Xanten: Karl-Leisner-Straße im Ortsteil Beek

Xanten Karl-Leisner-Straße

 

Am 5. Januar 2000 teilte der Bürgermeister der Stadt Xanten, Christian Strunk, dem IKLK mit, dass in einem Neubaugebiet östlich des historischen Stadtkerns die Haupterschließungsachse nach Karl Leisner benannt würde. Er begründete diesen Beschluss mit Karl Leisners herausragender Bedeutung.

 

 

 

Die weiteren Straßen im Neubaugebiet Beeksches Feld wurden nach Hildegard von Bingen, Dietrich Bonhoeffer, Marie Curie, Nikolaus Groß, Regina Protmann, Nelly Sachs, Sophie Scholl, Johanna Sebus, Edith Stein, Gerhard Storm und Berta von Suttner benannt.

Im Januar 2001 wurde das Straßenschild angebracht. Ein weiteres Schild wurde vorab von dem ehemaligen Domküster Helmut Sommer zum Grab Karl Leisners in die Krypta des Xantener Doms gebracht.

Xanten Karl-Leisner-Straße Foto Sommer (2)Xanten Karl-Leisner-Straße Foto Sommer 2

Fotos: Helmut Sommer

Die Mitglieder des IKLK wurden mit den Rundbriefen Nr. 41, Seite 24, vom Februar 2000, und Nr. 44, Seite 89, vom August 2001 über die Ehrung Karl Leisners informiert.

Karl Leisner hatte zu Xanten, und besonders zum Dom St. Viktor, eine besondere Beziehung. Die heute wesentlichste Erinnerungsstätte des Seligen ist sicherlich seine Grablege in der Krypta des Xantener Doms.[1] Mit Xanten wird er auch seine Mitschüler und Konabiturienten Gerd Tosses und Emil de Vries verbunden haben. Wenn die Jungen „auf Fahrt“ waren, kamen sie häufig durch Xanten.

[1] Die Beiträge zum Xantener Dom und zur Krypta einschließlich der Beziehungen Karl Leisners zum Dom werden nach und nach unter Erinnerungsstätten abgelegt.

Das früheste schriftlich erhaltene Zeugnis von Karl Leisner ist ein Schulaufsatz. Darin beschreibt Karl Leisner einen Ferienausflug mit seinem Vater und seinem Bruder Willi, der sie auch nach Xanten führte.

Mittwoch, 26. Mai 1926
Unser Ferienausflug.
[…]
Als wir in Xanten waren, sahen wir das alte Clever­tor[1]. Nun gingen wir zum Dom. Vor dem Xantener Dom war ein großes ho­hes Kreuz, und der Kreuz­weg. In dem Dom waren viele Altäre und die Reli­quien der 330 Märtyrer, welche mit Viktor im altrömischen Am­phi­theater zu Birten den Märtyrertod erlitten; es waren auch noch von an­de­ren Heiligen Reli­quien in dem Dom. Wir sind auch auf dem Chor ge­we­sen, wo herrliche Gobelins hingen. Nun gingen wir zu [Familie] Rennings[2] und tranken dort Kaffee; als wir Kaffee getrunken hatten, gingen wir über den Für­stenberg nach Birten. […]

Um 10.00 Uhr [Donnerstag, 27. Mai 1926] fuhren wir mit dem Dampfer nach Xanten.
[…]
Dann gings in einem durch bis Xanten. Dort gingen wir zum Bahnhof Xanten-West.[3] Von dort aus fuhren wir über Uedem – Goch nach Cleve.

[1] Das Klever Tor befindet sich an der Klever Straße. Es wurde 1393 erbaut und ist die älteste erhaltene rheinische Doppeltoranlage.
[2] Aus Familie Rennings in Xanten, Niederstr. 14, stammte Maria Falkenstein, geb. Ren­nings, die Ehefrau von Mutter Amalia Leisners Bruder Willi Falkenstein.
[3] Der Bahnhof Xanten-West existiert nicht mehr. Nur noch das Straßenschild „Box­teler-Straße“ erinnert an die ehemalige Bahnstrecke Boxtel–Wesel der soge­nannten Boxteler-Bahn.

Xanten gilt als einer der Geburtsorte des legendären Siegfried aus dem Nibelungen­lied. 1932 schreibt Karl Leisner dazu einen Aufsatz.

