamten Verbandsarbeit ein. Im Vordergrund standen Jungführer­dienst und Jungführerbildung.
[2]
Vom 18. bis 22. Juni 1931 war die Reichstagung des KJMVD in Trier, am 21. Juni 1931 wurde das Grundgesetz zum Beschluß erhoben.