Wolfsburg: Karl-Leisner-Haus

Wolfsburg Karl-Leisner-Haus Wolfsburg Karl-Leisner-Haus 2

Nach einem feierlichen Gottesdienst in der Christophoruskirche in Wolfsburg wurde am Freitag, dem 12. Dezember 1980, das in unmittelbarer Nähe der Kirche liegende neu errichtete katholische Jugendheim „Karl-Leisner-Haus“ an der Kettelerstraße 3 durch den Bischof von Hildesheim Heinrich Maria Janssen[1] eingeweiht. Der Bauherr war die Katholische Kirchengemeinde St. Christophorus in Wolfsburg. An der Einweihung nahmen auch Karl Leisners Schwester Elisabeth und ihr Mann, Wilhelm Haas teil.

[1] Heinrich (Henn oder Hein) Maria Janssen (* 28.12.1907 in Rindern bei Kleve,† 7.10.1988 in Hildesheim) – Priesterweihe 29.7.1934 in Münster – Pfarrer und Dechant in Kevelaer 29.7.1949 – Ernennung zum Bischof von Hildesheim 14.5.1957 – Emeritus 28.12.1982 – Sein Bischofskreuz wurde ihm von der Familie Joseph Ruby aus Freiburg geschenkt, bei der er, wie auch Karl Leisner, während seiner Außensemester gewohnt hatte. Das Kreuz mit 12 Edelsteinen, als Symbol für die 12 Kinder der Familie hatte Joseph Ruby für seine Frau Elisabeth anfertigen lassen, statt des nicht angenommenen national-sozialistischen Mutterkreuzes.

Wolfsburger Presse

Zeitung1-1
Zeitung2-1
Zeitung3

 

 

Wolfsburg VWVon 1938 bis 1945 trug die Stadt Wolfsburg den Namen „Stadt des KdF-Wagens[1] bei Fallersleben“ und war nur als Wohnort für die Mitarbeiter des Volkswagenwerks konzipiert. Die Änderung des Namens in „Wolfsburg“ wurde am 25. Mai 1945 durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Wolfsburg gehört zur Diözese Hildesheim.

[1] KdF = Kraft durch Freude; der KdF-Wagen war der spätere VW-Käfer

 

Wolfsburg ChristophoruskircheAm 3.12.1980 schrieb der Diakon Karl Theodor Weise an Wilhelm Haas: „In diesen Tagen jährt sich zum 40. Mal der Tag, an dem Ihr Herr Schwager in das KZ Dachau eingeliefert wurde; vielleicht habe ich schon erwähnt, daß es etwas Bewegendes hat, sich daran zu erinnern, daß die Jahre seines Leidens zusammenfallen mit dem Aufbau der damaligen „Stadt des KdF-Wagens“ (so hieß Wolfsburg im 3. Reich) zu einer Modellstadt des Nationalsozialismus. Nach dem Willen der Machthaber sollte es eine „Stadt ohne Kirchen“ werden. Die erste Kirche, die nach dem Kriege geweiht wurde, ist die St. Christophoruskirche[1], in der nun die Feier stattfindet; ihr Weihetag, der 12.8.1951, ist zugleich der 6. Todestag Karl Leisners. Hoffen wir, daß diese Fügung ein gutes Omen ist.“

[1] Die St. Christophoruskirche ist die älteste Kirche in Wolfsburg, sie wurde nach den Plänen von Peter Koller erbaut und steht unter Denkmalschutz; seit 2010 Fusion mit fünf weiteren Gemeinden.

Impressionen zur Kirche

Wolfsburg Christophoruskirche 2Wolfsburg Christophoruskirche 3

Wolfsburg Christophoruskircher 5Wolfsburg Christophoruskirche 4

 

 

* * * * *

Scan Baustein WolfsburgFinanziert wurde das Jugendheim durch Kirchensteuern und Fördergelder, einem Zuschuss der Stadt Wolfsburg, aus Mitteln des Bonifatiuswerks Paderborn und durch eine Bausteinaktion der Gemeinde, an der sich auch der IKLK und einige seiner Mitglieder beteiligten.