Donnerstag, 28. Januar 1932
Kriemhild, die Tochter des Burgunderkönigs, wächst zu einer herrlichen, blühenden Jungfrau heran. Zunächst will sie von Liebe nichts wissen; denn ihre Mutter hat ihr gesagt, Liebe endige immer in Leid. Als aber der tapfere Sieg­fried um sie wirbt, vergißt sie all ihre Bedenken und entbrennt in Liebe zu ihm. Allen hatte sie bis dahin widerstanden. Nur ihm kann sie sich nicht ver­sagen. So sehn wir sie als glückliche Braut und Gattin Siegfrieds. Sie zieht mit ihm nach Xanten und erlebt an seiner Seite Jahre reinsten Glücks. Sie gebärt Siegfried einen Sohn, und so ist ihr letztes Sehnen erfüllt. Aber nicht lange mehr sollte ihre Gatten- und Mutterfreude dauern. Nachdem sie schon zehn Jahre vom Hofe der Burgunder fern war, lädt ihr Bruder, der König Gunther, auf Drängen seiner Frau Brunhilde Siegfried und Kriem­hild ein, zu kommen. Sie stimmen zu und reisen an den Hof nach Worms.

Bei der Viktortracht 1936 wurde das Laienspiel „Die Ritterweihe Siegfrieds“ von Franz Johannes Weinrich aufgeführt. Ob Karl Leisner dieses Spiel gesehen hat, ist nicht bekannt.

Zu Pfingsten 1932 fahren die Jungen zum Bundestag des Katholischen Wandervogels in Marienthal bei Wesel.

Monreberg, Freitag, 13. Mai 1932, 2. Tag
Durch die Brüllhitze marschierten bzw. schlichen wir über Mari­en­baum – Xanten über die Autostraße bis zur Landungsstelle der Ponte nach Bislich.[1] In dem Schatten der Linden ruhten wir uns aus, fut­terten und ope­rierten unsere Füße.

[1] Die Fahrrad- und Personenfährverbindung Bislich-Xanten über den Rhein exi­stiert bis in die heutige Zeit.

Marienthal, Sonntag, 2. Juli 1933
In Xanten treffen wir Gerd Tosses, den „Mitver­urteiltwer­denden“ [die Jungen hatten den Hitlergruß von ihrem Lehrer Dr. Wilhelm Verleger nicht erwidert]. Wir lachen feste!! Nach einigen Scharmüt­zeln sind wir gegen 21.45 Uhr in Kleef [Kleve]!

Kleve, Montag, 3. Juli 1933
Vorladung vor den Herrn Direktor [Dr. Karl Hofacker]: Gerd Tosses, Jan van Lier, Manes [Hermann Mies], Jupp G. [Gerlings] und ich müssen als „Bon­zen“ – folgenden Wisch unterschreiben:
„Die unterzeichneten Schüler verpflichten sich hiermit, sich jeder verleum­derischen oder hetzerischen Äußerung gegen die Regierung und ihr Werk zu enthalten.“
Wir hatten uns – Gott weiß, wie – auf scharfe Reden der Geit [von Dr. Wil­helm Verleger] gefaßt gemacht. Aber, es war sehr, sehr zahm. Zeus [Direktor Karl Hofacker] ist doch ein feiner Kerl!

Kleve, Mittwoch, 2. August 1933
1. Tag [der Baltrumfahrt]
5.20 Uhr ab Hause. (Vorher geklöngelt [Zeit vertan]!). Feiner Morgen! Durch Stern­busch nach Kalkar – Xanten – Rheinwiesen – Wesel.

Visbeck, Sonntag, 20. August 1933
19. Tag
Über die Brücke – Rhein­wiesen – Wardt nach Xanten (Dom geknipst). – Um 15.00 Uhr weiter gegen starken Wind nach Marienbaum.

Zum 1. Mai 1934 tritt Karl Leisner in das Collegium Borromaeum[1] in Münster ein, um Priester zu werden und mit ihm seine Konabiturienten aus Xanten Emil de Vries[2] und Gerd Tosses.

