Zum Tod von Hippolyte Simon

Artikel von Hans-Karl Seeger

Als Hippolyte Simon (* 25.2.1944 in St. Georges-de-Rouelly/Manche/F, † 25. 8.2020 in Caen/Calvados/F) am 22. Februar 1996 zum Bischof von Clermont ernannt und am 4. Mai geweiht wurde, wußte er nichts über Bischof Gabriel Piguet (* 24.2.1887, † 3.7.1952), der Karl Leisner im KZ Dachau am 17. Dezember 1944 zum Priester geweiht hatte.

 

 

 

Hans-Karl Seeger
Um den im Bistum Clermont vergessenen Bischof Gabriel Piguet in Erinnerung zu rufen, beauftragte er den jungen Journalisten Marc-Alexis Roquejoffre und den noch von Bischof Gabriel Piguet geweihten alten Priester Martin Randanne, aus dem Material, das dieser über Gabriel Piguet gesammelt hatte, ein Buch zu schreiben.

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Martin Randanne & Marc-Alexis Roquejoffre

Mon­sei­gneur Piguet, un évêque discuté [Bis­chof Pi­guet, ein umstrittener Bischof], Cler­mont-Ferrand 2000

Bei der Buchvorstellung in Clermont-Ferrand waren Gabriele Latzel und ich als Vertreter des IKLK anwesend.

Bischof Hippolyte Simon war sehr bemüht, auch das Andenken an Karl Leisner wachzuhalten.

Der europäische Gedanke war ihm immer ein besonderes Anliegen. Das bezeugt beispielhaft sein Grußwort anläßlich der Weihe des „Oratorium Carlos Leisner“ in der Pilgerherberge von Hospital de Órbigo/León/E am 12. August 2001, die seit 2007 offiziell den Namen „Albergue Parroquial de Peregrinos Karl Leisner – Kirchliche Pilgerherberge Karl Leisner“ trägt

An die Teilnehmer der Einweihung des Oratoriums „Seliger Karl Leisner“ in Hospital de Orbigo:
„In der ehrenvollen Aufgabe als dritter Nachfolger des Bischofs Gabriel Piguet von Clermont nehme ich mit großer Freude an Ihrer Zusammenkunft am heutigen 12. August 2001 Anteil. Sie haben sich zur Einweihung eines Oratoriums auf dem Jakobsweg versammelt. Dieses ist nun dem seligen Karl Leisner geweiht, der am 17. Dezember 1944 im Konzentrationslager Dachau von Bischof Gabriel Piguet zum Priester geweiht wurde und kurze Zeit nach seiner Befreiung am 12. August 1945 starb. Auf dem Weg zur Einheit und Versöhnung Europas ist diese in jeder Beziehung außerordentliche Weihe eine wichtige Station. Daher ist es berechtigt, die Erinnerung an Karl Leisner durch dieses Oratorium lebendig zu halten. Ich wünsche mir aus ganzem Herzen, daß alle Jakobspilger, die hier Station machen, aus dem Geist der Vergebung und Versöhnung leben, die den seligen Karl Leisner in seiner langen Zeit als Diakon und dann als Priester in seiner Gefangenschaft erfüllt hat. Ich hoffe, daß das Leben, das Wirken und die erhaltenen Tagebücher und Briefe des seligen Karl Leisner bekannt werden. Möge er weiterhin Anstöße für ein vereintes Europa, wie wir es uns wünschen, geben: Offenheit, Brüderlichkeit und Respekt gegenüber allen Menschen. Sein Zeugnis und seine Fürsprache kann allen Gottsuchern helfen, die verborgene Gegenwart desjenigen zu erfahren, den sie nicht benennen können. Ich danke dem Präsidenten und der Sekretärin des Internationalen Karl-Leisner-Kreises für ihre Initiative und wünsche, daß ihr Projekt Erfolg hat und sich weiter entwickelt, auf daß immer mehr junge Menschen im Geiste des seligen Karl Leisner die Bedeutung des Jakobsweges erkennen und daraus ein Weg der Spiritualität und des Lebens entsteht. Möge über den Weg vom Portal der Versöhnung in Kevelaer über Clermont-Ferrand nach Santiago de Compostela ein Band der Versöhnung und des Friedens geknüpft werden. Am Tag der Feier des seligen Karl Leisner bin ich Ihnen im Gebet verbunden. Der Herr segne und beschütze uns und mache uns zum Werkzeug seines Friedens.
Hippolyte Simon”

Bischof Hippolyte Simon war sehr an einer spirituellen Partnerschaft zwischen den Diözesen Münster, Clermont und Santiago de Compostela auf der Grundlage Europas unter dem Patronat des heiligen Jakobus und des seligen Karl Leisner interessiert. Dieser Gedanke entwickelte sich im Januar 2002, während unserer eingehenden Recherchen für den Rundbrief 46 (s. S. 2-4) über Bischof Gabriel Piguet in Clermont-Ferrand.

Leider teilte Bischof Reinhard Lettmann dieses Anliegen nicht.