 

 

Träger des Karl-Leisner-Hauses ist inzwischen das Dekanat Wolfsburg-Helmstedt. Die bebaute Fläche des voll unterkellerten Hauses beträgt 223 qm. Die Gruppen-, Freizeit-, Bastel- und Werkräume werden heute von verschiedenen Kinder- und Jugendgruppen wie Kinderchor, Pfadfinder, Messdiener und Sportgruppen genutzt, aber auch für Veranstaltungen und Aktionen des Dekanates. Darüber hinaus gibt es zahlreiche offene Angebote wie Jugendcafé, Lebenswochen, erlebnispädagogische Tage und Wochen, Kinder- und Jugendfreizeiten. Es besteht eine gute Zusammen­arbeit mit den örtlichen Schulen, z. B. bei Projekttagen.

Kaplan Stefan Herr schreibt am 4.11.2015: „Der Name für das Haus wurde gewählt, da ja der Selige Karl Leisner ein Patron und Vorbild für die Jugend ist. […] Das Haus feiert in diesem Jahr sein 35jährigs Bestehen.“ Stefan Herr weist auf laufende Gespräche mit der Stadt Wolfsburg hinsichtlich eines offenen Jugendtreffs für die Jugendlichen des Stadtteils im Karl-Leisner-Haus, auch KatJu[1] genannt, hin.

Nach den Aufzeichnungen Karl Leisners ist er zumindest einmal durch den Osten Niedersachsens gefahren. Im August 1929 gab es eine Gruppenfahrt nach Rügen unter der Leitung von Walter Vinnenberg[2]. Auf der Rückfahrt besichtigte die Gruppe Berlin und trat dann die Heimfahrt an.

[1]  Auf der Internetseite steht: Das KatJu ist DAS katholische Jugendhaus in Wolfsburg […] und auch das „Karl-Leisner-Haus.“ Es folgen eine Fotoserie von Karl Leisner und ein umfassender Lebenslauf.
[2] Prälat Dr. phil. Walter Vinnenberg (* 8.6.1901 in Lippstadt, † 1.12.1984 in Bocholt) – Priesterweihe 27.2.1926 in Münster – Kaplan in Kleve St. Mariä Himmelfahrt u. Religionslehrer am Gymnasium in Kleve in allen Klassen v. 1.4.1926 bis Pfingsten 1929 – Außerdem unterrichtete er Hebräisch und Sport und leitete eine religions­philosophische Arbeitsgemeinschaft. Er gewann Karl Leisner für die Jugendarbeit und gab den Anstoß zur Gruppenbildung. Mit den Jungen unternahm er zahlreiche Fahrten auch noch nach seiner Tätigkeit in Kleve.

Nach den Aufzeichnungen Karl Leisners ist er zumindest einmal durch den Osten Niedersachsens gefahren. Im August 1929 gab es eine Gruppenfahrt nach Rügen unter der Leitung von Walter Vinnenberg[1]. Auf der Rückfahrt besichtigte die Gruppe Berlin und trat dann die Heimfahrt an.

[1] Prälat Dr. phil. Walter Vinnenberg (* 8.6.1901 in Lippstadt, † 1.12.1984 in Bocholt) – Priesterweihe 27.2.1926 in Münster – Kaplan in Kleve St. Mariä Himmelfahrt u. Religionslehrer am Gymnasium in Kleve in allen Klassen v. 1.4.1926 bis Pfingsten 1929 – Außerdem unterrichtete er Hebräisch und Sport und leitete eine religions­philosophische Arbeitsgemeinschaft. Er gewann Karl Leisner für die Jugendarbeit und gab den Anstoß zur Gruppenbildung. Mit den Jungen unternahm er zahlreiche Fahrten auch noch nach seiner Tätigkeit in Kleve.

