Wie Karl Leisners Eltern sich kennenlernten

Der Nachlaß von Willi Leisner brachte neue Erkenntnisse zu Tage

1905 hatte Wilhelm Leisner seine Ausbildung am Gericht in Kleve begonnen und war ab 1913 als Amtsgerichtssekretär in Neuß tätig.[1] Dort wohnte er Ca­nal­straße 17. Amalia Falken­stein war 1910/1911 mit ihrer Familie von Goch nach Neuß in die Josefstraße 25 gezogen, weil ihr Vater Friedrich Falken­stein dort beruflich mit einer Faß- und Kistenfabrik mehr verdienen konnte als in Goch.[2] In Neuß lernten sich Amalia Falkenstein und Wilhelm Leisner, die sich bereits von Goch her kannten, wo ihre Familien auf der Kle­verstraße ge­wohnt hatten, näher kennen.


[1] Am 28.4.1938 bekam Wilhelm Leisner eine Urkunde zur Anerkennung für 25jährige treue Dienste.
[2] Information von Willi Leisner aus Berlin am 26.4.2000 an Hans-Karl Seeger

 

 

Elternhaus von Amalia Falkenstein in Goch, Kleverstraße 36, vor 1944

 

 

 

 

 

 

 

Elternhaus von Wilhelm Leisner in Goch, Kleverstraße, nach 1945

 

 

 

 

 

Wie die Eltern von Karl Leisner sich kennen gelernt haben
Von seinen Schwestern Paula und Maria Leisner, meinen Tanten, erfuhr ich auf mein Fragen hin, wie ihre Eltern Wilhelm und Amalia, genannt Maly, sich kennen gelernt haben. Beide wohnten damals [in Neuß] nicht weit voneinander entfernt und gehörten zur selben Pfarrgemeinde. Wilhelm spielte Geige, was dem Vater von Amalia nicht verborgen geblieben war. Eines Tages sprach er den jungen Mann nach dem Gottesdienst daraufhin an und meinte, dass es doch schön sei, wenn er und seine Tochter Amalia miteinander musizieren würden, denn sie spiele Klavier. Gesagt, getan: Wilhelm Leisner besuchte nun regelmäßig das Haus der Familie Falkenstein, um gemeinsam mit Maly Musik zu machen. Eines Tages sei er etwas zu früh gewesen und ging, da ihm vorn niemand geöffnet habe, hinten zur Waschküche. Da habe er Maly gesehen, wie sie gerade dabei gewesen sei, Wäsche zu waschen. In diesem Augenblick hätte er bei sich gedacht: Eine Frau, die so schön Klavier spielt und dazu noch Wäsche waschen kann, die möchte ich einmal heiraten. Als sie [am 25. April 1914] geheiratet haben, geschah dies in kleinstem Kreis, und zwar nicht in ihrer Heimatpfarrei, sondern in Sankt Andreas in Köln am Grab von Albertus Magnus. Für das gesparte Geld bekam Maly ihr eigenes Klavier, so dass beide auch in ihrem neuen Heim gemeinsam musizieren konnten.[1]
[1] Hildegard Niestroj, geborene Leisner, aus Frankfurt am 14.11.2011 an Hans-Karl Seeger

Verlobungsfoto

Am 25. Dezember 1913 war die Verlobung von Amalia Falkenstein und Wilhelm Leisner in Neuß, am 24. April 1914 heira­teten sie dort stan­desamt­lich.[1]

Propst Viktor Roeloffs beschrieb die Eltern von Karl Leisner bei der Beerdigung von Mutter Amalia Leisner mit den Worten des mit der Familie Leisner befreundeten Paters Wilhelm Vollmerig MSC:
Wilhelm Leisner senior, der zuletzt Justiz-Oberinspektor in Kleve war, sei „eine gelungene Mischung aus Weihwasser, Benzin und Limonade“. Er wollte damit sagen: Dieser Mann ist fromm, unbedingt kirchentreu, auch wenn das öffentliche Glaubenszeugnis viel Mut kostete in der Nazizeit, so verkehrte er weiter mit Kaplan [Ferdinand] Stegemann, dem alten [Johannes] Pollmann, Kaplan [Ludwig] Deimel und Herrn van Appeldorn [von der Zentrumspartei]; und sie besuchten im Gefängnis an der Krohne­straße Pater Titus Brandsma [OCarm] 1942, bevor dieser im KZ Dachau [am 26.7.1942] umkam.
„Benzin“ – Vater [Wilhelm] Leisner war spontan-impulsiv – tempera­ment­­voll; er wußte, was er wollte, dabei leutselig, er sprach mit jeder­mann.
„Limonade“ – das meinte: er hatte ein wenig von der Rheinpfälzischen Süßlichkeit und Sentimentalität, Erbstück von seiner Mutter [Anna Henrich], die von der Rheinpfalz stammte.
Im Unterschied dazu war Mutter [Amalia] Leisner still, zurückhaltend, bescheiden, dabei aber sehr konsequent; sie erzog ihre fünf Kinder ohne viel Worte; war eine vorbildliche Hausfrau – noch die 90jährige wollte ihren Teil zur Hausarbeit beitragen! Ihr ruhiges Wesen war immer auf Ausgleich bedacht; und die Harmonie zwischen den Gatten übertrug sich auf die ganze Familie. Grundlage für diese Harmonie aber war ihr Glaube, ihre Gottverbundenheit. Diese christliche Überzeugung vor allem wollten die Eltern ihren Kindern mitteilen. Von dorther gewann auch Frau Amalia ihr klares Urteil angesichts der politischen und weltanschaulichen Umwälzungen um und nach 1933.
[1] s. Bescheinigung der Eheschließung Wilhelm Leisner und Amalia Falken­stein, Standesamt Neuß, 24.4.1914 u. Familienbuch der Familie Wilhelm Leisner