[1] Collegium Borromaeum in Münster – 1563 hat das Konzil von Trient Bestimmun­gen für die Erziehung von Klerikern festge­setzt. 1853 wurde in Münster am Domplatz das entsprechende Haus dazu gegründet, das Colle­gium Borromaeum. Der Neubau von 1912–1915 umfasste ca. 200 Einzelzimmer, die man zum Teil auch als Doppelzimmer einrichtete. Nach sei­ner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erfuhr das Haus ver­schiedene Umbauten. Die Studenten nannten es auch Kasten oder Bau; denn damals bekamen sie keinen Haus­schlüs­sel für das abends und nachts geschlossene Gebäude.
[2] Unteroffizier cand. theol. Emil de Vries, genannt Döll, (* 19.8.1913 in Xanten, † 16.5.1942 bei Sinjawino/RUS) – Xanten-Hochbruch, Holzweg 64a – Er machte mit Karl Leisner 1934 das Abitur. – Eintritt in das Collegium Borromaeum in Münster 1.5.1934 – ab 1938 beurlaubt

Münster, Donnerstag, 10. Mai 1934, Christi Himmelfahrt
Nach dem Mittagessen um 13.30 Uhr mit Gerd Tosses auf zum großen Aus­gang[1]!

[1] Die Hausordnung erlaubte an bestimmten Tagen, sich längere Zeit außerhalb des Collegium Borromaeum aufzuhalten.

Münster, Sonntag, 13. Mai 1934
Den Ausgang ver­bracht mit Döll [Emil de Vries] im Schloßgarten und im botani­schen Garten der „Uni“. (In den Treibhäusern exotische Gewächse.)

Auf der Pfingstfahrt 1934 kommen die Jungen erneut durch Xanten. In seinen Aufzeichnungen hebt Karl Leisner den Dom besonders hervor.

Kleve, Samstag, 19. Mai 1934, Pfingstvigil
UNSERE PFINGST-FAHRT 1934
Hurtig ging’s los, nachdem wir uns in drei Gruppen [der Zeit entspre­chend[1]] eingeteilt: Kalkar – Xanten (Dom!) – Rheinwie­sen – Türme von Wesel – [Rhein-] Brücke zu Onkel Hans.

[1] Leisner, Willi: Tagebuch Nr. 5: 33
Als Großgruppe hätten sie bei den Nationalsozialisten Aufsehen und Argwohn erregt.

Kleve, Montag, 28. Mai 1934
Endlich sitze ich dann um 8.45 Uhr auf dem Stahl­rößle. Meine gute Mutter hat mir alles schon fein zurechtgepackt.
Abschied von meinen Lieben! […] Kalkar – Marienbaum: Einkehr beim Gna­denbild Mari­ens und Bitte um gute Fahrt ins Semester – Xanten – Rhein­wiesen – Wesel.

Münster, Montag, 23. Juli 1934
Nach dem Essen mit Emil de Vries (Döll) los zum Uniplatz: Training im Hochsprung 1,25 m – Kugel 8,10 m – und 400 m (unbestimmt).

Münster, Montag, 14. Mai 1934
Abends mit Paul Dyckmans und meinen zwei Conabi­turentes [Gerhard Tosses und Emil de Vries („Döll“)] spazieren auf dem Domplatz.

Münster, Dienstag, 18. Dezember 1934
Im Abendsilentium mit Gerd Tosses froh gesprochen und geplaudert.

Münster, Sonntag, 19. Mai 1935, 4. Sonntag nach Ostern
Per glücklichen „Zufall“ kommt Gerd Tosses mit daher und lädt Willi [Michels] mit ein, von 19.30 bis 20.30 Uhr Emils (de Vries) Namenstag mitzufeiern. Prächtige Sitzung. [Jo­hannes] Wahmhoff und Fritz Häfner funken – ebenso Hein Maags [jun.] mit seinem uner­setzlichen „Pastor van Schnorrenbeck“ – fröhlichste Heiterkeit freu­di­ger Gotteskinder – keine Prüderie, sondern herzliche Lebensbeja­hung. – Ordens­verteilung an Emil, unsern Frühsportdirektor. Tolle Sache!

Münster, Sonntag, 23. Februar 1936
Draußen tobt der Fastnachtstrubel. Nach der heiligen Handlung [Eucha­ristie­feier] am Mor­gen setze ich mich mit „Döll“ [Emil de Vries] zusammen, um die Religions­philosophie, besonders die Gottesbeweise noch mal durch­zugehn. Um 10.00 Uhr verspeisen wir die letzte heimatliche Blutwurst auf Korinthenbrot.

Zu den Feierlichkeiten anlässlich der großen Viktortracht 1936 gehörte auch eine Bekenntnisfeier der Jungmänner am 27. September 1936.