Berlin, Freitag, 23. August 1929
Um 24.00 Uhr fuhren wir nun mit dem Nachtzug (22.8./23.8.) [von Ber­lin über CharlottenburgSpandauRathenowStendalLehrteHannoverBückeburgMindenPorta WestfalicaBad OeynhausenLöhne] dem „Hei­mat­lan­de“ zu. Von 24.00 bis 2.00 Uhr spielten wir „66“[1]. Von 2.00 bis 2.30 Uhr auf der Platt­form gestanden.[2] Von 2.30 bis 3.00 Uhr ge­pennt.

[1] ein Kartenspiel
[2] Zahlreiche Personenwagen hatten Einstiegsplattformen an den Wagenenden, über die man auch von einem Wagen zum anderen gehen konnte. Bei Eil- und D-Zügen waren diese überdacht und mit Faltenbalg geschützt.

Karl Leisner trat am 5. Mai 1934 in das Collegium Borromaeum in Münster ein und lernte dort Heinrich Maria Janssen kennen, der im gleichen Jahr zum Priester geweiht wurde.
Anlässlich der bevorstehenden Einweihung des Karl-Leisner-Hauses schrieb Karl Theodor Weise aus Wolfsburg am 4.10.1980 an den Vorsitzenden des IKLK Heinrich Kleinen in Uedem:
Er [Heinrich Maria Janssen] schrieb uns ein biographisches Detail, nämlich daß er noch mit Karl Leisner nach Dachau korrespondiert habe, als er selbst schon Vikar in Schneidemühl war.

Münster, Samstag, 9. Juni 1934
Nach dem Essen Spaziergang mit Diakon Hein [Heinrich Maria] Janssen – Rindern und „Seminarist“ Hugo Rogmans, Kevelaer! Durch [die] Stadt zum Aasee zurück zum [Priester-]Seminar. Wir sprechen über „Katholi­sche Jugend“: Begeisterung. Seelsorge – Märtyrertum! ( Religi­onslehrer [Rein­hold] Friedrichs feine Art). Hein erzählt wunderbar von [Ludwig] Wolkers „Sterbestunde“. Als Generalsekretär [Jakob] Clemens ihm die hei­lige Kom­munion gebracht habe, habe er das „Gloria“ laut ange­stimmt! Die große Seele der Freude der Gotteskin­der. O, welch herrlichen Gene­ral[-Präses] haben wir!

Kleve, Sonntag, 29. Juli 1934
Hein [Heinrich Maria] Janssen ist zum Priester geweiht!

Janssen† Am Sonntag, dem 29. Juli, wird der Hochwürdigste Herr Bischof Cle­mens August [Graf von Galen] mir im Hohen Dom zu Münster die heilige Prie­sterweihe spen­den. Die feierli­che Heimatprimiz ist am Sonntag, dem 5. August, um 10 Uhr in der St. Willi­brordus-Pfarrkirche zu Rindern bei Kleve.
Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserm Gott!
Heinrich Janssen, Diakon.
Münster, im Juli 1934. Priesterseminar
Wir wollen weiter fürnander beten!
Hein Janssen: Oft war ich mit ihm los in Münster, während des 1. und 2. Seme­sters.[1] Ein begeisterter, schaffensfroher Jugendfreund! Aus dem be­nach­­barten Rindern. Seine Primiz feierten wir mit in der Kirche [St. Willi­brord in Rindern] und im Säl­chen. Heute ist er in Schneidemühl.

[1] Es kann sich nur um das 1. Semester handeln; denn die Priesterweihe von Hein­rich Janssen fand im Sommersemester 1934 statt.

Münster, Mittwoch, 10. November 1937
Hein [Heinrich Maria] Janssen nach Mittag kurz da.

Münster, Donnerstag, 11. November 1937
Hein J. [Heinrich Maria Janssen] auf Besuch von 9.00 bis 9.30 Uhr. Coll. de fam. R. – de Bernd etc. [Colloquium de familia Ruby – de Bernd etc. – Gespräch über Familie Joseph Ruby – Bernhard Ruby usw.]