Von besonderer Bedeutung für den IKLK war die Pilgerfahrt von Erzbischof Hippolyte Simon mit einer Pilgergruppe seiner Diözese anläßlich des 50. Todestages von Bischof Gabriel Piguet zu Gaudete 2002 an den Niederrhein. Die Gruppe nahm auch an der Mitgliederversammlung teil.

Auszug aus dem Protokoll:
„Am Ende der Mitgliederversammlung machte Bischof Hippolyte Simon, dessen Ernennung zum Erzbischof tags darauf in Frankreich bekannt geben wurde, einen begeistert aufgenommenen Vorschlag: Am 17. Dezember 2004, wenn sich der Tag der Priesterweihe Karl Leisners zum sechzigsten Mal jährt, im ehemaligen KZ Dachau einen Gottesdienst zu feiern, dem die Bischöfe von Clermont, München und Münster vorstehen. Er sei gerne bereit, die Bischöfe von München und Münster dazu einzuladen.“

Daß der 60. Jahrestag der Priesterweihe von Karl Leisner 2004 in Dachau in Anwesenheit von acht Bischöfen aus vier Nationen so feierlich begangen wurde, ist also vor allem dieser Initiative von Erzbischof Hippolyte Simon zu verdanken. Der Gottesdienst brachte die Bedeutung der Weihe für Europa ganz besonders zum Ausdruck.

U1_Bischoefe

von links: KZ-Priester Jean Kammerer und Hermann Scheipers, Bischöfe Franz Dietl, Benoît Rivière, Engelbert Siebler, Hippolyte Simon, Friedrich Wetter, Ignacy Jeż, Adrianus van Luyn und Reinhard Lettmann, Diakon Peter Pfister.

Diese Gedenkfeier 2004 wurde zum Vorbild für spätere Veranstaltungen zu Gaudete in Dachau.

Auch für die feierliche Gestaltung des 70. Jahrestages von Karl Leisners Priesterweihe am 17. Dezember 2014 in der Kirche Heilig Kreuz in Dachau-Ost und auf dem ehemaligen KZ-Gelände hat sich Erzbischof Hippolyte Simon maßgeblich eingesetzt. Er nahm mit einer Gruppe von mehr als 200 Jugendlichen an der Gedenkveranstaltung teil und sprach am Block 26 das folgende von ihm persönlich verfaßte Gebet:

2016_05_04_Simon_Gebet

 

Bei vielen weiteren Gedenktagen zu Karl Leisner hat sich Erzbischof Hippolyte Simon bis zu seiner Emeritierung am 17. März 2016 auf Grund seiner Erkrankung sehr engagiert.

Anläßlich der Nachricht von seinem Tod kommen mir zahlreiche außerordentliche Begegnungen mit ihm wieder in Erinnerung. Sie gehören zu den beeindruckendsten, die ich in meiner Zeit als Präsident des IKLK erlebt habe. Ich lernte ihn als einen Bischof kennen, wie man sich ihn in Deutschland kaum vorstellen kann. So holte er zum Beispiel Gabriele Latzel und mich anläßlich der Vorstellung des Buches über Bischof Gabriel Piguet Ende September 2000 ohne Chauffeur persönlich mit seinem privaten PKW vom Flughafen ab.

Buchvorstellung

 

Bischof Piguet in der „Piguet-Kapelle“

Ein besonderes Andenken an Bischof Gabriel Piguet erfährt eine von ihm errichtete Kapelle im Bischofshaus.

 

 

 

 

 

 

Ich durfte dort als Hauptzelebrant mit zwei weiteren Priestern zelebrieren und war ganz erstaunt, daß Bischof Hippolyte Simon konzelebrierte, was in Deutschanld undenkbar ist. Auch ich verwende gerne das zweite Hochgebet, das er selbst unter anderen bevorzugte, weil es auf seinen Namenspatron den heiligen Hippolyt zurückgeht.

Während seiner Pilgerfahrt auf den Spuren von Karl Leisner war Erzbischof Hippolyte Simon zu Gaudete 2002 in Xanten der Hauptzelebrant und ich sein Konzelebrant.

Simon in Xanten

 

Bei den Recherchen für den Piguet-Rundbrief im Januar 2002 in Clermont-Ferrand nahm er uns mit in eine kleine Dorfkirche, wo er in einem feierlichen Pontifikalamt einen muslimischen Jungen, der katholischer Christ werden wollte, ins Taufkatechumenat aufnahm. Als ehemaliger Domzeremoniar in Münster war ich erstaunt, wie so etwas auch verlaufen kann.

Vieles wäre noch über Erzbischof Hippolyte Simon zu berichten. Ohne ihn wäre Karl Leisner in Frankreich nicht so bekannt geworden.

Der IKLK erinnert sich in großer Dankbarkeit an ihn und bewahrt ihm ein ehrendes Gedenken.

Nicht ausgewiesene Fotos: Gabriele Latzel und Karl Leisner-Archiv

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Hommage auf Mgr Hippolyte Simon

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