Mittwoch, 23. September 1936
Emil de Vries aus Xanten an Karl Leisner in Kleve:
Lieber Karl!
Herzlich willkommen in Xanten.
ad 1.) 8.00 Uhr im Kolpinghaus[, Karthaus 14, heute Polizeiwache Xan­ten,] werdet Ihr erwartet von uns,
ad 2.) DJH sehr besetzt[1], Strohlager beim Bauern. Decken mitbringen!
ad 3.) Wird gemacht.
Sonst wünsch ich Dir alles Gute. Pater [Friedrich] Vorspel [SJ] predigt, Abt [Dr. Hugo Lamy der flämischen Prämonstratenserabtei] von Tonger­loo pontifiziert. Es wird schön werden. Also bis Samstagabend [26.9. 1936].
Gruß zu Haus Emil

[1] In Xanten gab es von 1925 bis 1939 eine bescheidene Jugendherberge Karthaus/Ecke Rheinstraße. Heute befindet sich dort der Kindergarten St. Viktor.

Zu den Außensemestern ging Karl Leisner nach Freiburg. Dort nahm er am 1. April 1936, dem Beginn des Sommersemesters, sein Studium auf. Emil de Vries folgte ihm zum Wintersemester 1936.

Mittwoch, 28. Oktober 1936
Emil de Vries aus Münster, Postkarte, an Karl Leisner in Kleve:
Lieber Karl.
Möchte Dir mitteilen, dass ich nach Freiburg/Br. gehen darf, aber Silen­tium [Stillschweigen] darüber. Da mir nun das Kolpinghaus noch nicht geant­wortet hat, möchte ich Dich bitten, mir nach Hause einige Adressen von Woh­nungen [in Freiburg/Br.] zu schicken. Ich komme Dienstag wie­der nach Hause [nach Xanten] und fahr dann ab. Im übrigen stehen wir vor dem Schriftlichen, zuerst bei Kaupeh [Professor Heinrich Kaupel], was wird es geben? Also Antwort erbeten an Xanten usw. Mit besten Grü­ssen und Wünschen für Deine Gesundheit Emil

Freiburg/Br., Mittwoch, 2. Dezember 1936
Abends (17.00 Uhr) in St. Carolus Nikolaus gespielt. Fein! Für die 7- bis 12jährigen Buben und Mädel.
Ich entdecke ganz neu meine große Liebe zu Kindern. Eine wunderbare Freude machte es mir, jedem in die tiefen, glücklichen Augen zu schauen und das „Sprüchlein“ danach zu sagen nach den Stichworten von Schwester (Oberin) Goswina [Döbele OSF]. Es war so eine echte Stunde frohen An­schau­ungsunter­richtes für Kinderpsychologie. – Ein nettes Kinderfräulein ging mit Emil (Döll) [de Vries] und mir zur Stadt nachher, als wir den guten Kaffee bei Schwester Goswina „auf“ hatten.

Münster, Montag, 26. Dezember 1938, Heiliger Stephanus
Am Stefanstag 5.30 Uhr heilige Messe des Hochwürdigen Herrn Regens [Arnold Francken]. 6.21 Uhr ab Münster mit Heribert Sommerfeld (itzo in Krefeld) und den drei Osterfeldern[1]. [Über Haltern – Wesel] – 9.00 Uhr in Xanten-West. Zu Emil [de Vries].– Zum 10.00 Uhr Hochamt [im St. Vik­tor­­dom in Xanten] begleitet. – 10.30 Uhr weiter.

[1] Aus Oberhausen-Osterfeld stammten z. B. Karl Doll, Bernhard Kolckenbrock, Heinrich Schmalenbach und Wilhelm Thissen.

Im KZ Dachau erfährt Karl Leisner vom Tod seines Mitschülers und Kurskollegen Emil de Vries.

Samstag, 25. Juli 1942
Karl Leisner aus Dachau an seine Familie in Kleve:
An Familie [Johannes] de Vries, Xanten-Hochbruch, Holzweg 64a Beileid zu des lieben Emils Tod [am 16.5.1942 bei Ssinjawino/Rußland].

Impressionen zur Karl-Leisner-Straße

Xanten Karl-Leisner-Straße 3Xanten Karl-Leisner-Straße 5

Xanten Karl-Leisner-Straße 4Xanten Karl-Leisner-Straße 6

Xanten Karl-Leisner-Straße 2Xanten Karl-Leisner-Straße 7

 

 

Text und nicht ausgewiesene Fotos Christa Bockholt