Am 9. November 1939 wurde Karl Leisner im Lungensanatorium Fürstabt-Gerbert-Haus in St. Blasien verhaftet und kam über die Gefängnisse Freiburg und Mannheim in das KZ Sachsenhausen und am 14. Dezember 1940 als Schutzhäftling in das KZ Dachau.

Um nicht auf jegliche Verbindung mit seinen Verwandten und Freunden zu verzichten, suchte er durch Grüße und Glückwünsche zu den Gedenktagen den Kontakt mit ihnen zu halten.

Samstag, 19. April 1941
Karl Leisner aus Dachau, Block 28/1, an seine Familie in Kleve:
Sagt Henn[1] auch viele Grüße.

[1] Vermutlich Heinrich Maria Janssen, genannt Henn, aus Rindern. Er war damals Kuratus in Schneidemühl.

Freitag, 22. August 1941
Karl Leisner aus Dachau, Block 28/1, an seine Familie in Kleve:
Wie ich mich herz­lich über Hein J’s [Hein­rich Maria Janssens] und der drei Buben [Ruby-Söhne Heri­bert, Peter und Rudolf] Gruß gefreut hab’. Kin­ders, da mal wie­der dabeisein! Grüßt sie mit tapfe­rem Handschlag!

Freitag, 20. Februar 1942
Karl Leisner aus Dachau, Block 26/3, an seine Familie in Kleve:
Auch Hein J. [Janssen] in Schn’mühl von mir d. P. Ludwig [und von Pater Ludwig Hiller SDS[1]] treue Grüße!

[1] P. Ludwig Hiller SDS war in Breslau verhaftet worden und am 25.8.1941 ins KZ Dachau gekommen.

Sonntag, 9. August 1942
Karl Leisner aus Dachau, Block 26/3, an seine Familie in Kleve:
Heinz Otten, Henn [Heinrich Maria] Janssen noch gu­ten Gruß zum Namenstag (15.7.)!

Sonntag, 1. November 1942
Karl Leisner aus Dachau, Block 26/3, an Familie Joseph Ruby in Frei­burg/Br.:
Was macht Ihr alle noch, Vati, Gertrud, Maria und die Buben? Allen gilt mein treuer Gruß; auch an Hein. [Heinrich Maria] Jans­sen![1]

[1] Heinrich Maria Janssen zählte sich als 13. Kind der Familie Ruby.

Vom Spätherbst 1942 an konnten die Häftlinge Lebensmittelpakete erhalten. Karl Leisner bedankt sich in seinen Briefen bei den Spendern.

Samstag, 9. Januar 1943
Karl Leisner aus Dachau an seine Familie in Kleve:
Am 15.[12.1942] eröffnete Euer prachtvolles Weih­nachtspaket den Reigen. Dann kamen an von Goch, Dortmund, Regens [Arnold] Francken, Henn [Heinrich Maria] Janssen und von Familie Franz Austrup [Austing], Oldorf bei Damme in Oldenburg. Allen lieben Wohltätern herzlichen persönlichen Dank!

Samstag, 16. Oktober 1943
Karl Leisner aus Dachau an seine Familie in Kleve:
Von [P. Ludwig] Paul Hiller [SDS], der sich sehr freute und grüßen läßt, bestellt doch auch mal an Hein [Hein­rich Maria] Janssen in Schneidemühl gute Grüße, von mir gleich ein paar kräf­tige dazu.

Sonntag, 22. Oktober 1944
Karl Leisner aus Dachau, Block 26/3, an Mutter Elisabeth Ruby in Freiburg/ Br.:
Sehr verehrte, liebe Frau Dr. Ruby!
Gestern hörte ich, daß Kleve und unser Haus zer­stört sind. Gott sei Dank leben Eltern und Schwestern. Wie geht es Euch allen daheim – wer ist noch dort? – und den Buben an der Front? Was macht Hein [Heinrich Maria] Janssen?

Impressionen zum Karl-Leisner-Haus

Wolfsburg Karl-Leisner-Haus 3 Wolfsburg Karl-Leisner-Haus 4

Text und Fotos Christa Bockholt und IKLK-Archiv